Freizeit- und Sportbetriebe im Out

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Freizeit- und Sportbetriebe
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Für Veranstalter über Sportbetriebe bis hin zu den Campingbetreibern heißt es seit Monaten: Bitte warten. Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand und sind mit umfassenden Konzepten für die Öffnung bereit.

Neben der Hotellerie und der Gastronomie spüren die Freizeit- und Sportbetriebe massiv die Auswirkungen der Corona-Krise. Kein Wunder: Die meisten sind seit Monaten geschlossen – und ohne eine Perspektive für den Neustart. Die Freizeit- und Sportbetriebe umfassen 34 Berufsgruppen, darunter beispielsweise Veranstaltungsbetriebe, Fitnessstudios und -trainer, Tennis- und Kletterhallen, Campingbetreiber, Tanzschulen und Fremdenführer. Trotz aller Verschiedenartigkeit ist die wirtschaftliche Lage in sämtlichen Unternehmen äußerst prekär. Und: Alle verfügen über ausgefeilte Präventions- und Sicherheitskonzepte und sind für das Aufsperren unter strengen Corona-Auflagen bereit.

Veranstalter im Permanent-Lockdown

Die Veranstaltungsbranche ist wie kaum eine andere massiv von der Pandemie getroffen worden und seit beinahe einem Jahr in einem „Permanent-Lockdown“. Die Eventbranche stellt wie Freizeit- und Sportbetriebe als dritte Säule neben Hotellerie und Gastronomie ein wichtiges Standbein des Gesamtprodukts Tourismus dar. Wie wichtig Messen, Kongresse, Sport- und Kulturveranstaltungen sind, hat der massive Einbruch der Stadthotellerie im letzten Jahr gezeigt. Viele kleinere Betriebe oder Privatzimmervermieter sind in ihrem Angebotsportfolio auf öffentlich nutzbare Freizeit- und Sporteinrichtungen angewiesen.

Wolfgang Suitner, WKO-Branchensprecher der Veranstaltungsbetriebe
Wolfgang Suitner, WKO-Branchensprecher der Veranstaltungsbetriebe

Die Spanne in der Veranstaltungsbranche ist sehr breit und reicht von kleinen Events wie Hochzeiten, Jubiläumsfeiern bis hin zu großen Messen und Kongressen sowie internationalen Konzerten und Sportveranstaltungen. An den Veranstaltungsbetrieben hängt zudem eine ganze Kette an Zulieferern wie Gerüstbauer, Bühnen- und Tontechniker, Cateringunternehmen, Pyrotechniker oder Floristen. Planungssicherheit spielt für die Eventbranche eine besondere Rolle, da die Firmen im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren ungleich längere Vorlaufzeit haben. Von der Planung bis zur Umsetzung bzw. zum fertigen Produkt „Veranstaltung“ vergehen Monate, bei großen Produktionen beträgt diese bis zu einem Jahr.

„Neben der dringend benötigten Perspektive und Planungssicherheit für tausende Betriebe geht es auch um die positive soziale Komponente – durch das Hochfahren der Branche wird den Menschen ermöglicht, nach einer Zeit der Isolation wieder zusammenzukommen, das Miteinander zu genießen und zu erleben“, verweist Wolfgang Suitner, WKO-Branchensprecher der Veranstaltungsbetriebe und stellvertretender Obmann der Freizeit- und Sportbetriebe auf Bundesebene, auf die Wichtigkeit ehestmöglicher Öffnungsschritte.

Georg Giner, Fachgruppenobmann der Freizeit- und Sportbetriebe
Georg Giner, Fachgruppenobmann der Freizeit- und Sportbetriebe

Freizeit- und Sportbetriebe am Limit

Zum anderen erleben die zahlreichen Freizeit- und Sportbetriebe die schwierigste Zeit ihres Bestehens. Die Stimmung bei Fitnessstudiobetreibern, Tennishallen, Kletterzentren oder Tanzschulen schwankt zwischen Verzweiflung und Frustration – trotz detailliert ausgearbeiteter und fundierter Wiederöffnungskonzepte haben diese Betriebe bis dato nur einen sehr vagen Öffnungshorizont und hängen immer in der Warteschleife.

„20 bis 30 Prozent der Tiroler Fitnessbetriebe sind in existenzbedrohender Lage. Der Mitgliederverlust liegt derzeit bei rund 30 Prozent und wird von Monat zu Monat höher“, erläutert Fachgruppenobmann Georg Giner. „Es ist wissenschaftlich nicht begründbar, dass in einer Tennishalle mit deren enormer Kubatur Ansteckungsgefahr gegeben ist. Dasselbe gilt unter Berücksichtigung kontrollierter Eintritte auch für die Fitnessbranche“, ergänzt Wolfgang Suitner.

Georg Giner und Wolfgang Suitner betonen, dass Betriebe und Politik an einem Strang ziehen: „Mit den Öffnungsschritten verfolgen Regierung und Betriebe dasselbe Ziel – die Menschen zum intensiven Testen zu animieren und so das Infektionsgeschehen parallel zu den Impfungen bestmöglich im Auge behalten zu können.“

Das brauchen die Sport- und Freizeitbetriebe jetzt

• Planungssicherheit
• Die Testmodalitäten müssen bei Öffnung genau feststehen
• Die Verantwortung und der Nachweis einer Testung liegen beim Kunden
• Regelmäßige und unentgeltliche Testmöglichkeiten für Mitarbeiter in allen Branchen
• Gewährleistung bundesweit flächendeckender und daher schnell erreichbarer Testmöglichkeiten
• Kein neuerlicher Lockdown
• Verlängerung von Umsatzersatz sowie weitere Unterstützungsmaßnahmen für alle Berufsgruppen
• Keine Bevorzugung jeglicher Art von Vereinen bei den Öffnungsschritten
• Forderung: Ausweitung der MWSt-Senkung auf fünf Prozent auf alle Berufsgruppen

Georg Giner und Wolfgang Suitner im Interview

Der Fachgruppenobmann der Tiroler Freizeit- und Sportbetriebe Georg Giner sowie sein Stellvertreter Wolfgang Suitner nehmen im Interview zu Unterstützungsmaßnahmen, dem Beitrag der Betriebe zur Gesundheit und den Rahmenbedingungen für eine sichere Öffnung Stellung.

Wie lauten die Forderungen für die Öffnungen in den Sportbetrieben?

Giner: Outdoorsport ist aus unserer Sicht sofort möglich, eventuell mit begrenzter Teilnehmerzahl und limitierten Gruppengrößen sowie entsprechenden Abstandsregeln. Auch Indoorbetriebe können mit Quadratmeterregeln oder einer maximalen Kundenanzahl geöffnet werden, auch ohne Gastronomie und Umkleide. Selbstverständlich ist auch die Auflage von Testungen eine Option!

Und was sollte im Bereich der Veranstaltungsbetriebe passieren?

Suitner: Auch hier verfügen die Betriebe über umfassende und auf die Anforderungen maßgeschneiderte Präventionskonzepte. Kleinveranstaltungen bis 100 Personen müssen daher mit Testungen sofort möglich sein, das betrifft beispielsweise Hochzeiten oder Kleinkunstveranstaltungen. Auch Großveranstaltungen sind aus unserer Sicht mit entsprechenden Testkonzepten möglich.

Sind Öffnungen auch bei den weiteren Berufsgruppen denkbar?

Giner: Alle Betriebe verfügen über Präventionskonzepte und bieten weitaus mehr Sicherheit als der private Bereich. So lassen sich beispielsweise für Fremdenführer und Reisebetreuer Individualtouren für Familien und Kleingruppen bis mindestens 15 Personen outdoor mit Test gefahrlos umsetzen. Auch Tanzschulen können für Paare aus gemeinsamen Haushalten bzw. mit praxistauglichen Quadratmeterbeschränkungen wieder aufsperren. Selbiges natürlich auch für Campingbetreiber. Camping zählt zu den sichersten Urlaubsformen überhaupt. Die Gäste wohnen in eigenen Unterkünften inklusive eigener Sanitäranlagen.

Bleiben wir noch kurz bei den Campingbetreibern. Welche speziellen Anforderungen hat diese Berufsgruppe aktuell?

Giner: In Bezug auf Corona verfügen die Campingplatzbetreiber über wirksame Sicherheitskonzepte und sind für die Öffnung bereit. Mehr Kopfzerbrechen macht uns derzeit die Debatte um das Campinggesetz, bei dem ja gerade im Schnellverfahren Flächenbeschränkung für mobile Unterkünfte beschlossen wurden. Das hemmt die Entwicklungsmöglichkeiten der Tiroler Campingbetreiber und ist ein massiver Wettbewerbsnachteil am europäischen Markt. Wir zählen auf die Zusage der Politik, dass das Gesetz zeitnah evaluiert wird und im Zuge dessen eine Modernisierung und Anpassung an die heutigen Erfordernisse stattfindet.

Wie bewerten Sie den „Schutzschirm“, der für die Eventbranche ins Leben gerufen wurde?

Suitner: Der neu geschaffene, mit 300 Millionen Euro dotierte Schutzschirm ist ein sehr gutes Instrumentarium zur Absicherung der Veranstalter, er sollte aber kein „theoretisches Konstrukt“ bleiben, sondern als effektive Hilfe zur praktischen Anwendung kommen.

Braucht es unterschiedliche Regelungen für Vereins- und gewerblichen Sport?

Suitner: Wie auch beim WKÖ-Öffnungsgipfel mehrfach betont wurde, ist es wichtig, dass Vereins- und gewerblicher Sport nicht auseinanderdividiert und gegeneinander ausgespielt werden dürfen.

Können die Freizeit- und Sportbetriebe auch einen wichtigen gesundheitlichen Beitrag leisten?

Suitner: Nach dieser langen und zermürbenden Zeit ist es für die Menschen gerade jetzt unglaublich wichtig, auf ihre physische und psychische Gesundheit zu schauen. Sportausübung unter Berücksichtigung entsprechender Maßnahmen muss ehestmöglich wieder möglich sein – es gilt, Menschen wieder zusammenzuführen und einen Austausch, wenn auch noch unter kontrollierten Bedingungen, zu ermöglichen.