Martin Prantl in seiner Werkstatt PraMart
Martin Prantl in seiner Werkstatt PraMart
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Tischlertradition modern zugeschnitten

Klein aber fein: Viel Platz braucht Prantl nicht für seine Handwerkskunst.
© WK Tirol

Martin Prantl fertigt in seiner Tischlerei PraMart individuelle Möbel aus regionalem Vollholz. In Prantls Werkstatt kommt moderne Technik zum Einsatz, traditionelles Handwerk ist ihm dennoch wichtig.

Während in Tirol die Gewerbeflächen zunehmend schwinden, wagte sich Martin Prantl an eine innovative neue Herangehensweise. Statt nach einem großflächigen Grund zu suchen, plante der 34-Jährige sich seine eigene Werkstatt in den Garten seines Elternhauses bei Sölden. Mit einem gelungenen Platzkonzept fertigt Prantl, auf 55m2, in einem für ihn individuell gestalteten Container, Möbel aus heimischem Vollholz. Qualität, Kreativität und Handwerkskunst stehen für ihn dabei im Vordergrund seiner Arbeit. Dennoch verschließt Prantl seine Augen nicht vor modernen technischen Neuerungen.

Innovatives (Platz)Konzept

Das Abenteuer Selbstständigkeit begann für Prantl im vergangenen Herbst mit der Lieferung eines maßgefertigten Containers und einer ordentlichen Portion unternehmerischen Risikos. „Meine Eltern waren von der Idee zuerst nicht sehr begeistert, aber das hat sich zum Glück geändert“, erinnert sich der Tischlermeister und schmunzelt. Seitdem beherbergt der für Prantl angefertigte Container sein Heiligstes – die PraMart Werkstatt. Dank einer Deckenhöhe von 2,8 Metern und eines ausgeklügelten Abfallentsorgungskonzepts gelang die Betriebsanlagengenehmigung. Getreu des Mottos „klein, aber fein“ bietet die Werkstatt dem Ötztaler gerade genügend Platz, um alle eingehenden Aufträge zu bearbeiten. Für Prantl ein Glücksfall. „Wenn ich mal nicht da bin, stelle ich den Strom ab. Dann erzeugt mir die Werkstatt keine laufenden Kosten“, erklärt er sein ressourcensparendes Konzept.

Sein Handwerk erlernte Prantl in einer Tischlerei, die viel in Masse fertigt. „Manchmal habe ich den ganzen Tag denselben Arbeitsschritt verrichtet. Dabei hat mir oft die Kreativität bei der Arbeit gefehlt“, erzählt der Tischler. Doch mit der Einweihung seiner eigenen Werkstatt schuf sich Prantl auch den Freiraum, um seine Kreativität zu entfalten. „In meiner Werkstatt versuche ich auf jeden Kundenwunsch einzugehen“, freut sich der junge Meister.

Tradition und Moderne

Am liebsten tischlert Prantl Möbel, die im Mittelpunkt des sozialen Lebens stehen und täglich gebraucht werden. Tische, Stühle und Sideboards für alle Zwecke gehören darum zu seinem Standardrepertoire. Möbel aus Massivholz mit natürlicher Oberflächenbehandlung und sichtbarem Handwerk sind sein Markenzeichen. Dabei sind bei dem Tischler aus dem Ötztal keine zwei Möbelstücke identisch. Dennoch weisen sie alle dieselben Merkmale auf, sind alle aus Vollholz gefertigt und haben dank der natürlichen Oberflächenoptik einen eindeutigen Wiedererkennungswert.

Prantl lebt von der Mund-zu-Mund-Propaganda seiner zufriedenen Kundinnen und Kunden, deren Wünsche er individuell umsetzt. Ansonsten bewirbt er seine Möbel auf seiner Website und über Social Media. „Moderne Technik und traditionelles Handwerk schließen sich für mich nicht aus“, erklärt der Tischlermeister. Bei seiner Arbeit ist ihm wichtig, dass die Kundschaft merkt: „Es steckt auch ein Mensch dahinter“. Trotzdem arbeitet er in seiner Werkstatt mit einer kleinen, modernen CNC-Maschine, um seine Aufträge schnell und exakt zu bearbeiten. Doch auch die Tradition spielt für Prantls Arbeit noch immer eine entscheidende Rolle. Der Tischler weiß: „Viele wollen sichtbares Handwerk in ihren Möbeln haben“.

Martin Prantl an der Hobelbank
In seiner Werkstatt, im Garten seines Elternhauses, kann der Ötztaler Tischler seiner Kreativität freien Lauf lassen.
© WK Tirol

Nachhaltigkeit

Wo gehobelt wird, da fallen Späne – so auch bei PraMart. Anfallende Späne sammelt der Ötztaler Unternehmer und gibt sie an einen benachbarten Landwirtschaftsbetrieb weiter, der sie als Einstreu in der Tierhaltung verwendet. Verschnitt und Restholz, das in Prantls Werkstatt nicht mehr zu verwerten ist, wird wenige Meter von der Tischlerbank entfernt im heimischen Ofen verheizt.

Prantls Arbeit ist auch von seiner Heimat inspiriert, deren Erhalt ihm am Herzen liegt. Deshalb will er Möbel bauen, die hochwertig und nachhaltig sind. Für seine Tischlerkunst verwendet er jede Art von Vollholz, das er von einem Holzunternehmen aus der Region bezieht. So blieb er bisher von den Auswirkungen der Holzknappheit auf dem internationalen Markt weitestgehend verschont. Allgemein versteht Prantl qualitätsvolle Möbel als nachhaltige Investition und als Begleiter für einen ganzen Lebensabschnitt. „Die Qualität eines Möbelstücks wird einem meist Jahre später bewusst. Teuer zu stehen, kommen einen eigentlich die Möbel vom Discounter, denn wer billig kauft, hat oft keine Freude“, sagt der Fachmann.

Für die Zukunft erhofft sich Prantl, dass es mit PraMart weiterhin bergauf geht. Eine große Firma leiten will er aber nicht, sondern sein Handwerk und die Freiheit, die ihm die Selbstständigkeit gewährt, jeden Tag aufs Neue genießen

Weitere Infos: PraMart