Symbolbild Pflege
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Pflegeinitiative muss Fahrt aufnehmen

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In Teilbereichen der privaten Altenwohn- und Pflegeheime, Sanatorien und Tageskliniken ist der Pflege-Notstand akut. Die präsentierten Bundes- und Landespakete sollen zur Entschärfung beitragen.

Die Kuriensprecher der Fachgruppe Gesundheitsbetriebe in der Tiroler Wirtschaftskammer appellieren für eine rasche und konsequente Umsetzung der angekündigten Maßnahmen – insbesondere die Etablierung der Pflegelehre oder eine spürbare Liberalisierung bei der Beschäftigung ausländischer Pflegefachkräfte sind unumgänglich.

Die Rekrutierung von Pflegepersonal gestaltet sich zunehmend schwieriger und betrifft auch die privaten Tiroler Gesundheitsbetriebe. „Die Stellenbesetzung in den Spezialbereichen war nie einfach, seit der Pandemie stehen wir aber in allen Bereichen vor großen Herausforderungen. Viele Einrichtungen sind unterbesetzt“, schildert Martin Witting, Kuriensprecher der Sanatorien und Geschäftsführer der Privatklinik Hochrum. In den Tiroler Sanatorien und Tageskliniken ist der Betrieb saisonlastig.

„Derzeit verläuft alles planmäßig. Es müssen keine Behandlungen verschoben oder abgesagt werden“, betont Alois Schranz, Kuriensprecher der Tageskliniken und medalp-Gründer. Die personellen Vorbereitungen für den Winter sind im Gange. Auch in den privaten Tiroler Altenwohn- und Pflegeheimen ist die Lage ernst. „Allein in unseren Einrichtungen könnten fünfzig Pflegeassistenzstellen besetzt werden“, so Hubert Innerebner, Kuriensprecher der Altenwohn- und Pflegeheime und Geschäftsführer der Innsbrucker Sozialen Dienste.

Nachhaltige Etablierung der Pflegelehre

Die Pflege in Tirol wird nun forciert. Das Land Tirol stellte kürzlich das „5-mal Mehr-Pflegepaket“ vor. Es knüpft an das im Mai vom Bund präsentierte Pflegereform-Paket an und basiert auf einer vom Land beauftragten MCI-Studie zur Pflege in Tirol. „Grundsätzlich sind die präsentierten Maßnahmen zu begrüßen und als positiv zu beurteilen“, meint Martin Witting. „Allerdings sind einige Punkte noch nicht im Detail bekannt. Die Vorhaben müssen jetzt konkret ausgearbeitet und zeitnah umgesetzt werden sowie von langfristigem Nutzen für die Pflege sein.“

Die Pflegeausbildung ist den Kuriensprechern ein besonderes Anliegen: „Es ist sehr erfreulich, dass die Pflegelehre ab 2023/24 kommen wird. Es ist dringend notwendig, den Pflegeberuf einer breiten, jungen Bevölkerungsschicht zu öffnen, wie es beispielsweise in der Schweiz schon erfolgreich vorgelebt wird“, führt Witting aus. „Die Einführung der Pflegelehre haben wir bereits vor längerer Zeit gefordert. Pflegeassistentinnen und Pflegeassistenten über den zweiten Bildungsweg zu rekrutieren ist aufgrund der derzeitigen Arbeitsmarktsituation sehr schwierig, die Nachfrage ist zu gering“, so Hubert Innerebner.

Hubert Innerebner (Kuriensprecher der Altenwohn- und Pflegeheime und Geschäftsführer der Innsbrucker Sozialen Dienste), Martin Witting (Kuriensprecher der Sanatorien und Geschäftsführer der Privatklinik Hochrum) und Alois Schranz (Kuriensprecher der Tageskliniken und medalp-Gründer) (v.l.).
Hubert Innerebner (Kuriensprecher der Altenwohn- und Pflegeheime und Geschäftsführer der Innsbrucker Sozialen Dienste), Martin Witting (Kuriensprecher der Sanatorien und Geschäftsführer der Privatklinik Hochrum) und Alois Schranz (Kuriensprecher der Tageskliniken und medalp-Gründer) (v.l.) bei der gemeinsamen Pressekonferenz.
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Abbau bürokratischer Hürden

Eine weitere wichtige Maßnahme zur Entschärfung des Pflege-Notstandes ist laut der Fachgruppe Gesundheitsbetriebe eine spürbare Liberalisierung bei der Beschäftigung ausländischen Pflegepersonals. Das Pflegereform-Paket des Bundes sieht diesbezüglich eine Erleichterung vor. „Hier besteht dringend Handlungsbedarf. Bis 2030 werden österreichweit rund 77.000 Pflegerinnen und Pfleger benötigt. Diese Anzahl können wir nicht aus der eigenen Bevölkerung mobilisieren“, warnt Kuriensprecher Innerebner. Alois Schranz ergänzt: „Es darf nicht an der Nostrifizierung scheitern. Die Bürokratiehürden müssen deutlich abgebaut werden, damit qualifizierte ausländische Pflegekräfte zu uns kommen können und auch respektvoll behandelt werden.“

Facettenreicher, sinnstiftender Beruf

Seit der Pandemie leidet das Image des Pflegeberufes. „Die negativen Schlagzeilen rund um das Thema Pflege häufen sich. Das führt dazu, dass die Vorzüge des Berufes in Vergessenheit geraten“, erläutert Witting, Kuriensprecher der Tiroler Sanatorien. „Pflegeberufe sind breit gefächert. Man kann sich spezialisieren und tolle Karrieren hinlegen. Zahlreiche Pflegerinnen und Pfleger bestätigen, dass sie das direkte und ehrliche Feedback sowie die Wertschätzung ihrer Patientinnen und Patienten motiviert. Wer sich für einen Pflegeberuf entscheidet, wird einer sinnstiftenden, facettenreichen und vor allem krisensicheren Arbeit nachgehen.“ Die Fachgruppe Gesundheitsbetriebe in der Tiroler Wirtschaftskammer möchte die Vorteile sowie die Relevanz des Pflegeberufes wieder in Erinnerung rufen und nachhaltig festigen.

Weitere Informationen zu den privaten Tiroler Gesundheitsbetrieben: www.gesund-in-tirol.at

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