Josef
Josef
Alles Unternehmen

Wildes und Edles aus Tirol

Josef „Pepi“ Ager weiß genau, was einen schmackhaften Speck ausmacht. In der Genusswelt, die der Geschäftsführer 2016 unweit der Betriebsstätten eröffnete, finden sich neben den Ager-Produkten weitere Schmankerln aus der Region.
© Luaks Dostal

Seit über 40 Jahren veredelt die Ager GmbH Speck- und Wildspezialitäten. Das Team des größten Wildzerlegungsbetriebs Österreichs ist dabei für seine Qualität bekannt.

Am Fuße der hohen Salve duftet es nach Speck. In zwei Betriebsstätten werden bei Ager in Söll herzhafter Speck, Rohwürste, Keulen und Filetstücke vom Hirsch, Reh, Wildschwein und der Gams genussfertig verarbeitet. Geschäftsführer Josef „Pepi“ Ager kennt den Betrieb von Kindesbeinen an und führt die Firma bereits in zweiter Generation. Bei seinen Produkten legt er ein besonderes Augenmerk auf die Güte des Fleisches. „Qualität bedeutet für uns die Erfüllung der Erwartungshaltung unserer Kundinnen und Kunden“, so der Geschäftsführer.

Traditionsbetrieb

Seit der Gründung 1971 ist die Firma Ager ein wichtiger Spieler im regionalen Lebensmittelgewerbe. Josef Ager senior unterhielt auf dem heutigen Betriebsgelände eine Forellenzucht und verkaufte Geflügel- und Tiefkühlprodukte. Währenddessen begann er das in der Region erlegte Wild zu verarbeiten. Die fertigen Produkte lieferte er anschließend an Gastronomiebetriebe in Tirol und Salzburg. Der dadurch eintretende unternehmerische Erfolg veranlasste Ager senior zu weitreichenden Umbauten an der Betriebsstätte, wodurch er bereits Ende der 70er-Jahre die Zulassung als EU-Betrieb zur Erzeugung von Speck- und Wurstspezialitäten erwarb.

In den 90er-Jahren stieg die Firma in den Export ein und errichtete die zweite Betriebsstätte – den modernsten EU-zertifizierten Wildzerlegebetrieb Europas. „Hier werden jährlich rund 2.200 Tonnen Wild nach höchsten Qualitätsansprüchen zerlegt und verarbeitet“, erklärt der Unternehmer. Mit der Jahrtausendwende ging die Geschäftsführung an die nächste Generation über. Josef Ager junior übernahm die Firma von seinem Vater und hielt an dessen konsequentem Innovationskurs fest. 2016 eröffnete Ager die „Genusswelt“. Dort locken unweit der Ager-Produktionsstätten neben veredeltem Fleisch auch andere regionale Spezialitäten Einheimische und Gäste an. „Egal ob es eine Jause für unterwegs, ein Mitbringsel für die Lieben zu Hause oder ein Geschenk für einen besonderen Anlass sein soll. Hier findet jeder etwas“, beschreibt der Ager-Chef das Sortiment in der Genusswelt.

Langjährige Erfahrung in der Veredelung von Fleisch: Bereits seit 1978 ist das Ager Firmengebäude an der B178 als EU-Betrieb zur Erzeugung von Speck und Wurstspezialitäten zugelassen.
© Lukas Dostal

Fleischveredelung

Das Betriebsgelände von Ager ist in zwei Produktionsstätten unterteilt. In der Wildbretzerlegung verarbeiten 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jede Art von Hochwild. „Bei uns werden alle Arten von Wildfleisch nach strengsten EU-Vorschriften zerlegt und verarbeitet. Das Eingehen auf spezielle Kundenwünsche ist dabei kein Problem“ betont der Geschäftsführer. Die erlegten Tiere werden von der Jägerschaft bereits ausgenommen angeliefert. Dadurch gelingt es dem Ager-Team zur Spitzenzeit der Jagdsaison rund 15 Tonnen Wild am Tag zu zerlegen. Das verarbeitete Wild wird anschließend gastronomiefertig als „Dreierlei vom Wild oder Steaks vom Hirsch und Wildschwein“, in Filets portioniert und anschließend verpackt oder für die Räucherei aufbereitet.

In der Räucherwarenerzeugung bekommen die Ager-Produkte ihr schmackhaftes Aroma. „Zur Herstellung unserer feinen Wildschinken verwenden wir nur die saftigsten Keulenteile, um eine möglichst gleichbleibende Qualität zu garantieren“, sagt Ager. Das aufbereitete Wildfleisch wird durch den Kontakt mit Salz, Luft und Rauch bis zum Endprodukt veredelt. „Sämtliche Rohpökelwaren werden mit einer speziellen Salz-Gewürzmischung gepökelt, schonend kaltgeräuchert und unter kontrollierten Bedingungen gereift“, erklärt der Geschäftsführer.

Neben den wilden Alternativen produziert Ager auch Klassiker wie Karree-, Bauch- oder Schinkenspeck. „Alle Produkte werden auf traditionelle Weise hergestellt und unterliegen genauen Herstellungsvorgaben“, weiß der Fabrikant. Durch das Einhalten dieser Vorgaben darf Ager seine Produkte als „Tiroler Speck“ mit dem EUSiegel der geschützten geografischen Angabe (g.g.A.) vertreiben. Eine Auswahl verschiedener Wildwurzen und Wildsalamis rundet das AgerSortiment ab. „Zur Herstellung der Rohwürste verwenden wir nur bestes Wildfleisch, welches im richtigen Verhältnis mit Schweinefleisch aus Österreich und traditionellen Gewürzen vermengt, leicht geräuchert und anschließend luftgetrocknet wird“, fasst Ager die Produktion zusammen.

Ein Ager-Mitarbeiter produziert Würste.
Auch feine Wildwurzen und Wildsalamis werden bei Ager gefüllt, geräuchert und luftgetrocknet.
© WK Tirol

Erfolg dank Innovation

Mit von Weitblick geprägtem unternehmerischen Geschick, zeichnet sich die Firma Ager durch beständiges Wachstum – dank konsequent durchgeführter Innovationen – aus. Heute ist Ager im Tiroler Speck-Konsortium vertreten und stellt den größten Wildzerlegungsbetrieb
Österreichs dar. Aufgrund des wirtschaftlichen Erfolgs, den das Unternehmen mit der Veredelung von Fleisch erzielt, kann Ager über Tirols Grenzen hinaus als „Hidden Champion“ bezeichnet werden.
Ager ist stolz auf das „reiche Sortiment erstklassiger Güte, das den Betrieb verlässt“. Der Geschäftsführer weiß jedoch, dass neben hochwertigen Produkten, weitere Faktoren eine wichtige Rolle spielen, um die Position seiner Firma am Markt zu festigen.

Die innovativen Schritte, die Josef „Pepi“ Ager veranlasste, trugen weiter zum Aufstieg des Unternehmens bei. Der Rückzug aus der Gastronomiebelieferung und die Aufnahme des Vertriebs an den Groß- und Einzelhandel oder die Schließung des Ager-Werksverkaufs zugunsten der neu entstandenen „Genusswelt“, wurden zur Erfolgsgeschichte. Um dem Fachkräftemangel in Tirol zu begegnen, schuf Ager Wohnraum in unmittelbarer Nähe seiner Betriebsstätten und etablierte ein neues Arbeitszeitmodell. „Wir bieten unseren Mitarbeitenden lange und kurze Arbeitswochen im Wechsel. So gelingt es, dass jeder der aus dem Ausland stammenden Beschäftigten alle 14 Tage über ein langes Wochenende nach Hause fahren kann“, freut sich der Unternehmer.

Weitere Infos: Ager Speck- und Wildspezialitäten