Gewerbe- und Handwerksbetriebe unter Druck

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Kostendruck und fehlende Planungssicherheit bringen viele Tiroler Unternehmen endgültig an ihre Belastungsgrenze.

„Obwohl die Rahmenbedingungen auch schon im 1. Halbjahr 2022 alles andere als ideal waren, ist es aus Sicht der Tiroler Gewerbe- und Handwerksbetriebe eigentlich ganz gut gelaufen. Immerhin hat es bei den Auftragseingängen beziehungsweise Umsätzen ein Plus von 3,1 % gegenüber dem 1. Halbjahr 2021 gegeben“, berichtet der Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WK Tirol, Franz Jirka, und ergänzt: „Leider können wir für die zweite Jahreshälfte nicht von einer ähnlich positiven Entwicklung sprechen.“

Unterstrichen wird diese Einschätzung von einer aktuellen Erhebung der KMU Forschung Austria. Demnach beurteilen die Tiroler Gewerbe- und Handwerksbetriebe die Geschäftslage im 3. Quartal 2022 schlechter als im Vorjahresquartal. Und für das 4. Quartal 2022 sind die Erwartungen in Hinblick auf die Auftragseingänge/Umsätze durchwegs verhalten – 20 % glauben an Steigerungen, 23 % an Rückgänge, 57 % rechnen mit keiner Veränderung gegenüber dem Vorjahr.

Franz Jirka, Bezirksobmann Innsbruck-Stadt
Franz Jirka, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk

Die Gründe dafür, dass sich die Stimmung im Tiroler Gewerbe und Handwerk zunehmend eintrübt, liegen für Spartenobmann Jirka auf der Hand: „Unsere Betriebe kämpfen aktuell mit vielen Faktoren, die sie nicht aktiv beeinflussen können. Zu den Nachwirkungen von Corona, dem ständigen Fachkräftemangel und den hohen Materialpreisen ist jetzt auch noch die Explosion der Energiekosten dazugekommen. Und realistischerweise kann niemand sagen, wie es weiter geht.

Belastungsgrenze

Diese fatale Kombination aus Kostendruck und fehlender Planbarkeit bringt viele Unternehmen endgültig an ihre Belastungsgrenze – auch solche, die bis vor kurzem wirtschaftlich vollkommen gesund waren. Die Sorge ist groß, dass viele bald die Reißleine ziehen müssen, um nicht dauerhaft in die Verlustzone zu rutschen oder sogar zahlungsunfähig zu werden.“

Um das zu verhindern, fordert Jirka unverzüglich politische Maßnahmen zur Unterstützung der überwiegend klein- und mittelständischen Betriebe im Gewerbe und Handwerk: „Ohne eine dauerhaft wirksame Energiepreisbremse wird es nicht gehen. In Deutschland wurden mit einem Modell, das weit ins Jahr 2024 hineinreicht, bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Damit haben unsere Nachbarn einen Planungshorizont, den auch wir unbedingt brauchen. Sonst ist zu befürchten, dass in vielen Betrieben bald die Lichter ausgehen – nicht um Energie zu sparen, sondern für immer!“