Christian Erler am Spieltisch. Dies ist jener Teil der Orgel, von dem aus die Musiker:innen das Instrument bedienen.
Christian Erler am Spieltisch. Dies ist jener Teil der Orgel, von dem aus die Musiker:innen das Instrument bedienen.
Alles Unternehmen

In der Werkstatt werden alle Register gezogen

Christian Erler am Spieltisch. Dies ist jener Teil der Orgel, von dem aus die Musiker:innen das Instrument bedienen.
© WK Tirol

Das Geschick eines Tischlers, das Gehör eines Musikers, ein Verständnis für Metallbau und historische Architektur – sowie eine kreative Ader: All diese Fähigkeiten vereint, zeichnen den Orgelbau Erler in Schlitters im Zillertal aus.

Aktuell befindet sich die Orgel der Pfarrkirche in Brandenberg aus dem Jahr 1864 in der Werkstatt von Christian Erler, diese soll restauriert und von Grund auf neu gebaut werden. „Was uns Menschen fasziniert, lässt uns nicht mehr los und fordert uns immer von Neuem heraus. Orgelbau ist in dieser Hinsicht unerschöpflich, weil wir uns in Grenzgebieten bewegen. Je nach Blickwinkel stehen musikalische, technische oder architektonisch-kunstgeschichtliche Gesichtspunkte im Vordergrund“, so der Meister. Der Orgelbaubetrieb Erler in Schlitters will seit 1989 all diesen Ansprüchen gleichzeitig gerecht werden. „Denn erst wenn sämtliche Aspekte und jedes Detail perfekt zu einer Einheit verschmelzen, wird die Orgel auch zum Kunstwerk“, erzählt Geschäftsführer Christian Erler.

Nach einer Tischlerlehre begann Erler 1977 eine Ausbildung zum Orgelbauer in Guntramsdorf. Ende der 80er-Jahre legte er seine Meisterprüfung ab und ist seither selbstständig. 1989 wurde die heutige Werkstatt im Zillertal bezogen. Aktuell bildet der Orgelbauer einen Lehrling aus und beschäftigt fünf Mitarbeiter, einer davon ist Sohn Pius, der in naher Zukunft den Betrieb übernehmen wird. Frau Judith managt das Büro – und so hat jeder in diesem jungen Familienbetrieb sein Aufgabengebiet. Gemeinsam arbeiten sie an Orgelprojekten jeglicher Art.

Orgelbau Erler: In der Werkstatt werden alle Register gezogen

Idealisten

„Wir Orgelbauer sind fast ausnahmslos Idealisten. Mit zeitintensiven und äußerst komplexen Planungs- und Fertigungsprozessen befinden wir uns jenseits üblicher Normen.“ Denn die handwerkliche Arbeitsweise, lange Enstehungsphasen und Einzelanfertigungen sind heute oft nicht mehr erschwinglich. So hat auch jeder Orgelbaubetrieb seine eigene Handschrift. „Dass es uns immer noch gibt und wir immer noch Orgeln bauen dürfen, erfüllt mich mit großem Stolz.“ So ist der Betrieb einer der letzten ihrer Zunft in Tirol.

Besonders begeistert Christian Erler auch die Nachhaltigkeit seines Berufsfelds. Die Verschleißteile der Orgel müssen teilweise zum ersten Mal seit 130 Jahren restauriert werden. „In solchen Dimensionen können nur wenige Unternehmen denken, insbesondere in der aktuellen Konsumgesellschaft, wo schnell Mal etwas ausgetauscht wird“, so der Orgelbauer. In einem kleinen Betrieb muss man auch ein Gespür für Töne und die Musik mitbringen, um die Orgelpfeifen richtig zu stimmen. So sind alle Mitarbeiter auch als Musiker tätig.

Meisterwerke

Instrumente in so einer Vollendung zu bauen, zu restaurieren und zu pflegen – sodass sie weit über 100 Jahre Freude bereiten und bespielbar sind, ist ein handwerkliches Meisterwerk.  Rund 10 Monate wird an einer Kirchenorgel gebaut und weit über 5.000 Arbeitsstunden stecken in dem Musikinstrument. „Doch wenn wir dann bei einer feierlichen Orgelweihe sind und die Freude mit Besucher:innen und Kund:innen teilen dürfen, ist das eine große Ehre.“
Doch die moderne Technik unterstützt bei der täglichen und hundertstel-millimetergenauen Arbeit des Orgelbaus. „Dank CNC-Fräsen können wir gewisse Orgelteile haargenau und vereinfacht herstellen. Dank dem Zusammenspiel von ausgeklügelter Software, der leistungsstarken CNC-Technologie und alter Handarbeit können wir alle Aufträge zeitgerecht umsetzen und erfüllen.“

Pius Erler wird den Familienbetrieb übernehmen und weiterführen. Auch er übt den Beruf des Orgelbauers mit großer Leidenschaft aus.
Pius Erler wird den Familienbetrieb übernehmen und weiterführen. Auch er übt den Beruf des Orgelbauers mit großer Leidenschaft aus.
© WK Tirol
Die Klaviatur der neuen Orgel. Auch hier wird jedes Stück in Feinstarbeit einzeln gebaut.
© WK Tirol

Servicearbeiten

Bedient werden vom Orgelbau Erler Kirchen, Musikschulen und Organisten. Denn nicht nur der Orgelbau, auch die Erhaltung und Servicearbeiten an diesem Musikinstrument gehören zu den Aufgaben von Orgelbau Erler. „Unsere Instrumente sollen viele Jahrzehnte überdauern. Jede von uns gebaute oder restaurierte Orgel liegt uns am Herzen. Und jedes Werk ist es wert, dass sich Fachpersonal darum kümmert.“

Zukunft

In den nächsten Monaten wird Sohn Pius den Betrieb der Eltern übernehmen und so gut es ihm möglich ist, erfolgreich weiterführen. „Der Orgelneubau wird in Zukunft stetig zurückgehen“, so Erler. Der Fokus wird sich künftig mehr auf die Pflege und Restaurierung von bestehenden Ins-trumenten verlegen. „Wir haben mit unserem Betrieb eine tolle Basis und ich bin sicher, dass mein Sohn das mit dem richtigen Gespür weiterführen wird.“

Weitere Informationen unter: www.orgelbau-erler.at