WK-Präsident Christoph Walser
WK-Präsident Christoph Walser
Kommentar

Good News

© WK Tirol/Foto Frischauf

„Es ist nicht selbstverständlich, dass in Krisenzeiten der Arbeitsmarkt stabil bleibt“, zeigt sich WK-Präsident Christoph Walser erfreut.

KOMMENTAR

Derzeit prasseln täglich Negativ-Meldungen auf uns ein. Natürlich, die internationale Lage ist heikel und die Devise „Only bad news are good news“ wurde schon vorher von einigen Medien allzu wörtlich genommen. Aber jetzt bleibt kaum Platz für Good News. Die gibt es aber auch – allen Energie-, Klima- und Inflationsnachrichten zum Trotz.

Zum Beispiel die aktuelle Beschäftigungslage. Es ist nicht selbstverständlich, dass in Krisenzeiten der Arbeitsmarkt stabil bleibt. Wir haben in Tirol praktisch Vollbeschäftigung, die Betriebe suchen händeringend nach Arbeitskräften. Das ist für die Unternehmen eine schwierige Herausforderung, aber volkswirtschaftlich eine Erfolgsnachricht. Schließlich ist eine hohe Beschäftigung Voraussetzung für Wohlstand und soziale Absicherung. Geschafft wurde das durch das Engagement unserer Betriebe sowie gezielte Entlastungsmaßnahmen und Investitionsförderungen seitens des Staates.

Weil wir gerade beim Thema Beschäftigung sind: Es hat sich ein Schreckgespenst in Luft aufgelöst. Jahrelang wurde den Menschen vor Digitalisierung und Automatisierung Angst gemacht und der Verlust von Arbeitsplätzen prognostiziert. Das ist nicht eingetreten, im Gegenteil. Die Digitalisierung vernichtet keine Arbeitsplätze, sondern ersetzt Jobs mit hoher physischer Belastung durch höherqualifizierte Aufgaben. Die Digitalisierung bietet gerade für kleine und mittlere Unternehmen große Chancen.

WK-Präsident Christoph Walser

Die globalen Verwerfungen haben zudem zu einer Rückbesinnung auf die Regionalisierung geführt. Während internationale Lieferketten stocken, Energie als Waffe eingesetzt wird und unnötige Transportwege die Klimakrise verstärken, bieten regionale Wirtschaftskreisläufe das genaue Gegenprogramm: Verlässlichkeit, Qualität, kurze Wege, Arbeit und Steuerleistung im eigenen Land. Noch sind viele unserer Stadt- und Ortskerne intakt. Die Politik muss mit Bewusstseinsbildung und gezielten Förderungen darauf achten, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Auch im Bereich Energie gibt es noch Luft nach oben: In der Tiroler Wasserkraft steckt noch viel Potenzial, das es zu nutzen gilt. Ergänzt durch thermische Sanierungen und den Ausbau von Fotovoltaik und Windkraft hat Tirol wesentlich bessere Chancen als andere Regionen, das Ziel der Energieautonomie zu erreichen. (Mehr zum Thema: „Bei erneuerbaren Energien das volle Potenzial nutzen“)

Es ist daher angebracht, gelegentlich auch über diese positiven Seiten sprechen. Die Politik sollte weniger Krisenstimmung verbreiten und mehr Optimismus durch langfristige Weichenstellungen erzeugen. Dazu gehört der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien, die Sicherung des Mittelstandes und klare Signale, dass sich Arbeit lohnt. Wir müssen alle gemeinsam an der Zuversicht arbeiten, statt die Unsicherheit zu kultivieren.

E christoph.walser@wktirol.at

Kategorie(n)