Am Konzernsitz der Plaion Holding in Höfen ist die Zahl der Beschäftigten von 150 im Jahr 2018 auf aktuell 220 gestiegen. In die Verdoppelung der Fläche des Logistikzentrums wurden 15,5 Millionen Euro investiert.
Am Konzernsitz der Plaion Holding in Höfen ist die Zahl der Beschäftigten von 150 im Jahr 2018 auf aktuell 220 gestiegen. In die Verdoppelung der Fläche des Logistikzentrums wurden 15,5 Millionen Euro investiert.
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„Wachstum ist unser Thema“

Am Konzernsitz der Plaion Holding in Höfen ist die Zahl der Beschäftigten von 150 im Jahr 2018 auf aktuell 220 gestiegen. In die Verdoppelung der Fläche des Logistikzentrums wurden 15,5 Millionen Euro investiert.
© Plaion GmbH

Die Plaion GmbH in Höfen hat sich zu einer der wesentlichen Unternehmensgruppen im globalen Gamebereich entwickelt. GF Reinhard Gratl erzählt vom Geheimnis des Erfolges: „Es geht um Talente.“

Anfang 2018 wurde Plaion – damals noch unter dem Namen Koch Media – Teil des schwedischen Unternehmens THQ Nordic AB, das 2019 in Embracer Group AB umbenannt wurde. Was waren die Knackpunkte der letzten knapp fünf Jahre?

Reinhard Gratl: 2018 war die Sorge der Mitarbeiter:innen groß, dass das Ganze von Höfen abgezogen wird und wir von einem großen Unternehmen geschluckt werden. Das war nicht der Fall. Unser börsennotierter schwedischer Hauptgesellschafter lässt uns eigenständig agieren und unterstützt unsere Strategien für die Zukunft. Wir sind heute eigenständiger denn je. Seit 2018 sind wir als Plaion Gruppe von 700 auf 2.400 Mitarbeiter:innen gewachsen, die Embracer Group AB hat mittlerweile deutlich über 15.000 Mitarbeiter:innen. Die Embracer Group AB ist international relevant und sehr diversifiziert.

Welchen Part spielt Plaion?

Wir als Plaion Gruppe beschäftigen rund um die Welt knapp 1.500 Mitarbeiter:innen mit der Programmierung von Games in eigenen 13 Studios, die täglich weiter an neuen Computerspielen entwickeln. Als weitere Standbeine haben wir das Filmgeschäft und das Merchandise-Geschäft auf- und ausgebaut. Zum Portfolio der Embracer Group AB zählen auch weitere Segmente, wie Brettspiele und Comic-Hefte. Es geht darum, innerhalb der Gruppe übergreifende Produktsynergien zu entwickeln. Mit dem neuen Gesellschafter haben sich ganz neue Möglichkeiten ergeben, die als Privatunternehmen nicht möglich gewesen wären.

Das Wachstum ist erstaunlich. Was ist das Geheimnis des Erfolges?

Es geht in unserem Geschäft vor allem um Talente und sehr engagierte Mitarbeiter:innen. Wir wachsen als Unternehmensgruppe und am Standort in Tirol deutlich. Im vergangenen Jahr haben wir die Fläche unseres Logistikzentrums in Höfen verdoppelt und über 15,5 Millionen Euro investiert. Wir haben im Außerfern den großen Vorteil, dass wir ein relativ junges und sehr engagiertes Team aufbauen konnten, das jeden Tag international tätig ist und bereit ist die tägliche Extrameile zu gehen. Wir sind hier in Höfen, am Konzernsitz der Plaion Holding, von 150 im Jahr 2018 auf aktuell über 220 Mitarbeiter:innen gewachsen und könnten das deutlich weiter
steigern.

Plaion-Geschäftsführer Reinhard Gratl

Sie sagen könnten. Warum sprechen Sie im Konjunktiv?

Das gibt der aktuelle Arbeitsmarkt im Außerfern und benachbarten Allgäu im Moment nicht her. Wir suchen aufgrund dieser Situation neue Mitarbeiter:innen nicht nur in Tirol und dem benachbarten Ausland sondern auf der ganzen Welt. Zuletzt haben wir hochqualifizierte SAP-Mitarbeiter:innen aus Brasilien nach Höfen gebracht, aber neue Kollegen:innen aus dem Inntal ins Außerfern zu bewegen, ist leider schwierig. In der Embracer Group AB beschäftigen wir 56, am Standort Höfen beschäftigen wir derzeit 14 unterschiedliche Nationalitäten. Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Nationalitäten ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Was ist dabei der rote Faden?

Unterhaltung zieht sich durch unsere gesamte Unternehmensgruppe. Wir unterhalten unsere Kunden mit unseren digitalen Produkten über viele Stunden. Mit Computerspielen kann man sich über viele Stunden beschäftigen und es gibt richtige Fans von einzelnen Spielen. Während der Pandemie haben unsere Kunden vermehrt digitale Inhalte gesucht und wir waren zum Glück in der Lage diese Inhalte in unterschiedlichsten Produkt- und Alterssegmenten zu liefern. An der Entwicklung eines neuen Computerspieles arbeiten bis zu 200 Mitarbeiter:innen über drei bis vier Jahre.

Seit August 2022 heißt das Unternehmen Plaion – was steckt hinter dem neuen Namen?

Koch Media war im englischen extrem schwierig auszusprechen und der Name Koch hat seit der kompletten Übernahme der Embracer Group AB nichts mehr mit unserem Unternehmen zu tun. Darum haben wir nach einem neuen Namen gesucht und da wir uns mit Unterhaltung durch Games, Film und Merchandise beschäftigen, war ein moderner Name mit wenig Erklärungsbedarf wichtig. Aus dem neuen Unternehmensnamen Plaion ist leichter abzuleiten was wir machen, zusätzlich verwenden wir vor dem Namen ein Zeichen wie einen Play-Button um das zu unterstreichen. Wir haben das „Y“ von Play ganz bewusst durch ein „I“ ausgetauscht, da wir die Digitalisierung  durch die Kombination von I und 0 unterstreichen wollten und der  Unternehmens-name so besser gegoogelt werden kann.

Wie beschreiben Sie die Dynamik im Unternehmen?

Wenn man innerhalb von viereinhalb Jahren von 700 auf 2.400 Mitarbeiter:innen wächst, zeigt das ganz automatisch, dass da eine extreme Dynamik in der gesamten Unternehmensgruppe steckt. Wir sind schon sehr lange im Games-Geschäft, haben 2013 mit dem ersten eigenen Studio Volition in USA begonnen und freuen uns sehr, dass das Filmgeschäft in Europa so erfolgreich aufgebaut werden konnte. Nun werden wir zusätzlich das Merchandise für unsere Kunden in Europa und USA auf- und ausbauen.

Warum Merchandise?

Dieser neue Geschäftszweig ist noch relativ klein und im Aufbau. Fanartikel, wie T-Shirts, Hoodies, Figuren oder Schwerter sind bei unseren Kunden sehr gefragt. Gamer gehören zu einer sehr treuen, langjährigen und zahlungskräftigen Kundschaft, die auch individuell gestaltete und produzierte Kleidungsstücke mit eigenen Games Motives nachfragt.

Und die digitale Druckmaschine des Kramsacher Digitaldruck-Spezialisten aeoon Technologies GmbH macht das möglich?

Genau. Das hängt auch damit zusammen, dass Nachhaltigkeit für uns seit langem ein großes Thema ist. In der Vergangenheit wurden Siebdruck-Kleidungsstücke in großer Anzahl im Ausland in unterschiedlichen Kleidergrößen produziert und über lange Distanzen transportiert. Weil man nie weiß, wie viele T-Shirts in welcher Größe oder Farbe gebraucht und verkauft werden können, passiert im Merchandising-Geschäft viel Vernichtung. Wir haben uns letztes Jahr dazu entschieden, in Höfen nachhaltig und nur auf Kundenwunsch zu produzieren. Es wird also nichts mehr vernichtet. aeoon baut digitale Druckmaschinen mit 17 Metern Länge und wir sind die ersten in Österreich, die diese Maschine auch in Tirol aufgestellt haben und betreiben. Die Druckmaschinen funktionieren ohne Chemikalien, wir produzieren nachhaltige T-Shirts, die Druckqualität ist herausragend und es handelt sich hier um eine erfolgreiche Tiroler Kooperation, besser geht’s nicht.

Die Spannung der Gamer-Community auf ein neues Spiel ist mit dem Warten der Harry Potter-Fans auf den nächsten Band vergleichbar …

… ja, wir hatten auch heuer am 28. Oktober die Erstveröffentlichung des Computerspiels „Call on Duty: Modern Warfare 2“, für ganz Europa, Mittlerer Osten und Afrika von Höfen erfolgreich durchgeführt. Die knapp eine Million Stück mussten im Logistikzentrum in Höfen rund um die Uhr streng bewacht werden. Es ist schon sehr lässig, wenn die Erwartungen sich derart zuspitzen. Im Filmbereich ist das anders. Wir konzentrieren uns in diesem Segment nicht auf die Blockbuster, sondern versuchen, in der Nische stark und erfolgreich zu sein. Für den Film Parasite, der vier Oscars gewonnen hat, haben wir aber die Vertriebsrechte. Unsere Mitarbeiter:innen haben also schon ein sehr gutes Gefühl dafür, was die Menschen wollen und wir setzen auch hier auf höchste Qualität. Auch hier haben wir die richtigen Talente.

Die Logistikhalle, der neue Name und der Einstieg in das Merchandising-Geschäft waren die jüngsten großen Schritte. In Holland gehört der Gruppe das größte Virtual Reality-Studio, in England haben Sie eine auf Anime spezialisierte Filmfirma gekauft. Was sind die nächsten
großen Ziele?

Die globalen und individuellen Unsicherheiten machen es derzeit auch uns sehr schwer, zu planen. Welche Auswirkungen die Teuerungen auf den Konsum haben werden, lassen sich nicht einschätzen. Bis jetzt spüren wir davon allerdings nichts. Wir sind verantwortlich für unsere Mitarbeiter:innen und versuchen, rechtzeitig immer einen Schritt voraus zu sein. Der Augumented Reality-Bereich (AR) ist gerade ein neues Thema für uns. Auch da arbeiten wir mit einer Tiroler Firma zusammen, um Dinge für unsere Kunden zu entwickeln, die es im Moment so noch nicht gibt. Wir versuchen also, weiter auszubauen und aufzubauen. Am Ende geht es darum, verantwortungsbewusst und nachhaltig in die Zukunft zu investieren, die richtigen Schritte rechtzeitig zu setzen und nicht in einer Schockstarre zu verharren. Wachstum ist unser Thema.

Die Plaion GmbH im Überblick

ernehmen Koch Media, das 2018 an die schwedische börsennotierte Embracer Group AB (damals noch THQ Nordic AB) verkauft wurde, ist Anfang August 2022 in Plaion umbenannt worden. Der Konzern (Plaion Holding) mit Hauptsitz in Höfen ist ein internationaler Produzent und Vermarkter von PC- und Konsolenspielen, Infotainment, Merchandise und Filmen auf DVD und Blu-ray. Darüber hinaus befinden sich auch eigene Kinolizenzen im Programm. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz der Gruppe in Höfen und hat im Vorjahr einen konsolidierten Konzernumsatz von 515 Millionen Euro (+ 12 %) umgesetzt, beschäftigt derzeit 2.387 Mitarbeiter:innen und ist mit eigenen Vertriebsbüros in ganz Europa, Australien, USA, China und Japan tätig und betreibt 13 eigene Entwicklungsstudios weltweit.

Mehr Inofs unter www.plaion.com