Sehen schwierige Zeiten auf den heimischen Handel zukommen (v.l.): Der Obmann des Tiroler Modehandels, Wolfgang Feucht, Spartenobmann Dieter Unterberger und Peter Voithofer (Economica Institut für Wirtschaftsforschung).
Sehen schwierige Zeiten auf den heimischen Handel zukommen (v.l.): Der Obmann des Tiroler Modehandels, Wolfgang Feucht, Spartenobmann Dieter Unterberger und Peter Voithofer (Economica Institut für Wirtschaftsforschung).
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Im Tiroler Handel schrillen die Alarmglocken

Sehen schwierige Zeiten auf den heimischen Handel zukommen (v.l.): Der Obmann des Tiroler Modehandels, Wolfgang Feucht, Spartenobmann Dieter Unterberger und Peter Voithofer (Economica Institut für Wirtschaftsforschung).
© WK Tirol/ Die Fotografen

Hohe Kosten, fehlende Planungssicherheit und die gedämpfte Konsumlaune machen den Händlerinnen und Händlern zu schaffen – treffsichere politische Unterstützung ist alternativlos.

Aus Sicht des Tiroler Handels kann der bisherige Jahresverlauf bestenfalls als durchwachsen beschrieben werden. „Die Corona-Krise ist gewissermaßen nahtlos in die Ukraine- und damit in weiterer Folge in die Energiekrise übergegangen. Unseren Betrieben fehlt dadurch seit geraumer Zeit jegliche Planungssicherheit. Dazu kommen die enormen Preissteigerungen, die nicht nur das leichte nominelle Wachstum auffressen, sondern sich auch negativ auf die Kauflaune der Tirolerinnen und Tiroler auswirken. Viele drehen aktuell jeden Euro zweimal um, bevor sie ihn ausgeben. Das alles trägt dazu bei, dass die Lage in allen Bereichen des heimischen Handels spürbar angespannt ist“, zeichnet der Obmann des Tiroler Handels, Dieter Unterberger, ein düsteres Stimmungsbild.

Situation wird sich weiter verschärfen

Betrachtet man die Ergebnisse einer aktuellen Erhebung des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung, besteht auch wenig Anlass zur Hoffnung, dass sich die Situation bald verbessert. Unterberger dazu: „Im Gegenteil: Mit dem bevorstehenden Jahreswechsel droht den Handelsbetrieben eine toxische Mischung aus drei Komponenten: Belastungen durch weiter steigende Energiepreise, notwendige kollektivvertragliche Erhöhungen und Indexanpassungen bei den Mieten. In Summe bedeutet das für viele Unternehmen eine Kostenexplosion, die sie nur schwer verkraften werden können.“

Kosten können nicht 1:1 weitergegeben werden

Das unterstreicht auch Wolfgang Feucht, Obmann des Tiroler Modehandels und Mitglied des Präsidiums der Sparte Handel in der Tiroler Wirtschaftskammer. „Stagnierende Umsätze bei massiv steigenden Kosten – das ist eine fatale Kombination, der wir aus eigener Kraft derzeit nicht entfliehen können“, so Feucht, der in diesem Zusammenhang auf die laufenden KV-Verhandlungen verweist: „Uns allen ist bewusst, dass sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Lohnerhöhungen redlich verdient haben. Klar ist aber auch, dass diese Erhöhungen erwirtschaftet werden müssen. Das ist aber so gut wie unmöglich, weil der Handel zusätzliche Kosten nicht einfach 1:1 weitergeben kann. Würde er das machen, würden die Kundinnen und Kunden entweder bei internationalen Online-Riesen auf Schnäppchenjagd gehen oder ganz auf Produkte verzichten, die für sie nicht unbedingt notwendig sind.“

Unterstützungen alternativlos

Sowohl für Wolfgang Feucht als auch für Dieter Unterberger ist deshalb klar, dass es für viele Händlerinnen und Händler schwierig wird, ohne entsprechende Unterstützungen zu überleben. Sie sehen die Bundesregierung gefordert, endlich treffsichere Maßnahmen auf den Weg zu bringen. „Während im privaten Bereich vielfach nach dem Gießkannenprinzip Geld ausgeschüttet wird, wird in der Wirtschaft durch willkürliche Zungangskriterien eine Zweiklassengesellschaft geschaffen. Das war schon beim Fixkostenzuschuss so und ist es jetzt beim Energiekostenzuschuss wieder. Hier muss umgehend ein neuer Weg eingeschlagen werden. Die Hilfe muss bei den Betrieben ankommen, die sie wirklich brauchen.“

Andernfalls befürchtet Unterberger ein regelrechtes „Händlersterben“ mit weitreichenden und verheerenden Folgen: „Es steht außer Zweifel, dass der heimische Handel nicht nur eine wichtige Funktion als Nahversorger und Arbeitgeber erfüllt. Die lokalen Geschäfte sind auch Drehscheibe des gesellschaftlichen Lebens in den Gemeinden und Städten. Wenn im Handel die Lichter ausgehen, werden auch ganze Ortskerne und Innenstädte veröden“, mahnt der Spartenobmann abschließend.

Hier finden Sie die Ergebnisse der Erhebung des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung zur Handelskonjunktur in Tirol.

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