Symbolbild Druckerei - Ja zu Tirol
Symbolbild Druckerei - Ja zu Tirol
Panorama

„Wo Tirol draufsteht, muss Tirol drin sein!“

„Druck Wert Tirol“ lautet der Name des Herkunftssiegels, das die Fachgruppe Druck der WK Tirol an Betriebe verleiht, die in Tirol produzieren.
© WK Tirol/Günter Kresser

Dietmar Hernegger will das Bekenntnis „Ja zu Tirol“ auch bei den heimischen Dienstleistern umsetzen. Im Gespräch nimmt der Spartenobmann zur Kraft regionaler Wirtschaftskreisläufe Stellung.

INTERVIEW

Tiroler Wirtschaft: Sie waren kürzlich bei Landesrat Anton Mattle bei einem Arbeitsgespräch zum Thema „Ja zu Tirol“. Warum ist es dabei gegangen?

Dietmar Hernegger: Diese Kampagne der WK Tirol ist für die heimischen Betriebe sehr wertvoll. Doch meist werden damit der Tourismus und das Gewerbe in Verbindung gebracht, aber nur selten die Tiroler Dienstleister. Speziell bei den Druckereien, den Fotografen, den Werbeagenturen sowie der Film- und Musikwirtschaft sind heimische Aufträge ebenfalls ein enorm wichtiger Faktor.

Welchen Aspekt erachten Sie in diesem Zusammenhang am wichtigsten?

Zu allererst geht es um Bewusstseinsbildung. Gerade in der jetzigen schwierigen Situation kommt die Initiative „Ja zu Tirol“ genau richtig, denn sie setzt ein deutliches Signal, regionale Produkte und Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Es wird häufig einfach nicht daran gedacht, an Unternehmen aus der eigenen Region zu vergeben. Daher geht es primär um das Thema Sensibilisierung. Es war mir daher auch wichtig, dass beim Arbeitsgespräch mit Landesrat Toni Mattle die Tirol Werbung als große Auftraggeberin im Land dabei war. In der Folge geht es natürlich auch um die vielen Tourismusverbände im Land. Und selbstverständlich um die öffentliche Hand, die in dieser Hinsicht ein Vorbild sein muss.

Gibt es auch hier Aufholbedarf?

Ja, durchaus. Das beginnt schon beim Blick ins Impressum. An sich ist es verpflichtend anzugeben, wo ein bestimmtes Druckprodukt hergestellt wird. In vielen Gemeindezeitungen fehlt dieser Nachweis aber einfach. Es wird oft zu wenig beachtet, dass es in der Region kompetente Druckereien, Fotografen und Werbeagenturen gibt, die Aufträge professionell erfüllen können. Speziell bei der öffentlichen Hand gilt: Wo Tirol draufsteht, muss auch Tirol drinnen sein. Öffentliche Stellen als Auftraggeber haben die moralische Verpflichtung, zu berücksichtigen, dass möglichst heimische Betriebe zum Zug kommen, Stichwort Best- statt Billigbieter.

Dietmar Hernegger, Obmann Sparte Information und Consulting
Dietmar Hernegger

Können sich Auftraggeber sicher sein, dass Auftragnehmer ihrerseits nicht Leistungen auswärts zukaufen?

Ja, das können sie. Deswegen hat beispielsweise die Fachgruppe Druck der WK Tirol das Gütesiegel „Druck Wert Tirol“ ins Leben gerufen. Dieses spezielle Herkunftssiegel ist ausschließlich Druckerei-Betrieben vorbehalten, die Drucksorten tatsächlich am Standort Tirol produzieren und damit dafür sorgen, dass Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Kaufkraft in unserem Land bleiben. Damit geben sie potenziellen Kunden das klare Signal: Was Sie bei uns bestellen, ist „Made in Tyrol“. Auch die Onlineplattform yetifinder.at geht in diese Richtung und ermöglicht den Tiroler Berufsfotografen, sich qualitativ hochwertig zu präsentieren. Das erleichtert Interessenten, passende Spezialisten für ihr Fotoprojekt zu finden.

Sind die heimischen Druckereien überhaupt in der Lage, alle Aufträge abzuarbeiten?

Alles nicht, aber sehr viel. Als Vertreter der Druckereien geht es uns vor allem darum, nachzufragen, ob regionale Betriebe zur Produktion eines bestimmten Auftrags in der Lage sind. Die Antwort wird sehr oft ein Ja sein. Und in diesem Fall ist klar, dass die heimischen Druckereien absolut konkurrenzfähig sind, sowohl was den Preis, als auch was die Qualität angeht.

Größere Aufträge müssen verpflichtend ausgeschrieben werden. Wie soll damit umgegangen werden?

Natürlich müssen größere Aufträge rechtskonform vergeben werden. Es gibt jedoch einen bestimmten Spielraum innerhalb des Vergabegesetzes, den es zu nutzen gilt. Das Vergabe-Handbuch der WK unterstützt Gemeinden und andere öffentliche Auftraggeber, die legalen Möglichkeiten bei Auftragsvergaben auszuschöpfen. Unsere WK-Rechtsexperten stehen dafür auch beratend zur Verfügung.

Orten Sie für das Bekenntnis zum regionalen Einkauf eine Tendenz in eine bestimmte Richtung?

Gerade die Ukraine–Krise hat uns bewusst gemacht, wie wichtig regionale Wirtschaftskreisläufe sind. Nur wenn Aufträge in der eigenen Region bleiben, können hier bei uns im Land Arbeitsplätze geschaffen und Steuerleistungen erbracht werden. Und natürlich geht es auch darum, sinnlose Transportwege zu vermeiden. All das stützt die regionale Nachfrage und bietet Chancen für Tiroler Betriebe. Dazu kommt noch der Trend zur Individualisierung und zu hochqualitativem Handwerk.

Wie wirkt sich dieser Trend bei den Druckereien aus?

Es ist mittlerweile eine interessante Situation eingetreten: Jeder Betrieb, jeder Private wird von Mails, Pop-ups und anderen digitalen Kanälen geradezu überschwemmt. Diese Reizüberflutung führt dazu, dass die meisten digitalen Angebote einfach weggeklickt werden und damit völlig wirkungslos sind. Ganz anders ist es, wenn jemand etwas Hochwertiges direkt in die Hand bekommt. Es gibt einen klaren Trend zum Haptischen, zum Analogen, zum Persönlichen. Ein liebevoll und professionell gestaltetes Druckwerk kann ähnliche Aufmerksamkeit erzeugen wie ein handgeschriebener Brief oder eine persönliche Grußkarte.

Landesrat Anton Mattle, die Chefin der Tirol Werbung Karin Seiler, IC-Spartengeschäftsführer Reinhard Helweg und IC-Spartenobmann Dietmar Hernegger (v.l.).
Im Arbeitsgespräch der WK mit dem Land und der Tirol Werbung ging es darum, das Bewusstsein für die regionale Vergabe von Aufträgen zu schärfen. Das Bekenntnis „Ja zu Tirol“ lässt sich mit dem entsprechenden Willen in der Praxis oft umsetzen. Im Bild v.l.: Landesrat Anton Mattle, die Chefin der Tirol Werbung Karin Seiler, IC-Spartengeschäftsführer Reinhard Helweg und IC-Spartenobmann Dietmar Hernegger.
© Land Tirol

Ist die Digitalisierung für die heimischen Druckereibetriebe ein großes Thema?

Ja, sie sind von der Digitalisierung stark betroffen. Allerdings sehe ich mehr Segen als Fluch darin. Die zuvor angesprochenen hochqualitativen und exklusiven kleinen Auflagen lassen sich mit tragbaren Kosten nur über digitale Verarbeitungswege erzeugen. Diese Möglichkeit wird von den heimischen Druckereien intensiv genutzt.

Wie sind die Lage und der Ausblick für die Tiroler Betriebe?

In der Individualisierung liegt eine große Zukunfts-chance für unsere heimischen Druckereien. Das Herkunftssiegel „Druck Wert Tirol“ soll diesen Trend verstärken und dafür sorgen, dass einerseits die Kunden hochqualitative Produkte erhalten, andererseits die Wertschöpfung hier bei uns im Land bleibt. Das gilt auch für die Fotografen und Werbeagenturen sowie die anderen in unserer Sparte Information und Consulting vertretenen Branchen. Die heimischen Betriebe kennen die regionalen Erfordernisse und erbringen maßgeschneiderte Leistungen. Sowohl im B2C- als auch im B2B-Bereich haben viele Kundinnen und Kunden genug von gesichtsloser Billigware. Sie schätzen den Mehrwert, den Tiroler Betriebe mit authentischen Produkten und Dienstleistungen bieten können.

Welche Entwicklung erwarten Sie für den Herbst?

Die Prognose hängt ganz von den internationalen Rahmenbedingungen ab. Wenn sich die Preiserhöhungen und Lieferengpässe einpendeln, können die Betriebe endlich wieder „normal“ arbeiten. Das gilt auch für Corona. Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben und dürfen die Wirtschaft nicht mehr mit Vollbremsungen daran hindern, für Stabilität und Wohlstand zu sorgen.

Weitere Infos

Herkunftssiegel für Druckereien:
druckwert.tirol

Onlineplattform für Fotografen:
www.yetifinder.at

Vergabe-Handbuch für Auftraggeber:
ratgeber.wko.at/vergabe

Kontakt:
Sparte Information und Consulting
E ic@wktirol.at
W wko.at/tirol/ic