Masterplan Mobilität: Sieben Aufgaben, ein Ziel

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Der Mobilitätsmasterplan 2030 wurde von der österreichischen Verkehrswirtschaft erarbeitet und basiert auf einer integrierten Strategie für den Personen-, Güter- und Individualverkehr.

Viel wird in Österreich über Verkehr diskutiert. Von Vielen. Experten erinnert die Diskussion leider allzu oft an das Kinderspiel „Reise nach Jerusalem“. Allerdings mit erschwerten Bedingungen, weil es dabei nicht nur einen, sondern gleich mehrere Verlierer geben könnte.

„Wir haben uns die gesamte Situation angesehen und wir gehen davon aus, dass wir auch in Zukunft mobil bleiben wollen bzw. bleiben müssen, wollen wir unseren Lebensstandard und unseren Wirtschaftsstandort und damit unsere Jobs erhalten“, skizziert Rebecca Kirchbaumer, Tiroler Obfrau der Sparte Transport & Verkehr, die Herangehensweise an das Projekt.

Der Mobilitätsmasterplan, der Ende Oktober von Bundesobmann Alexander Klacska der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, umfasst sieben Handlungsfelder:

  1. Nachhaltige Energieversorgung sicherstellen
  2. Infrastruktur ausbauen
  3. Infrastruktur effizient nutzen
  4. Digitalisierung vorantreiben
  5. Raumordnung zielgerecht koordinieren
  6. langfristige Finanzierung sicherstellen
  7. Bildung zukunftsorientiert gestalten

„Wollen wir die Klimaziele erreichen, dann müssen wir in all diesen Handlungsfeldern Gas geben – und zwar jetzt!“, mahnt Kirchbaumer. Der verbreitete Ruf nach weiteren Verboten und höheren Steuern ist für die Tiroler Obfrau kurzsichtig. Warum? „Wollen wir den gesamten Verkehr auf Elektroantrieb umstellen, dann bräuchten wir dazu 65 weitere Wasserkraftwerke oder 11.000 Windkraftanlagen“, stellt die Obfrau klar.

Mobilitätsmasterplan
Mobilitätsmasterplan 2030

Anderes Beispiel, selbe Herausforderung: Raumordnung. Tirol liegt auf der TEN-Achse (Transeuropäisches Eisenbahnnetz) von Finnland bis nach Malta. Mit der Unterinntaltrasse und dem Bau des Brenner Basistunnels hat Österreich den Weg für die Verlagerung bereitet. „Allerdings hat man gänzlich auf Verladeterminals in Tirol vergessen“, sagt Kirchbaumer. Dass die Tiroler ihre Fracht dann in Bayern oder Italien „verlagern“ müssen, kann von niemandem ernsthaft gewollt sein.

Viel Arbeit sieht die Nationalratsabgeordnete und Verkehrsexpertin auch beim Thema Citylogistik. 10.000 Pakete unter 10 Kilogramm werden in Tirol transportiert – pro Tag. „Für die berühmte `letzte Meile´ muss ebenfalls Vorsorge getroffen werden. In anderen Worten, die Raumordnung muss entsprechende Logistikflächen für die Organisation der Citylogistik schaffen.

Rebecca Kirchbaumer, Obfrau der Sparte Transport & Verkehr in der WK Tirol
Rebecca Kirchbaumer

Brüssel hat Anfang Dezember seine Strategie für eine nachhaltige und intelligente Mobilität vorgestellt. Für Kirchbaumer und Klacska geht es dabei auf jeden Fall in die richtige Richtung. Die Strategie der EU sieht Maßnahmen vor, die sich auch im Mobilitätsmasterplan wiederfinden. Dafür sind wiederum massive, grenzüberschreitend abgestimmte Investitionen in die Infrastruktur, insbesondere die Schiene sowie in Logistik-Knotenpunkte im Personen- und Güterverkehr notwendig.

Unterm Strich müssen die Maßnahmen für die Wirtschaft „machbar“, sprich umsetzbar sein. „Wir wollen die Klimaziele erreichen und werden dazu – ebenso wie alle anderen Beteiligten – auch unseren Beitrag leisten. Dazu müssen auf jeden Fall die Rahmenbedingungen stimmen“, hält Kirchbaumer fest und wirft ein Blick auf den Kalender. „In wenigen Wochen schreiben wir das Jahr 2021. Die Umsetzung der Maßnahmen – vom Ausbau der Schiene, über den Bau von Terminals bis hin zur Sicherung der Finanzierung – duldet keinen Aufschub mehr. Weder in Österreich, noch in Brüssel.“

Weitere Informationen: Mobilitätsmasterplan 2030