Förderungen: Viele Anreize, große Wirkung

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Die Kraft der Innovation: Forschung und Entwicklung haben in vielen Tiroler Unternehmen einen hohen Stellenwert. Als Schlüsselfaktoren eines erfolgreichen Standorts werden sie auch entsprechend gefördert.
Die Kraft der Innovation: Forschung und Entwicklung haben in vielen Tiroler Unternehmen einen hohen Stellenwert. Als Schlüsselfaktoren eines erfolgreichen Standorts werden sie auch entsprechend gefördert.
© WK Tirol/Christian Vorhofer

Mit seinem vielfältigen Förderungsangebot liegt Tirol im österreichischen Spitzenfeld. Die Unterstützungen können Wegweiser für Unternehmen sein und ein Stück weit als innovative Triebfeder dienen.

Es gibt einen Spruch, der auf den ersten Anschein schon ein wenig schräg klingt: „100 Euro haben oder nicht haben ergibt 200 Euro.“ Mathematiker mögen angesichts dessen die Augen rollen, und doch steckt ein gewisser Sinn in diesem logischen Unsinn. Dann nämlich, wenn der Spruch im Zusammenhang mit Förderungen angewendet wird, mit Wirtschaftsförderungen, um genau zu sein. „Sie können einen entscheidenden Kick geben. Eine positive Erfahrung mit den Förderinstrumenten kann ein Unternehmen durchaus dazu animieren, auf dem Entwicklungszug zu bleiben“, sagt Dietmar Auer.

Der „Entwicklungszug“ des Wirtschaftsstandortes Tirol wird mit den unterschiedlichsten Wirtschaftsförderungsinstrumenten (Hier geht’s zu den aktuellen Unterstützungsleistungen vom Land Tirol und vom Bund) nicht nur gelenkt, die Förderungen können dem Zug auch Geschwindigkeit, Wendigkeit oder Stärke verleihen. Und sie können die Unternehmen dazu animieren, weiter in Richtung Zukunft zu denken – mit dem entscheidenden Kick eben, von dem Dietmar Auer spricht. Auer ist Unternehmensberater und konzentriert sich im Rahmen der „Förderbetreuung Tirol“ darauf, Lücken zu schließen und – wie der Name schon sagt – Betreuung im Zusammenhang mit Förderungen anzubieten.

„Viele Unternehmerinnen und Unternehmer wissen gar nicht, welche Fördermöglichkeiten es gibt“, weiß Auer. Wie die Förderexperten des Förderservice der WK Tirol, unterstützt er Unternehmer dabei, sich einen Überblick zu verschaffen und passende Förderungen für die konkreten Unternehmenssituationen zu finden. Mit der gesamten Förder-Abwicklung geht die „Förderbetreuung Tirol“ noch ein Stück weiter und schließt in dem Zusammenhang Lücken, die sich allein aufgrund der Zeit ergeben, die die korrekte Abwicklung eines Förderprojektes – von der Antragstellung bis hin zum Projektbericht – benötigt.

Dietmar Auer, Unternehmensberater

Innovationskraftstrotzend

Das mit wuchtiger Innovationskraft den Weltmarkt des digitalen Textildrucks revolutionierende Kramsacher Unternehmen Aeoon Technologies zählt seit Jahren schon zu den Geschäftspartnern der in Kufstein stationierten Förderbetreuer. Im Herbst 2018 berichtete die Tiroler Wirtschaft beispielsweise darüber, wie bei Aeoon Technologies eine Innovation die andere jagt und dabei kontinuierlich an der Konstruktion der Druckermechanik gearbeitet, Software geschrieben und Elektronik designt wird. Seit 2013 hat Aeoon die schnellste Textildruckmaschine für Stückgut auf dem Weltmarkt und überzeugt seinen „Kundenstock“ – von großen Sportartikelherstellern bis hin zu kleinen Firmen – mit höchsten Auflösungen und geringsten Verbrauchmaterialien.

Wer eine Branche derart mit erfolgreich umgesetzten Geistesblitzen aufmischt, trifft punktgenau ins Schwarze der Förderwürdigkeit. Derart würdig sind zahlreiche unternehmerische Schritte in Richtung Innovation, Beschäftigung, Gründung oder schlicht „Neues“. Doch wer mit der Umsetzung von Geistesblitzen beschäftigt ist, hat im laufenden Betrieb oft nur wenig oder gar zu wenig Zeit, sich um Förderungen zu bemühen. Angelo Schiestl, dem Geschäftsführer von Aeoon-Technologies, ging es genauso.

Das Regelwerk der Förderungen, die für „seine“ Innovationen in Frage gekommen wären, hatte ihn abgeschreckt, doch seit sich die „Förderbetreuung Tirol“ um die Förder-Abwicklung kümmert, wird jede innovative Idee und Weiterentwicklung vom Gedanken an die entsprechenden Förderungen begleitet. „Vor Weihnachten haben wir beispielsweise die Zusage für eine Förderung eines Aeoon-Digitalisierungsprojektes bekommen“, sagt Auer. Dass Aeoon Technologies auch von der Innovationsförderung des Landes profitieren konnte, versteht sich fast von selbst.

Die Pole-Position

Die Innovationsförderung des Landes ist ein schönes Beispiel für die Kraft der finanziellen Anreize. Bei einreichbaren Kosten in Höhe von maximal 120.000 Euro kann ein nicht rückzahlbarer Zuschuss in Höhe von 36.000 Euro – also 30 Prozent – fließen. Bei Unternehmenskooperationen in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Innovation kann dieser Zuschuss bis zu 40 Prozent betragen. Das sind Finanzspritzen, die durchaus dazu animieren, den Entwicklungszug nicht zu verlassen, für den in Tirol zahlreiche Schienen gelegt wurden.

„Tirol hat sehr attraktive Programme und liegt im Bereich der Wirtschaftsförderung österreichweit im Spitzenfeld“, weiß Dietmar Auer. „Ja, die Tiroler werden um ihre Förderlandschaft beneidet. Was die Wirtschaftsförderung betrifft, sind wir sehr gut aufgestellt“, bestätigt Michaela Güttler, Förderexpertin und Teamleiterin des Förderservice der WK Tirol, die Pole-Position des Landes.

„Entscheidend ist, dass die Unternehmer daran denken, bevor sie erste Schritte setzen“, nennt Güttler das erste und wichtigste Gebot im Zusammenhang mit den „klassischen“ Wirtschaftsförderungen und erklärt: „Im Gegensatz zu den Corona-Förderungen, bei denen Einiges auch im Nachhinein beantragt werden kann, ist bei der Wirtschaftsförderung bis auf ganz wenige Ausnahmen immer im Vorhinein der Antrag zu stellen.“

Vor dem Hintergrund plädiert die Expertin dafür, dass Unternehmer sich so früh wie möglich an die Servicestellen der Wirtschaftskammer wenden, um die Fördermöglichkeiten „abzuklopfen“. „Am besten ist es, uns das Projekt am Beginn zu beschreiben, zu sagen, was das Thema ist, was die Projektart, wie hoch die Projektkosten sind und welches Ziel damit verfolgt wird beziehungsweise was mit dem Projekt im Unternehmen passieren soll“, so Güttler weiter. Allein eine Maschine um – Hausnummer – 100.000 Euro zu kaufen, heißt nicht, dass diese Investition förderwürdig ist. Wird die Maschine aber gekauft, um Produkte zu erzeugen, die bis dato noch nicht erzeugt wurden, sieht die Sache schon ganz anders aus und es ist sehr gut möglich, dass die Investition gefördert wird.

Michaela Guettler
Michaela Güttler, Förderexpertin und Teamleiterin des Förderservice der WK Tirol

Die „zehn Gebote“

Bei den folgenden zehn Vorhabens-Arten sollten Tirols Unternehmerinnen und Unternehmer unbedingt, ja zwingend, an Förderungen denken, die in Form von zinsgünstigen Finanzierungen, Zuschüssen, Garantien oder Haftungen den Alltag erleichtern und das Budget schonen können: Investitionen in Anlagevermögen, Entwicklungen von neuen Verfahren/Produkten/Dienstleistungen, Innovationen, Kooperationen, Digitalisierung, Energie- und Umweltmaßnahmen, Beschäftigung von Mitarbeitern, Export und Internationalisierung, Weiterbildung und Beratung.
Werden diese „zehn Gebote“ beachtet und schon beim ersten Gedanken daran die Experten der Wirtschaftskammer kontaktiert, kann ein diesbezüglich böses Erwachen verhindert werden.

„Wenn wir erst in der Buchhaltung sehen, dass es da etwas gegeben hätte, ist es zu spät“, beschreibt Sybille Regensberger dieses böse Erwachen, das durch ein Ignorieren der „Fristenwahrung“, also die Antragstellung vor Projektbeginn, passieren kann. „Dass der Antrag gestellt werden muss, bevor man erste Schritte getätigt hat, entspricht nicht dem Alltag eines Unternehmers. Der heißt ja Unternehmer, weil er etwas unternimmt“, weist Regensberger auf eine Art „Denkhaken“ im Fördersystem hin, der von Seiten der Unternehmer geschlagen werden muss. Regensberger weiß genau, wovon sie spricht, ist sie doch Obfrau der WK-Fachgruppe UBIT (Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie) und seit 1999 als Unternehmensberaterin und selbstständige Bilanzbuchhalterin in Innsbruck tätig.

Die Bilanzbuchhalter haben seit Beginn der Corona-Pandemie beziehungsweise seit dem Startschuss für diesbezügliche Förderungen, Beihilfen oder Prämien eine fast systemrelevante Rolle für die Unternehmen übernommen beziehungsweise übernehmen müssen. Für zahlreiche Zuschüsse ist ein Bestätigungsvermerk der Bilanzbuchhalter gefordert, was die Branche auf Trab hält und zu Arbeitsengpässen führt. „In der Branche wird Personal gesucht“, weiß die Fachgruppenobfrau.
Nicht nur die aktuelle Situation zeigt, wie breit das Betätigungsfeld der Bilanzbuchhalter gefächert ist. Spannend ist der Job eben auch, wenn es darum geht, die Förderlandschaft mit den Bedürfnissen oder Chancen der Unternehmen zu verbinden und einen finanziellen Kick zu ermöglichen. Regensberger kennt aber auch die verflixten Situationen, in denen erst fünf nach zwölf erkannt werden muss, dass ein bereits umgesetztes Vorhaben förderwürdig gewesen wäre.

Damit dieser bittere Konjunktiv nicht zum Tragen kommt, spielen Unternehmensberater und Bilanzbuchhalter eine wichtige Rolle. „Wenn der Unternehmer von der einen oder anderen Idee erzählt oder davon, dass er etwas für den Betrieb braucht, dann ist es die Aufgabe des Bilanzbuchhalters auf eine eventuelle Förderung und vor allem auch auf die Fristen aufmerksam zu machen. Ich verweise in solchen Fällen üblicherweise an fachkundige Berater. Es gibt ja so viele Fördermaßnahmen, dass der Über- oder Durchblick schwer ist“, begrüßt Regensberger den Förderlandschaft-Überblick, der auf den anschließenden Seiten 30 bis 33 dieser Tiroler Wirtschaft zu finden ist und sagt: „Das ist eine Spitzensache.“ Stimmt.

Weitere Informationen: Aktuelle Unterstützungsleistungen vom Land Tirol und vom Bund