Auch die Steigfelle von Kohla werden in den Bergen Tirols entwickelt, getestet und produziert.
Auch die Steigfelle von Kohla werden in den Bergen Tirols entwickelt, getestet und produziert.
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90 Jahre Kohla: Tiroler Gipfelstürmer

Auch die Steigfelle von Kohla werden in den Bergen Tirols entwickelt, getestet und produziert.
© Kohla

Die Tiroler Bergsportmarke Kohla feiert heuer ihren 90. Geburtstag. Zu verdanken ist das der kraftvollen Wiederbelebung und innovativen Weiterentwicklung durch die Ibex Sportartikel GmbH.

Serles und Steinbock. Die markante Felspyramide nahe Innsbruck und das vielleicht faszinierendste Wesen der Berge sind ein ziemlich gutes Paar – für Anhänger:innen von kraftstrotzenden Tiroler Mythen genauso wie für Fans einer nicht minder kraftstrotzenden Tiroler Marke. Die Serles ist das Logo der Urtiroler Bergsportmarke Kohla. Dass diese Marke im 90. Jahr ihres Bestehens stärker strahlt denn je und die Weltmarktführerschaft bei Steigfellen für Tourenski genauso mit ihr verbunden werden darf, wie ein kompromisslos durchdekliniertes „Made in Tirol“, ist der nach dem Alpensteinbock benannten Ibex Sportartikel GmbH zu verdanken. Die Geschichte der Seilschaft von Serles und Steinbock ist so spannend wie vielversprechend und jedenfalls viel Aufmerksamkeit wert.

Sie beginnt vor 90 Jahren – im Jahr 1932 mit der Gründung der Firma Kohla. In der Zeit, in der der Bergtourismus gerade so richtig laufen und kraxeln lernte, hatte Gründer Max Kohla die Chancen erkannt und damit begonnen, mit Bergsportartikeln „Made in Tirol“ praktische Antworten auf felsige Fragen zu liefern. Mit Rucksäcken, Jagdausrüstungen oder Stöcken schlug die Marke tiefe Wurzeln in der heimischen Outdoor-Welt und als die bergaffinen Tüftler der Firma in den 1970er- Jahren damit begannen, Stöcke aus Aluminium herzustellen, ebneten sie damit den Weg für eine echte Revolution. Das Geschäft funktionierte und die Marke florierte bis Ende der 1980er, als Anfang der 1990er Jahren die scharfen Zähne der Globalisierung sukzessive auch an der Wirtschaftlichkeit der Produktion in Tirol zu nagen begannen.

Thomas Span gemeinsam die Kohla-Geschäfte.
Seit 2018 leiten Alexandra und Thomas Span gemeinsam die Kohla-Geschäfte.
© Kohla

„Die Max Kohla KG ist 1999 in Konkurs gegangen“, erzählt Thomas Span vom Ende des traditionsreichen Unternehmens, das fast auch zum Ende der Marke geführt hätte. Fast. „Anfang der 2000er-Jahre haben sich mein Onkel und mein Vater, Hans und Leo Span, auf die Spur der Firma Kohla begeben. Sie hätten eigentlich nur ein Werkzeug für Grödel gebraucht, die Kohla damals hergestellt hatte“, so Span. „Eigentlich“ ist das Zauberwort in diesem Satz. Denn die beiden Geschäftsführer der Span Metallwaren GmbH beließen es nicht bei dem Werkzeug für die alpinen Steig- beziehungsweise Gehhilfen in rutschigem Terrain. Der Masseverwalter machte ihnen ein Angebot, alles zu übernehmen und das taten sie dann auch. 2003 gründeten sie die Ibex Sportartikel GmbH und setzten der Marke Kohla den Defibrillator an. „Anfangs war das natürlich eine Mörderaktion. Wenn du drei, vier Jahre nicht mehr am Markt bist, schaffst du das eigentlich nicht mehr. Das war schon ein Kampf“, weiß Thomas Span, der seit 2018 die Ibex- beziehungsweise Kohla-Geschäfte zusammen mit seiner Cousine Alexandra Span führt.

Nach der Übernahme hatten Hans und Leo Span das Produktportfolio von Kohla durchforstet und sich von zahlreichen Artikeln verabschiedet. „Als ich dazugekommen bin, haben wir das Ganze noch einmal massiv reduziert“, blickt Thomas Span knapp 12 Jahre zurück. Seither konzentriert sich das Unternehmen auf Steigfelle für Tourenski, Teleskopstöcke und Rucksäcke, „wir produzieren auch für Jagd und Forst, sehr gute Gamaschen zum Beispiel, doch Felle, Stöcke und Rucksäcke sind unsere Hauptartikel.“

Grundstein der Expansion

Mit diesen Hauptartikeln ist dem Unternehmen ein bemerkenswerter Siegeszug gelungen. Die Produkte werden in 21 Länder exportiert. Schritt für Schritt wurden neue Märkte erobert, sodass Tirol oder Österreich im Ranking der wichtigsten Kohla-Märkte nach hinten zu rutschen begannen. „Das liegt einfach daran, dass die Menge an Menschen hier überschaubar und nicht zu vergleichen ist mit dem französischen Alpenraum beispielsweise oder Südbayern“, erklärt Thomas Span, der das Vertrauen der Tiroler:innen als Grundstein für die Expansion bezeichnet, die durch zahlreiche Produktauszeichnungen – wie beispielsweise die ISPO-Awards in den Jahren 2013/14 und 2015/16 – weiteren Auftrieb bekam.

Egal, ob Alpin-, Ski- oder Klettertour - die Rucksäcke von Kohla vereinen sämtliche Vorteile und sind ein verlässlicher Begleiter am Berg "Made in Tirol".
Egal, ob Alpin-, Ski- oder Klettertour - die Rucksäcke von Kohla vereinen sämtliche Vorteile und sind ein verlässlicher Begleiter am Berg "Made in Tirol".
© Kohla

Das dynamische Bergsport-Know-how, mit dem das Team die sportliche Welt jährlich um eine Innovation bereichert, wurde und wird nicht nur von Sportlerinnen und Sportlern „ganz direkt“ belohnt, eben weil die Marke ausschließlich qualitativ hochwertige Produkte ziert. Zunehmend fingen auch internationale Skifirmen an, auf die Kohla-Qualitäten zu vertrauen, sodass heute bei Fellen, auf denen beispielsweise Atomic, Fischer, Völkl, Scott oder Salomon steht, Kohla „drin“ ist. „Wir sind absoluter Marktführer in diesem Bereich“, sagt Thomas Span, der auch gerne ein Geheimnis des Erfolges verrät: „Unser Ziel war immer, die Wurzeln von Kohla beizubehalten und so lokal wie möglich zu produzieren. Mehr als 80 Prozent unseres Gesamtvolumens von rund 16 Millionen Euro Umsatz werden in Tirol produziert. Wir haben eine hohe Wertschöpfung im eigenen Land – da sind wir schon stolz.“

Das können sie auch sein, wird durch die Strenge, mit der die Geschäftsführung echt lokal handelt, doch vieles möglich. „Unseren 36 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern können wir Vollzeitarbeitsplätze bieten, die auch in der Corona-Zeit nicht gefährdet waren. Wir hatten keine Kurzarbeit, sondern haben zweischichtig produziert und so den Markt erobert.“

Nachfrage

Als die Skilifte und Seilbahnen stillstehen mussten, erfuhr das Skitourengehen einen veritablen Run und das löste eine veritable Nachfrage nach dem dafür notwendigen Equipment aus. Jenem Equipment eben, auf das sich Kohla spezialisiert hat. „Es hat keinen einzigen Artikel gegeben, den wir in der Zeit nicht liefern konnten“, spricht Span eine Tatsache an, die für andere Firmen unmöglich geworden war, nachdem die Lieferketten zusammengebrochen und die asiatischen Produktionsstandorte teils unerreichbar geworden waren. Das stringente Setzen auf lokale Partner hatte sich in der wilden Zeit mehr als bewährt.

Diese Partnerschaften gipfeln gleichsam im „Brutal Local“-Label, mit dem jene Kohla-Artikel gekennzeichnet sind, die eine zu 100 % nachvollziehbare Beschaffungskette in Tirol haben und eine Wertschöpfung von mindestens 90 % in Österreich. Mit dem Label wird der nachhaltige Nerv der Zeit genauso getroffen, wie der Wunsch der Kund:innen, ein „Made in Tirol“ zu bekommen, das diese Bezeichnung auf allen Ebenen verdient. Ähnlich gelingt es dem Unternehmen, mit dem Label „Green Line“ perfekt auf der umweltbewussten und nachhaltigen Tastatur zu brillieren. In Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck ist so eine Produktpalette entstanden, die beispielsweise Fellpflegeprodukte aus rein biologisch abbaubaren Stoffen enthält.

Vorfreude auf neues Firmengebäude

„Ich sage unserem Team immer wieder, dass wir in den letzten zehn Jahren verdammt viel richtig gemacht haben. Ein bissl ist es Können, ein bissl ist es Glück. Wir hatten die richtigen Artikel und sind enorm innovativ“, sagt Span und betont: „Wir haben ein tolles Team. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter üben selbst den Sport aus. Nur so schafft man es, den Spirit reinzuholen.“

So spannend wie die Expanionsschritte, so spannend war die Entwicklung des Familienunternehmens selbst. Weil die Branchen, die im Metallwarenunternehmen vereint waren, in so unterschiedliche Richtungen gewachsen sind, wurden sie geteilt. „Unsere Väter haben Alexandra und mir vertraut und ihr Okay gegeben. Das war die Initialzündung im Jahr 2018. Seitdem haben wir uns verdreifacht“, so Thomas Span. Noch ist Kohla bei der Span Metallwaren GmbH der Väter in Innsbruck eingemietet. Doch bald wird mit dem Bau des neuen Firmensitzes in Fulpmes begonnen. „Den 20. Geburtstag der Ibex Sportartikel GmbH werden wir in unserem neuen Firmengebäude feiern“, blickt Span mit Vorfreude ein Jahr voraus. Im November 2023 soll es so weit sein. Dann zieht „der Steinbock“ an den Fuß der Serles. Besser geht’s nicht.

Weitere Informationen: www.kohla.at