So zünden Sie den Innovationsturbo

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Symbolbild Innovation
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Klein- und Mittelbetriebe brauchen einen bodenständigen Ansatz zum Thema Innovation. In den Bereichen Organisation, Angebot und Kundenorientierung stecken zehn Arten der Innovation, die Vorteile bringen.

Wenn von Innovation die Rede ist, wird der Begriff oft als Synonym für neue Produkte oder neue Funktionen bestehender Produkte verwendet. In Wirklichkeit ist dies eine recht enge Sichtweise von Innovation. Denn Innovation ist viel mehr. Zahlreiche Unternehmensinnovationen im Laufe der Geschichte lassen sich nicht unmittelbar auf technische Erfindungen oder zufällige Entdeckungen zurückführen. Innovation steht für mehr als nur fliegende Autos oder Quantenmechanik. Sie kann in vielen unterschiedlichen Bereichen geschehen: So sind auch umweltfreundlichere Verpackungen, schnellere Arbeitsabläufe, die Art und Weise (neue) Kunden zu erreichen, echte Innovationen.

Dieser Thematik hat sich eine Arbeitsgruppe bestehend aus Mitarbeitern von Wirtschaftskammer, Gründerservice, Bildungsconsulting und InnCubator bzw. Universität Innsbruck angenommen. In zahlreichen Workshops ist ein Raster entstanden, dass Unternehmen als Inspiration dienen kann. „Es geht um ein einfaches Raster, um Innovationen zu erkennen und Bereiche zu identifizieren, die dafür in Frage kommen – und zwar abseits hochtheoretischer Überlegungen“, erklärt der Geschäftsführer des InnCubators, Robert Schimpf. Während der Erarbeitung dieses Rasters wurden vielerlei Ansätze, Methoden und Modelle aus Praxis und Forschung durchleuchtet.

Zehn Facetten der Innovation

Am Ende wurde das Model „10 Types of Innovation“ von Larry Keeley als Vorlage verwendet. Im Folgenden wird aufgezeigt, wo Innovation im Unternehmen überall passieren kann. Es handelt sich dabei um zehn Facetten der Innovation, die sich in drei große Bereiche eingliedern lassen: Organisation, Angebot und Kundenorientierung. So schafft eine laufende Verbesserung der Organisation mehr Effizienz, eine Optimierung des Angebots das Quäntchen Wettbewerbsvorteil und das Handeln nah am Kundenwunsch eine loyale Stammkundschaft. Wer diese zehn Optionen der Innovation kennt, findet schlummernde Potenziale und kann damit den Innovationsturbo für seinen Betrieb zünden.

Reifegrade der Innovation
Kein Unternehmen ist zu klein, um innovativ zu denken. In den drei großen Kernbereichen Organisation – Angebot – Kundenorientierung stecken jede Menge Möglichkeiten, sich einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz zu erarbeiten.
© WK Tirol

Organisation

Die Organisation betrifft den Aufbau eines Unternehmens und somit die Arbeit, die „hinter den Kulissen“ stattfindet. Aber auch wenn Innovationen in diesem Bereich für Kunden nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, können sie dennoch einen wichtigen Einfluss auf das Kauferlebnis haben. Die Art und Weise, wie das Unternehmen und die Produkte organisiert sind, hat entscheidende Effekte und kann auch Innovationen in anderen Kategorien auslösen.

1. Ertragslogik – Wie wird Geld verdient?

Geld kann auf verschiedensten Wegen verdient werden. Der reine Kauf und Weiterverkauf gelten als überholt. Orientierung bieten beispielsweise Onlineangebote wie Netflix – für eine monatliche Gebühr kann man das Programm so oft benützen, wie man möchte. Inspiration findet man auch Zuhause – der Drucker oder die Kaffeemaschine sind üblicherweise sehr günstig zu haben, während das eigentliche Geld mit dem Nachfüllen verdient wird.

2. Netzwerk – Wie lassen sich Partnerschaften knüpfen?

In der heutigen vernetzten Welt ist es als Einzelkämpfer schwierig. War man früher selbst nur Kunde bei Zulieferern, ist es heute und vor allem in Zukunft wertvoll, Produkte und Dienstleistungen mit Partnern weiterzuentwickeln. Durch eine gleichwertige Partnerschaft können Arbeitsabläufe vereinfacht und das Produkt bzw. die Dienstleistung für den Kunden verbessert werden.

3. Strukturen – Wer entscheidet? Und vor allem: wie flexibel?

Der Aufbruch zu neuen Ufern erfordert die entsprechenden Bedingungen. Wieviel Wert wird auf die Meinung von Mitarbeitern gelegt? Haben diese die Möglichkeit, sich einzubringen? Wer trifft am Ende des Tages die Entscheidungen? Kurze Entscheidungswege und Anreize für Mitarbeiter schaffen Raum für Neues. Eine Möglichkeit dafür ist ein fixer Zeitraum pro Woche, der ausschließlich dazu dient, neue Ideen zu verfolgen – alles ist erlaubt. Das ist noch keine Erfolgsgarantie – aber wer diesen Platz nicht schafft, verpasst garantiert jede Abzweigung, die zu Innovationen führt.

4. Arbeitsabläufe – Wie effizient wird gearbeitet?

Ein gutes Zusammenspiel der verschiedenen Arbeitsabläufe erlaubt es, Aufträge schneller zu erledigen. Speziell bei Bürotätigkeiten besteht enormes Potenzial – hier kann mittels Computerprogrammen vieles beschleunigt werden – von Angeboten über Aufträge und Rechnungen bis hin zum Mahnwesen. Je besser Arbeitsabläufe organisiert und automatisiert sind, desto besser können auch Auftragsspitzen bedient werden.

Angebot

Die Angebotskategorie umfasst zwei Arten der Innovation und ist wohl diejenige, die landläufig am ehesten mit Innovation verknüpft wird. Deren Wert soll nicht kleingeredet werden – aber es sind eben nur zwei von insgesamt zehn Möglichkeiten, am Markt innovativ aufzutreten. Die Verbesserung der Produktleistung ist eine offensichtliche, aber schwierige Art der Innovation, die von einer tief verwurzelten Unternehmenskultur in Bezug auf technische Innovationen begleitet werden muss.

5. Produkt Performance – Was macht ein Produkt einzigartig?

Dieser Innovationstyp ist am greifbarsten für die Kunden. Sie merken sofort, ob ein Produkt qualitativ hochwertiger ist oder über mehr Funktionen verfügt. Fragen, die in diesem Zusammenhang gestellt werden können, sind beispielweise: Wie kann ich mein Produkt laufend weiterentwickeln? Welche Technologien kann ich verwenden, um mich abzugrenzen? Wie muss ich meine Fähigkeiten und Kenntnisse einsetzen, um ständig die neuesten Produkte und Dienstleistungen anzubieten? Bin ich mit meinem Angebot nur einer von vielen oder steche ich aus der Masse heraus?

6. Produktpalette – Wie breit ist das Angebot?

Wenn nur eine Leistung bzw. ein Produkt angeboten wird, hat ein Einbruch der Nachfrage dramatische Folgen. Daher erweitern viele Betriebe ihre Palette, beispielweise durch den Handel mit Ersatzteilen oder dem Vertrieb von Zubehör. Eventuell macht es sogar Sinn, Produkte von anderen Herstellern gemeinsam zu verkaufen. Beispielsweise vertreiben Frisöre auch Pflegemittel und Stylingzubehör. Auch im Supermarkt finden sich oft Kombiangebote.

Zehn Möglichkeiten mit demselben Ziel: Durch Innovation den Kunden einen Mehrwert bieten.
Zehn Möglichkeiten mit demselben Ziel: Durch Innovation den Kunden einen Mehrwert bieten.
© WK Tirol

Kundenorientierung

Während andere Innovationen im Hintergrund bzw. im Vorfeld stattfinden, werden diese so genannten Erfahrungsinnovationen direkt an den Kunden getestet. Aus diesem Grund ist bei der Einführung dieser Ideen große Sorgfalt geboten.

7. Service – Wo liegt der Mehrwert?

Einen Großteil aller Produkte findet man in sehr ähnlicher Form sehr oft. Was Anbieter von der Konkurrenz unterscheidet, ist ein exzellenter Service. Wer die Kundenbeziehung mit dem Verkauf enden lässt, verzichtet auf eine Chance. Dazu gehören folgende Leitfragen: Wie wird mit Reklamationen umgegangen? Lassen sich Produkte vor dem Kauf testen? Werden treue Kunden mit Boni belohnt? in diesem Bereich gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Kreativität lohnt sich!

8. Kanäle – Wie werden die Kunden erreicht?

In unserer vernetzen Welt ist es nicht mehr ausreichend, Produkte nur in einem einzigen Geschäft zu verkaufen. Auch reicht es nicht mehr aus, Dienstleistungen nur mehr über Anzeigen zu bewerben. Wer gesehen werden will, nützt verschiedene Kanäle. Social Media ist eine einfache und kostengünstige Möglichkeit. Auch gibt es zahlreiche benutzerfreundliche Softwareangebote, um Produkte mittels Onlineshops zu verkaufen. Je mehr potenzielle Kunden schon vor dem Erstkontakt über ein Produkt erfahren können, desto besser. Das vermittelt Seriosität und schafft Vertrauen.

9. Marke – Wofür steht der Firmenname?

Ein Firmenname wird zwangsläufig mit verschiedenen Assoziationen verbunden – positiv wie negativ. Um sich im Dickicht des Marktes einen Vorsprung zu sichern, zahlt es sich aus, in die Marke, das Logo, den Außenauftritt zu investieren. Wer bei Kunden bereits mit dem Markennamen positive Gefühle auslöst, dringt mit seinen Angeboten eher durch als die Konkurrenz.

10. Kundenengagement – Bereit, von den Kunden zu lernen?

Eine Firma kann von ihren Kunden viel lernen und damit ihr Angebot verbessern. Je besser ein Unternehmen versteht, warum Konsumenten hier kaufen und nicht bei der Konkurrenz, desto mehr Kunden lassen sich gewinnen und überzeugen. Es zahlt sich aus, sich um Sternebewertungen und Meinungen im Internet aktiv zu kümmern.

Das Gesamtpaket zählt

Mithilfe der zehn Facetten der Innovation können Führungskräfte ihren Betrieb aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und überlegen, wie sie sich signifikant von anderen unterscheiden können. Ist eine Idee gefunden, ist es oft ratsam, schnellstmöglich direkt bei den Kunden, Kollegen und Team Feedback einzuholen oder die Neuerung mit kleinen Versuchen und Prototypen direkt auszuprobieren. Um erfolgreich zu sein, ist es wichtig, eine für sich und sein Unternehmen passende Kombination aus den verschiedenen Arten der Innovation zu finden. Dabei ist es nicht nötig, in allen Bereichen der Innovation der Beste zu sein. Wie so oft muss das Gesamtpaket stimmen.

Mehr zu den umfassenden Angeboten des InnCubators

Fünf Jahre InnCubator
  • Vor 5 Jahren wurde der InnCubator als Innovationszentrum der Universität Innsbruck und der Wirtschaftskammer Tirol gegründet.
  • Heuer wird die 200er-Marke an betreuten Geschäftsidee überschritten.
  • Dabei wurden über 20 Prototypen gemeinsam mit den WIFI Werkstätten betreut.
  • Start des nächsten Programmes ist Mitte November. Das Ziel ist die bestmögliche Unterstützung für Menschen mit Geschäftsideen.
  • Als Teil des Digital Innovation Hub West wurden erste Kreativworkshops für KMU abgehalten. Im Zentrum stehen Ideengenerierung, Innovations-Sprints und Geschäftsmodellentwicklungen.
  • Seit diesem Semester ist der InnCubator auch mit Dozenten für das Erweiterungsstudium Entrepreneurship tätig. Dieses ermöglicht Studierenden, zusätzlich zu ihrem Master oder Diplom eine Ausbildung im Unternehmertum zu absolvieren.

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