Johannes Windeler-Frick (l.) und Christian Frick (r.) übernehmen gerade die Geschäfte von ihrem Vater, IBF-Gründer Helmut Frick (Mitte).
Johannes Windeler-Frick (l.) und Christian Frick (r.) übernehmen gerade die Geschäfte von ihrem Vater, IBF-Gründer Helmut Frick (Mitte).
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IBF Solutions Vils: 25 Jahre Hidden Champion

Johannes Windeler-Frick (l.) und Christian Frick (r.) übernehmen gerade die Geschäfte von ihrem Vater, IBF-Gründer Helmut Frick (Mitte).
© IBF

IBF-Solutions ist ein spannender Tiroler Hidden Champion. Ihre Seminare wurden von über 15.000 internationalen Teilnehmern besucht und die Software Safexpert gilt weltweit als Nonplusultra.

Ihr Kunden-Heer ist richtig weit verzweigt – wie die IBF-Weltkarte zeigt. Alle Kunden von IBF-Solutions mit roten Punkten zu versehen, würde einen weit größeren Globus im zweidimensionalen Karten-Format benötigen. Doch auch in der zurückhaltenden Reduktion wird deutlich, dass so gut wie jede Gegend der Welt eine Verbindung nach Vils hat, zum Hauptsitz des Unternehmens. Neben den Ländern Europas leuchten Punkte in den USA, Mexiko, Australien, Indien, China, Kanada oder Neuseeland auf. Auch Island ist dabei. „Wir haben tausende Kunden weltweit – von großen Konzernen über mittelständische und kleine“, sagt Christian Frick.

Zusammen mit seinem Bruder Johannes übernimmt er gerade die Geschäftsführung von Vater und Firmengründer Helmut Frick. Der Übergang erfolgt fließend und so organisch, wie das Unternehmen gewachsen ist. Recht unaufgeregt erzählt Christian Frick Aufregendes. Etwa, dass der Stammsitz gerade großzügig erweitert wurde und Platz für mehr Mitarbeiter:innen bietet. Dass das Potenzial für weitere Expansionen groß ist und Software-Entwicklerteams nicht nur vor Ort, sondern auch in Kempten oder München sitzen, um parallel an verschiedenen Applikationen zu arbeiten. Oder, dass bereits über 15.000 internationale Teilnehmer die IBF-Schulungen und Seminare besucht haben.

Allein die ersten beeindruckenden Eindrücke und Fakten kitzeln die Frage, warum so wenig bekannt ist von dem Unternehmen – und das Unternehmen selbst auch. Ja, warum? „Unsere Kunden sind Maschinen- und Anlagenbauer. Unternehmen, die Maschinen verkaufen, die Maschinen produzieren und verkaufen oder solche, die Maschinen für den Eigengebrauch bauen. Wir machen Software für Maschinensicherheit, die CE-Kennzeichnung. Weil wir hauptsächlich in der Großindustrie tätig sind und keine Endkunden in der Region bedienen, haben die wenigsten Menschen Berührungspunkte mit unseren Produkten und Angeboten. Im Rahmen unseres Employer Brandings positionieren wir uns deshalb in der Region einfach als Software- und Consulting-Unternehmen“, erklärt Frick die Zurückhaltung. Dabei lohnt es sich wirklich, tiefer einzutauchen in die IBF-Welt, die sich um viel Know-how und die extrem erfolgreiche Software Safexpert rankt, um Normen und die CE-Kennzeichnung, die jede und jeder aus dem Alltag kennt.

Christian Frick

Vorteilhafte Vereinheitlichung

CE steht für Conformité Européenne – also Europäische Konformität. Dahinter verbergen sich für alle betroffenen Branchen die Harmonisierungsrechtsvorschriften der EU. Diese Vorschriften sind für den einheitlichen Markt entscheidend. 1985 schon wurde die CE-Kennzeichnung eingeführt, um sukzessive technische Handelshemmnisse innerhalb der EU abzubauen. Einschneidend war das Jahr 1994, in dem zahlreiche, 1993 geänderte Richtlinien schlagend wurden. Auch die so genannte Maschinenrichtlinie, mit der „ein einheitliches Schutzniveau zur Unfallverhütung für Maschinen und unvollständige Maschinen beim Inverkehrbringen innerhalb des EWR“ geregelt wurde.

„Diese Vereinheitlichung hat einen Riesenvorteil für die Maschinenbauer, weil sie sich mit der CE-Kennzeichnung keine Gedanken mehr über nationales Recht machen müssen, sondern ihre Maschinen nach einheitlichen Standards in alle Länder des EWR verkaufen können“, erklärt Christian Frick.

Maschinensicherheit

Gelernte Europäer:innen verwundert kaum, dass die Konsequenzen der Maschinenrichtlinie höchst komplex waren – und mit all den zwischenzeitlichen Neufassungen und Änderungen auch höchst komplex geblieben sind. Als Konstrukteur in einem großen Industrieunternehmen war Helmut Frick bereits früh mit der Maschinensicherheit als solcher in Berührung gekommen. Nachdem er sich selbstständig gemacht hatte, bemerkte er rasch, dass seine Konstrukteurs-Kollegen viele Fragen und Unterstützungsbedarf hatten, um sich durch den Dschungel an Richtlinien und Normen für Maschinensicherheit zu kämpfen.

„Er hat sich 1994 selbstständig gemacht, hat sich in die Thematik eingearbeitet und damit begonnen, Seminare zu halten. Als er feststellte, dass viele Seminarteilnehmer die gleichen Fragen stellten, etwa wie sie das oder das praktisch umsetzten sollen, hat er eine Software entwickelt, die erste Version von Safexpert“, beschreibt Christian Frick den Trigger für die Gründung von IBF Solutions. Consulting und die Software Safexpert sind noch heute die zwei Standbeine, auf denen das Unternehmen richtig gut steht. Die beiden Unternehmens-Stränge arbeiten Hand in Hand, wecken die stark nachgefragten IBF-Seminare doch nicht selten das Bedürfnis nach einer Software, die die komplexe Risikobeurteilung stark vereinfacht.

Mit dem Gebäudezubau am Stammsitz in Vils ist das Unternehmen IBF Solutions für weitere Expansionsschritte gerüstet.
Mit dem Gebäudezubau am Stammsitz in Vils ist das Unternehmen IBF Solutions für weitere Expansionsschritte gerüstet.
© IBF

Kernbereich Risikobeurteilung

„Mit Safexpert haben wir nicht nur ein Tool gefunden, das uns bei der Erstellung unserer Risiko-
beurteilungen Schritt für Schritt durch den Prozess leitet und uns damit Kosten einsparen lässt, sondern uns durch eine Aktualitätsüberwachung der angewandten Normen darüber informiert, wenn sich eine Norm geändert hat, die sich auf das jeweilige oder zukünftige Projekte auswirkt“, betonte beispielsweise ein leitender Mitarbeiter bei HOMAG, dem Weltmarktführer im Bereich Holzbearbeitungsmaschinen.

In der Aussage des IBF-Kunden steckt geballt das, was in der Software des Vilser Unternehmens alles steckt. „Kernbereich unserer Software ist die Risikobeurteilung. Man kann es sich so vorstellen: Es gibt eine sehr lange Liste der verschiedenen Gefährdungen. Heiße Oberflächen etwa, Explosions- oder Quetschgefahren. Der Konstrukteur geht alle möglichen Gefährdungen der Reihe nach durch, überlegt, was wo passieren kann und dokumentiert mit unserer Software, was er gemacht hat, damit die Maschine so sicher wie möglich ist“, erklärt Christian Frick.

Identifiziert ein Konstrukteur oder eine Konstrukteurin bei einem Teil der Maschine die Gefahr, dass beispielsweise Hände der Bedienenden gequetscht werden könnten, hilft die integrierte Normen-Suchmaschine der Software dabei, die zugehörige Norm für Quetschgefahren zu finden und damit auch die möglichen Wege, um die Gefahr zu verhindern. „Im Idealfall wird während der Konstruktion überlegt, welche Gefährdungen auftreten können. Machen die Unternehmen diese Risikobeurteilungen erst, wenn die Maschine schon fertig ist, sind Änderungen nicht mehr so einfach möglich und können teuer werden“, weiß Frick.

Safexpert

Sichere Maschinen sind das Ziel jedes Anlagen- oder Maschinenbauers und um sicher gehen zu können, dass alles Mögliche getan wurde, um die Sicherheit zu gewährleisten, hat sich Safexpert zum praktischsten Instrument entwickelt. Frick: „Es ist eine Standard-Software für alle verschiedenen Branchen. Die Liste der Gefährdungen ist im Grunde für verschiedenste Maschinentypen geeignet – egal ob, salopp gesagt, eine Handkreissäge oder eine Produktionsanlage gebaut wird.“ Tausende Kunden arbeiten weltweit mit dieser Standard-Software. Kunden jenseits der EWR-Grenzen dann, wenn sie Maschinen oder Maschinenteile in den EWR-Raum exportieren. Dabei stellen die IBF-Mitarbeiter:innen sicher, dass die Software stets auf dem neuesten Stand ist.

Täglich wird etwa die EU-Homepage nach Neuerungen durchforstet. Änderungen werden umgehend in die Safexpert-Normen-Datenbank eingepflegt und Konstrukteure, die mit der veralteten Norm gearbeitet haben, bekommen im Zuge der Software-Aktualisierung flugs die Meldung, dass sich etwas geändert hat. „Der Automatisierungsgrad, den wir anbieten, ist sehr hoch“, weiß Christian Frick um den USP der Safexpert-Software, die kontinuierlich weiterentwickelt wird. Derzeit sind 45 Mitarbeiter:innen bei IBF Solutions beschäftigt, 33 davon am Stammsitz in Vils. „Wir sind ständig auf der Suche nach geeigneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Aktuell beispielsweise in Bereichen, wie Produktmanagement, Service-Desk, Human Resources, Seminarorganisation oder Softwarentwicklung. Mit der Erweiterung des Gebäudes sind wir jedenfalls für den nächsten Expansionsschritt gerüstet“, sagt Christian Frick. Wieder berichtet er Aufregendes unaufgeregt. Vielleicht ist auch das der Grund, warum IBF Solutions ein Hidden Champion eben. Hidden in Vils.

Weitere Informationen: www.ibf-solutions.com