Symbolbild - Das Wirtschaftsprogramm der WK Tirol setzt auf Regionalität und Nachhaltigkeit und enthält unter anderem Vorschläge zum leistbaren Wohnen.
Symbolbild - Das Wirtschaftsprogramm der WK Tirol setzt auf Regionalität und Nachhaltigkeit und enthält unter anderem Vorschläge zum leistbaren Wohnen.
Aktuelles

Den Schwung des Wandels als Chance für Tirol nutzen

An der Zukunft bauen. Die aktuellen Herausforderungen erfordern mutige Entscheidungen. Das Wirtschaftsprogramm der WK Tirol setzt auf Regionalität und Nachhaltigkeit und enthält unter anderem Vorschläge zum leistbaren Wohnen.
© Christian Vorhofer

Präsident Christoph Walser erläutert, welchen Handlungsbedarf die Landesregierung in den kommenden fünf Jahren hat. Das Wirtschaftsprogramm der WK Tirol  listet detailliert konkrete Maßnahmen auf.

INTERVIEW

Tiroler Wirtschaft: Was zeichnet das aktuelle Wirtschaftsprogramm der Tiroler Wirtschaftskammer aus?

WK-Präsident Christoph Walser: Wir haben dieses Forderungsprogramm anlässlich der Landtagswahl in Zusammenarbeit mit allen Branchen, Bezirken und Fraktionen in der Tiroler Wirtschaftskammer ausgearbeitet. Es repräsentiert damit die Tiroler Wirtschaft in ihrer ganzen Breite und listet detailliert auf, was die Tiroler Betriebe in den kommenden Jahren brauchen, und enthält auch Schwerpunktthemen für die einzelnen Bezirke. In unserem Wirtschaftsprogramm steckt viel Expertise, welche die neue Landesregierung nutzen sollte. In diesem Zusammenhang möchte ich die Tirolerinnen und Tiroler aufrufen, am Sonntag von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Wenn wir uns in der Welt umschauen, wird deutlich, dass es nicht selbstverständlich ist, in einem demokratischen System zu leben.

Wie stellt sich die aktuelle Lage für die Betriebe dar?

Wir stecken nach einer mehr als zweijährigen Corona-Pandemie mitten in der größten Energiekrise der letzten Jahrzehnte inklusive der damit verbundenen Inflations-Effekte. Die hohe Unsicherheit und der akute Arbeits– und Fachkräftemangel machen allen Branchen zu schaffen.

Gibt es in dieser schwierigen Situation auch positive Aspekte?

Es ist erstaunlich, mit wieviel Engagement, Innovationsgeist und Kreativität sich Tiroler Betriebe auf diese massiven Veränderungen eingestellt haben. Wir haben jetzt die große Chance, den Wirtschaftsstandort Tirol durch eine konsequente Zielsetzung in Richtung Dekarbonisierung, Nachhaltigkeit und Regionalisierung zukunftsfit zu machen.

Von welchem Zeithorizont sprechen wir?

Die kommenden fünf Jahre sind entscheidend dafür, ob Tirol die Energie– und Klimawende schafft. Wesentliche Eckpfeiler sind die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und die Förderung von betrieblichen Transformationsprojekten zum Ausstieg aus fossilen Energiequellen. Und natürlich ist es jetzt höchste Zeit, das Potenzial der Tiroler Wasserkraft ernsthaft zu nutzen.

WK-Präsident Christoph Walser
WK-Präsident Christoph Walser

Sie sehen in der Regionalisierung einen stabilisierenden Faktor. Wie passt das mit unserer globalen Wirtschaft zusammen?

Die Tiroler Wirtschaft kämpft mit steigenden Energiepreisen, instabilen Lieferketten und unfairer Konkurrenz von Billiganbietern. Regionale Wirtschaftskreisläufe hingegen garantieren hohe Stabilität, Verlässlichkeit, schaffen Arbeitsplätze vor Ort und bringen Steuerleistungen. Wir wollen mit unserer Kampagne „Ja zu Tirol“ zur Bewusstseinsbildung beitragen. Das Land kann unter anderem mit der Einrichtung eine Koordinierungsstelle für Stadt- und Ortsmarketing die Ortskernbelebung aufwerten und unterstützen.

Jahrelang wurde kommuniziert, dass die Digitalisierung Arbeitsplätze vernichtet. Hat sich das bewahrheitet?

Im Gegenteil, es sind mehr als genug Arbeitsplätze verfügbar. Digitalisierung vernichtet keine Jobs, sondern verlagert sie in Aufgaben mit weniger körperlicher Belastung und höherer fachlicher Qualifikation. Daher muss die Digitalisierung von einer Aus- und Weiterbildungsoffensive begleitet sein. Und es braucht einen Schwerpunkt „Automatisierung“ im Rahmen der Tiroler Wirtschaftsförderung, nicht nur für Produktionsprozesse, sondern auch für Dienstleistungsprozesse.

Sie fordern Digitalisierung auch auf Verwaltungsebene. Was erwarten sie sich davon?

Das Ende der Zettelwirtschaft und eine deutliche Beschleunigung von Verfahren. Bis zum Ende der Legislaturperiode sollten sämtliche Genehmi-gungs- und Förderverfahren beim Land, den Bezirkshauptmannschaften und in den Gemeinden digital möglich sein. Das betrifft natürlich auch digitale Baueinreichungen, mithilfe derer sich die Effizienz deutlich steigern lässt. Das bringt Ersparnisse sowohl für die Bauwerber als auch für die öffentliche Hand.

Die Raum- und Bauordnung ist Ländersache. Welche Verbesserungen braucht es laut Wirtschaftsprogramm hier?

Unter anderem sollte die Errichtung, der Erwerb und die Schaffung von Wohnungen für Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer im Rahmen der Wohnbauförderung ausgeweitet werden. Und natürlich brauchen wir Regionalprogramme für gewerbliche Vorsorgeflächen. Nur so können wir auch in Zukunft die Erweiterung und Ansiedlung neuer Betriebe in allen Regionen Tirols sicherstellen.

Wie sieht die Position der WK Tirol zum Thema leistbares Wohnen aus?

Leistbares Wohnen erfordert ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Das beginnt bei der Nutzung von landwirtschaftlich nicht genutzten Flächen, geht über den Bau von Startwohnungen für junge Menschen bis hin zum Durchforsten aller landesgesetzlichen Materien, um unnötige Kostentreiber zu identifizieren und auf das unbedingt erforderliche Maß zurückzustutzen.