WK-Präsident Christoph Walser
WK-Präsident Christoph Walser
Kommentar

Zeit zum Handeln

© WK Tirol/Foto Frischauf

„Die Politik muss die Rahmenbedingungen rasch an die Realität anpassen.“

KOMMENTAR

Die Landtagswahl ist geschlagen. Das Wichtigste ist jetzt, dass die Landesregierung ohne Verzögerung vom Wahlkampf- in den Arbeitsmodus umschaltet. Die Koalitionsverhandlungen müssen rasch und fair geführt werden, damit möglichst bald eine stabile Regierung steht. Die Tiroler Wirtschaftskammer hat bereits im Vorfeld ihr Wirtschaftsprogramm für die Legislaturperiode 2022 – 2027 „Weichenstellung für die Zukunft Tirols“ erarbeitet und an die Entscheidungsträger übermittelt. Die kommenden 5 Jahre sind entscheidend dafür, ob Tirol die Energie- und Klimawende schafft. Wir haben jetzt die große Chance, den Wirtschaftsstandort Tirol durch eine konsequente Ausrichtung in Richtung Dekarbonisierung, Nachhaltigkeit und Regionalisierung zukunftsfit zu machen. Die Wirtschaftskammer wird darauf achten, dass möglichst viele der Vorschläge in den neuen Koalitionspakt aufgenommen werden. Schließlich sind die Forderungen der Wirtschaft kein Soloprogramm: Wenn die Tiroler Betriebe die passenden Rahmenbedingungen vorfinden, können sie Höchstleistungen erbringen und damit Arbeitsplätze und Wohlstand im Land sichern.

WK-Präsident Christoph Walser

In aller Bescheidenheit: Die Politik kann sich einiges von den Tiroler Betrieben abschauen. Es ist beeindruckend, mit wieviel Engagement, Innovationsgeist und Kreativität sich heimische Firmen auf die massiven Veränderungen eingestellt haben. Nun müssen auch die gesetzlichen Vorgaben nachziehen. Die Politik muss mit der entsprechenden Flexibilität re(a)gieren und die Rahmenbedingungen an die tatsächliche Lage anpassen. Ein Beispiel: Der Großteil der Regelungen zum Arbeitsmarkt stammt noch aus einer Zeit, in der es galt, einheimische Arbeitskräfte vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. Jetzt aber hat sich die Situation komplett umgekehrt: Es besteht akuter Arbeits- und Fachkräftemangel und wenn Stellen mit qualifiziertem Zuzug besetzt werden, nimmt das keiner einzigen Tirolerin und keinem einzigen Tiroler einen Job weg. Das kann sich wieder ändern und muss dann eben auch wieder nachjustiert werden. Wir müssen von langwierigen politischen Entscheidungsprozessen zu einem Regieren des „Just in time“ kommen. Neben dem Arbeitsmarkt brauchen die Betriebe vor allem bei den außer Rand und Band geratenen Energiepreisen rasche, effektive und unbürokratische Unterstützungen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Die internationale Lage mag im Moment besorgniserregend sein – aber eines bin ich mir sicher: Am Ende wird ein System, das auf blanke Aggression setzt, seiner Jugend die Zukunft nimmt, seine Spitzenkräfte aus dem Land vertreibt und jede Innovation im Keim erstickt, den Kürzeren ziehen. E christoph.walser@wktirol.at

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