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Bezirk Landeck

Was die Betriebe im Bezirk Landeck im neuen Jahr brauchen

Landecks BM Herbert Mayer, WK-Bezirksstellenleiter Otmar Ladner, WK-Bezirksobmann Michael Gitterle, LAbg. Beate Scheiber, LH Anton Mattle, WK-Präsident Christoph Walser, Direktorin-Stv. Gregor Leitner (v.l.).
Landecks BM Herbert Mayer, WK-Bezirksstellenleiter Otmar Ladner, WK-Bezirksobmann Michael Gitterle, LAbg. Beate Scheiber, LH Anton Mattle, WK-Präsident Christoph Walser, Direktorin-Stv. Gregor Leitner (v.l.).
© WK Landeck

Neben der Bekämpfung des Fachkräftemangels und einer Attraktivierung der Anreise mit der Bahn will sich die Bezirksstelle Landeck heuer vor allem auf Digitalisierung und KI im Bezirk konzentrieren.

Tirols Betriebe als stabilisierender Faktor

Die Ausgangslage zu Jahresbeginn war schon einfacher. Seit nunmehr fast drei Jahren sieht sich die Tiroler Wirtschaft mit einer Situation konfrontiert, in der nichts mehr so ist, wie es „vorher“ war. Die Belastung durch Corona ist zwar in den Hintergrund getreten, seit 24. Februar sorgt jedoch der Ukraine-Krieg für neue Turbulenzen. Lieferengpässe, Inflation und massive Einschränkungen bei der Planbarkeit machen den Tiroler Betrieben zu schaffen. „Die beiden größten Herausforderungen sind jedoch eindeutig die Energiekosten und der Arbeitskräftemangel. Dazu brauchen die Betriebe die Unterstützung der Politik“, stellt WK-Präsident Christoph Walser fest.

Die Wirtschaftskammer hat das den politischen Entscheidungsträger:innen klar kommuniziert. Die Botschaft ist angekommen: Der Energiekostenzuschuss 1 wird bis Dezember 2022 verlängert, für das Jahr 2023 kommt der Energiekostenzuschuss 2. Die Förderintensität der für KMU wichtigen Stufe 1 wird von 30 % auf 60 % verdoppelt und der Zugang erleichtert. „Damit ist Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe in diesem Bereich – gerade im Vergleich mit Deutschland – gesichert. Nun sind auch beim Fachkräftemangel mutige Weichenstellungen nötig, die einerseits die Potenziale im Inland aktivieren, und andererseits eine qualifizierte Zuwanderung ermöglichen“, fordert der WK-Präsident.

Wenn die Politik auch diese Hausaufgabe erledigt, können die heimischen Betriebe ihre Stärken ausspielen. In allen Krisen zeigt sich nämlich deutlich, dass die Tiroler Firmen und ihre Mitarbeiter:innen einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Lage zu stabilisieren. Sie passen sich immer wieder rasch an geänderte Bedingungen an und erschließen mit innovativen Produkten und Dienstleistungen neue Chancen. „Ohne unternehmerischen Mut und Risikobereitschaft würde die aktuelle Situation ganz anders aussehen – auch in den wichtigen Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung, in denen sich die Wirtschaft laufend als Treiber der Entwicklung erweist“, erklärt WK-Präsident Christoph Walser.

Fachkräfte- und Kontingentbewilligungen

Der gegenwärtige Fachkräftemangel stellt viele Betriebe im tourismusintensiven Bezirk Landeck vor nur schwer kalkulierbare Herausforderungen. Um der Problematik entgegenzuwirken, setzt die Bezirksstelle auf Initiativen, die dem Mitarbeitermangel langfristig vorbeugen sollen.

Dazu zählt die jährlich wiederkehrende Lehrberufsmesse, auf der heuer mehr als 30 Unternehmen aus dem ganzen Bezirk und den unterschiedlichsten Branchen ihr attraktives Lehrangebot präsentieren. Um unmittelbar den Mitarbeiterengpass im Gastgewerbe abzumildern, wurden in einer gemeinsamen Initiative der WK-Landeck und dem AMS Barkeeper:innen am WIFI Landeck ausgebildet.

Um darüber hinaus die Qualität des Lehrangebots im Bezirk hochzuhalten, arbeitet die Bezirksstelle Landeck laufend mit den Unternehmer:innen im Bezirk an Qualitätsverbesserungen der dualen Ausbildung, um das „Gesamtpaket Lehre“ weiter aufzuwerten. „Während sich die Schwerpunkte in den einzelnen Berufen aufgrund der zunehmenden Digitalisierung verändern, wandelt sich ebenso der Anspruch der Jugend an einen ‚guten Beruf‘. Dieser Entwicklung müssen auch die Ausbilder:innen in den Unternehmen gerecht werden, weshalb wir die „Ausbilder:innen Akademie Landeck“ ins Leben gerufen haben“, so WK-Bezirksobmann Michael Gitterle.

Die Ausgangslage im Tourismus stellt für den Bezirk einen besonderen Brennpunkt dar. „In Zeiten des Fachkräftemangels ist es wichtig, sich als attraktiver Arbeitgeber aufzustellen und auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden einzugehen“, so Gitterle. Mit dem tirolweit einzigartigen Gütesiegel „Ja! Hier arbeite ich gern“ möchte die Bezirksstelle Landeck sicherstellen, dass die heimischen Unternehmen im Gastgewerbe auch in ihrer Rolle als Arbeitgeber glänzen. „Auch in gut organisierten Häusern gibt es Bereiche, die optimiert werden können“, weiß der Bezirksobmann. Die WK-Landeck lädt darum heuer wieder alle Tourismusbetriebe des Bezirks dazu ein, ihren Betrieb auf den Prüfstand zu legen.

Mit der jüngsten Aufstockung des Saisonierkontingents für den Bezirk sieht Bezirksobmann Gitterle ein Zwischenziel erreicht: „Endlich wurde unsere Forderung ein wenig gehört und eine kurzfristige Sofortmaßnahme gegen den Fachkräftemangel erreicht“. Ab ersten Jänner stehen dem Bezirk Landeck nun insgesamt 189 Grundkontingente und 94 Spitzenkontingente zur Verfügung. „Das heißt, dass weitere 84 eingebrachte Anträge nun bewilligt werden können. Dennoch werden die Unternehmen im Bezirk in naher Zukunft nicht ohne zusätzlichen qualifizierten Zuzug auskommen. Wir bleiben bei diesem prekären Thema weiterhin am Ball“, erläutert Michael Gitterle.

Anreise per Bahn

Um gerade zur tourismusintensiven Zeit das Verkehrsaufkommen zu reduzieren und die Zubringerstraßen im Bezirk zu entlasten, will sich die Bezirksstelle Landeck für ein überarbeitetes Verkehrskonzept mit einem stärkeren Fokus auf Anreisen mit der Bahn einsetzen. „Es geht in unserem, geografisch speziellen Bezirk um eine verbesserte Mobilität und neue Möglichkeiten für den Personen- und Warenverkehr“, argumentiert der Bezirksobmann, „das Auto verliert bei der jungen Generation immer mehr den Nimbus als Statussymbol. So müssen wir Alternativen für die Anreise in den Bezirk bieten, wenn wir auf lange Sicht nicht einen Teil der potenziellen Gästeschicht verlieren wollen“.

Um einen direkten Zugang per Schiene in den Bezirk zu ermöglichen, bringt Michael Gitterle darum einen Anschluss zwischen Landeck und Scuol in der Schweiz ins Gespräch. „Nicht nur die Betriebe könnten durch die Anbindung des Engadins an Tirol wirtschaftlich profitieren, auch die Straßen im Bezirk würden durch eine neue Bahnverbindung zwischen Scuol und Landeck entlastet werden“, so Gitterle. Auch der Durchbruch des Stollens St. Anton – Ischgl wäre ein weiterer Schritt in eine Zukunft, in der der Bezirk Landeck durch die Aktivierung neuer Zielgruppen und einer zusätzlichen Reduzierung der Emissionsbelastung doppelt profitiert. „Darum sollten wir uns trauen, solche Projekte anzudenken“, unterstreicht Bezirksobmann Michael Gitterle.

Digitalisierung und KI im Bezirk Landeck

Die fortschreitende Digitalisierung durchdringt mit zunehmender Geschwindigkeit alle Branchen im Bezirk. „Auf diesen Zug dürfen wir nicht zu spät aufspringen. Es ist uns ein besonderes Anliegen, unsere Mitglieder in diesem Bereich zu beraten und zu unterstützen“, betont Gitterle. Damit die Unternehmen im Bezirk auch in Zukunft wirtschaftlich die Nase vorne haben, setzt die Bezirksstelle auf die Förderung von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz in den Betrieben.

Um die „Fachkräfte von morgen“ bereits frühzeitig zu schulen und ihnen schon heute digitales Know-how mitzugeben, veranstaltete die Bezirksstelle Landeck letztes Jahr bereits zum 5. Mal das Sommercamp „Coding4Kids“, in dem Jugendliche spielerisch die ersten Schritte des Programmierens erlernen. „Es ist unsere Aufgabe, Impulse zu setzen und junge Menschen für die Digitalisierung zu begeistern. Vielleicht legen wir damit auch den Grundstein für die ein oder andere IT-Karriere im Bezirk Landeck“, freute sich Bezirksobmann Gitterle über die gelungene Initiative.

Einen weiteren Ansatz zur Weiterentwicklung der Unternehmen stellt das Projekt „Digitalisierungspotenzial verstärken“ dar. Mittels einer Analyse in den Betrieben werden deren Digitalisierungspotenziale in verschiedenen Unternehmensbereichen erhoben. Die Ergebnisse dieser Analysen werden dem Betrieb zur Verfügung gestellt und später anonymisiert veröffentlicht und auch anderen Unternehmen vorgestellt. Wir wollen unseren Mitgliedern so eine Vorstellung der unterschiedlichen Möglichkeiten in der Umsetzung von Digitalisierung geben“, berichtet Michael Gitterle. Zudem organisiert die Bezirksstelle Landeck auch heuer wieder den jährlich stattfindenden „Digitalday“, der dazu dient, Trends aufzuzeigen und die Digitalisierung sowie Künstliche Intelligenz für alle Interessierten greifbar und dadurch begreifbar zu machen.

Weitere Infos: Bilder der Veranstaltung

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