WK-Präsident Christoph Walser
WK-Präsident Christoph Walser
KOMMENTAR

Krisenresistenz

© WK Tirol/Foto Frischauf

„Die Bundespolitik muss nachziehen, damit unser Standort wettbewerbsfähig bleibt.“

Wir haben jetzt fast drei Jahre im Krisenmodus hinter uns. Zuerst Corona, dann der Ukrainekrieg, dessen Schockwellen uns gerade erschüttern: Lieferengpässe, Inflation, Energiepreisexplosion. Für die Betriebe kommen noch der akute Fach- und Arbeitskräftemangel sowie der Verlust jeglicher langfristigen Planbarkeit hinzu. Doch eines kristallisiert sich heraus: Die Tirolerinnen und Tiroler wehren sich dagegen, dass ihnen ihr Leben weggenommen wird. Sie gehen vor den Problemen nicht in die Knie, sondern entwickeln Krisenresistenz. Das zeigt sich in mehreren Bereichen ganz deutlich.

Etwa daran, dass das Weihnachtsgeschäft für den heimischen Handel wider Erwarten recht erfreulich läuft. Die Menschen wollen sich offenbar nicht daran hindern lassen, ihre Liebsten zu beschenken und damit positive Stimmung zu verbreiten. Ähnlich gestaltet sich die Situation im Tourismus: Die abgelaufene Sommersaison brachte eine gute Bilanz, die aktuellen Buchungszahlen sind zufriedenstellend. Auch hier ist der Wille, sein persönliches Leben nicht globalen Ereignissen unterzuordnen, dominierend. Und die Unternehmen konnten in den vergangenen drei Jahren beweisen, dass sie in der Lage sind, sich geänderten Bedingungen anzupassen. Sie halten mit innovativen Dienstleistungen und Produkten die Wirtschaft am Laufen und schaffen stabile Arbeitsplätze. Es ist beeindruckend, wie rasch und professionell zahlreiche Branchen ihre Geschäftsmodelle adaptiert haben. Daran zeigt sich einmal mehr, dass die vielen mittelständischen Betriebe in Tirol großen Konzernen in der Beweglichkeit klar überlegen sind.

Christoph Walser, Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer

Auch die öffentliche Hand ist nicht untätig geblieben und hat auf die Situation reagiert. Die österreichischen Betriebe sind aufgrund der im internationalen Vergleich großzügigen Unterstützungsleistungen im Wesentlichen gut über die Runden gekommen. Jetzt ist allerdings neuer Schwung gefragt. Deutschland ist uns mit der Energiepreisbremse und dem Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz zwei große Schritte voraus. Hier muss die österreichische Bundespolitik nachziehen, damit unser Standort keine Wettbewerbsnachteile mit dramatischen Folgen erleidet.

Überall zieht sich somit ein roter Faden durch: Optimismus hat Vorrang vor Pessimismus. Das ist für den Standort wichtig, denn Wirtschaft ist in hohem Maße Psychologie: Glauben alle an den Niedergang, wird er auch kommen. Herrscht hingegen Vertrauen in die Zukunft vor, wendet sich das Blatt zum Besseren. Die Tirolerinnen und Tiroler haben offenbar ein sehr gutes Gespür dafür, wie wir wieder die ersehnte „Normalität“ erreichen können. Daher bin ich für 2023 zuversichtlich, dass uns diese Krisen nicht unterkriegen werden. Es wird zwar nicht einfach, aber es wird!

christoph.walser@wktirol.at

Kategorie(n)