WK-Präsident Christoph Walser
WK-Präsident Christoph Walser
Kommentar

Energie, Energie, Energie

© WK Tirol/Foto Frischauf

„Beim Energiekostenzuschuss fehlt die Planungssicherheit für die Betriebe.“

KOMMENTAR

Den Wert der Dinge erkennt man meistens erst, wenn sie nicht mehr da oder zumindest knapp sind. Das passiert gerade bei Gas und Strom. Angebot und Nachfrage „funktionieren“ leider auch hier, inklusive einer psychologischen Komponente, die Russland geschickt zu schüren versteht. Es ist aber nicht so, dass wir uns nicht ebenfalls geschickt zur Wehr setzen, soweit es eben geht.

Auf staatlicher Ebene wurde der Anteil russischen Gases erfolgreich stark zurückgedrängt. Was fehlt, ist leider noch eine gesamteuropäische Lösung für die exorbitanten Preissteigerungen, welche die Betriebe nicht alleine bewältigen können. Das führt zu Alleingängen wie der deutschen Gas- und Strompreisbremse. In Österreich wiederum haben wir derzeit den Energiekostenzuschuss für die Wirtschaft, bei dem es aber noch einiges zu verbessern gilt.

Das Instrument ist prinzipiell wichtig, allerdings passen die Rahmenbedingungen noch nicht wirklich. Der Zeitraum von Februar bis September 2022 ist definitiv zu wenig, die großen Preissteigerungen und die Wintersaison kommen erst. Da fehlt einfach die Planungs-sicherheit für die Betriebe. Darüber hinaus darf es nicht passieren, dass einzelne Branchen wie der Handel de facto von der Förderung ausgeschlossen sind. Und wenn es einmal etwas weniger bürokratisch gehen würde, sind die Betriebe sicher die letzten, die sich darüber beschweren.

WK-Präsident Christoph Walser

Passiert ist auch bei den Tiroler Firmen einiges. Viele haben schon in den vergangenen Jahren massive Einsparungs- und Effizienzsteigerungen umgesetzt und sind auch jetzt ein Motor für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Freilich hatte keiner gedacht, dass das aufgrund des Ukrainekonfliktes von heute auf morgen zu geschehen hat, was in vielen Fällen schlicht und einfach nicht möglich ist.

Die Situation zeigt aber einmal mehr: Die Innovationen kommen von den Unternehmen und nicht von der Politik. Daher ist diese gut beraten, Anforderungen technologieoffen zu gestalten, da für die Lösungen weder Parlamente noch Ministerien, sondern die Profis in den heimischen Unternehmen geeignet sind. Politisch braucht nur das Ziel vorgegeben werden, den besten Weg dorthin finden die Betriebe schon selbst.

Natürlich befassen wir uns auch in dieser Ausgabe mit dem alles bestimmenden Thema Energie und zeigen, wie die Wirtschaftskammer Tirol mit fundierten Beratungen helfen kann und welche innovativen Wege Tiroler Unternehmen zur Bewältigung der Energiekrise gehen. Wenn wir alle die Nerven behalten und Politik und Sozialpartner Hausverstand und Augenmaß bewahren, werden wir auch diese Krise gemeinsam stemmen.

E christoph.walser@wktirol.at

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