Lehre nach Matura: Wunschausbildung im zweiten Anlauf

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Erfolgskonzept „Lehre nach der Matura“: Ausbilder Matthias Luxner (M.) mit den beiden Lehrlingen Manuel Wagner (l.) und Florian Tipotsch.
Erfolgskonzept „Lehre nach der Matura“: Ausbilder Matthias Luxner (M.) mit den beiden Lehrlingen Manuel Wagner (l.) und Florian Tipotsch.
© WK Tirol

Manuel Wagner und Florian Tipotsch sind 21 Jahre jung. Nach der Matura und angefangenem Studium haben sie entschieden, eine Lehre zum Mechatroniker bei der Firma Innio Jenbacher zu absolvieren.

Noch ist es nicht die Regel, nach der Matura eine Lehre anzuhängen. Doch so gut wie alle, die damit praktische Erfahrungen gemacht haben, sind von Grund auf begeistert. In Deutschland bereits gang und gäbe, entwickelt sich die Lehre nach Matura auch in Österreich zu einem beliebten Ausbildungsweg. Über 400 Maturanten absolvieren derzeit in Tirol eine Lehre.

Theorie und Praxis perfekt kombiniert

Das Unternehmen Innio in Jenbach hat seine Wurzeln in der Energieerzeugung und Gasverdichtung. Als wichtiger Impulsgeber für die nachhaltigen und umweltfreundlichen Energielösungen von heute und morgen, produziert der Konzern seit rund 90 Jahren Industrie-Verbrennungsmotoren zur dezentralen Energieversorgung. Mehr als 100 Lehrlinge sind derzeit in der Unternehmenszentrale in Jenbach in Ausbildung. Zwei davon sind Manuel Wagner aus Rotholz und Florian Tipotsch aus Buch bei Jenbach. „Zuvor haben wir das Paulinum in Schwaz besucht. Ich habe dann ein Semes-ter Elektrotechnik/Toningenieur in Graz studiert. Ich habe sofort gemerkt: Das ist es einfach nicht. Nur Theorie, immer nur lernen, das bin nicht ich“, erzählt Manuel Wagner.

Für Florian Tipotsch war es nicht anders: „Bei mir war es ein Semester Physik. Es sind schnell Zweifel aufgetreten, ob das das Richtige für mich ist. Durch einen gemeinsamen Freund haben wir von der Lehre als Mechatroniker bei Innio Jenbacher erfahren. Wir haben hineingeschnuppert und Blut geleckt.“ Wagner und Tipotsch haben im September letzten Jahres ihre Lehre im Bereich Mechatronik in Automatisierungstechnik gestartet und sind mehr als glücklich mit dieser Entscheidung.

Mechatroniker verbinden mechanische, elektronische und informationstechnische Teile. Florian Tipotsch bei der Programmierung eines Roboters.
Mechatroniker verbinden mechanische, elektronische und informationstechnische Teile. Florian Tipotsch bei der Programmierung eines Roboters.
© WK Tirol

Studium oder doch eine Lehre nach Matura?

„Mir hat einfach auch die körperliche Anstrengung gefehlt. Ich wollte etwas anpacken und mit meinen Händen schaffen. Das Studium hatte für mich einfach nichts Greifbares. Meine Mama war anfangs nicht sehr begeistert, aber jetzt versteht sie mich und meine Entscheidung“, so der Rotholzer schmunzelnd.  „Die Abwechslung ist jeden Tag aufs Neue spannend. Kein Tag gleicht dem anderen und das begeistert einfach. Und das Wissen in diesen Wänden ist nie enden wollend“, erzählt Manuel Wagner begeistert von seinen Anfängen bei Innio Jenbacher.

Fräsen, drehen, schweißen. Die beiden Lehrlinge mit Matura haben bereits die Grundausbildung in der Lehrwerkstätte hinter sich. „Wir sind immer gefordert. Jeder Tag ist neu, anders und abwechslungsreich. Unser Arbeitstag fängt um 6:45 Uhr an und dann geht’s los. Die Gemeinschaft und der Zusammenhalt geben mir persönlich sehr viel“, freut sich der 21-jährige Tipotsch über seine Entscheidung und Kollege Wagner fügt hinzu: „Ich finde die Lehre besser als ein Studium. Wir verdienen für unser Alter sehr gut. Ich habe Freunde mit einem abgeschlossenen Studium und die finden keinen Job.“  Auch die verkürzte Lehrausbildung ist ein Anreiz für Lehrlinge mit Matura. In diesen beiden Fällen sind es 2,5 Jahre statt ursprünglich 3,5 Jahre. Die Berufsschule wird für zehn Wochen im Jahr in Kufstein besucht.

Manuel Wagner bei der Fehlersuche in der Automatisierungsanlage. Prozessgesteuerte Anlagen werden regelmäßig gewartet.
Manuel Wagner bei der Fehlersuche in der Automatisierungsanlage. Prozessgesteuerte Anlagen werden regelmäßig gewartet.
© WK Tirol

Bessere Zusammenarbeit

Jene Unternehmen, die etwas ältere Lehrlinge an Bord holen, sind begeistert, weil die jungen Mitarbeiter eben über ein paar Jahre mehr Lebenserfahrung verfügen, den einen oder anderen Beruf schon selbst gesehen haben und daher wesentlich genauere Pläne haben, wie ihr Berufsleben aussehen soll. Für Ausbilder Matthias Luxner ist die Zusammenarbeit mit Lehrlingen mit Matura eine absolute Bereicherung. „Das zwischenmenschliche und das fachbezogene Verständnis ist anders. Die Soft Skills passen einfach.“

Er selbst hat im Jahr 2000 eine Lehre zum Maschinenbautechniker bei Innio Jenbacher begonnen. Seit elf Jahren ist er Ausbilder in der hauseigenen Lehrwerkstatt und hat bereits mehr als 300 Lehrlinge durch die duale Ausbildung begleitet. „Das Modell der Lehre nach der Matura ist nur zu begrüßen. Wir setzen sehr auf eine kompetenzorientierte Ausbildung. Gerade in der Industrie kämpfen wir um jeden einzelnen Facharbeiter und sind hier sehr offen für alternative Ausbildungswege“, so der Ausbilder.

„Bei uns in Tirol hat Handwerk einen hohen Stellenwert. So haben Maturanten derzeit mit einer Lehre unglaubliche Berufs- und Karrierechancen. Den Absolventen stehen alle Türen offen.“ So versucht Inno Jenbacher auch über ihren eigenen Facebook und Instagram-Kanal speziell für Auszubildende, junge Menschen für eine duale Ausbildung bei einem führenden Lösungsanbieter von Gasmotoren und Blockheizkraftwerken zu interessieren und zu motivieren.

Fachausbildung für Maturanten

• Praxisorientierte Ausbildung am letzten Stand der Technik
• Betriebe profitieren von einer soliden Basisausbildung und der Zielstrebigkeit der Lehrlinge
• Verkürzte Lehrzeit um ein Jahr
• Viele Möglichkeiten an Zusatzausbildungen
• Fakultatives Auslandspraktikum während der Ausbildung
• Vielfältige Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten
• Attraktives Lehrlingsentgeld

Weitere Informationen:
Helmut Wittmer
Bildungsabteilung der WK Tirol
T +43 5 90 905 7301
E helmut.wittmer@wktirol.at

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