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TRIGOS Tirol 2022: Verantwortungsvolle Dynamik

Lesezeit 6 Minuten
Verkehr und Mobilität sind Schlüsselthemen und damit Schlüsselhebel, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Die Stadtwerke Wörgl unterstützen mit floMOBIL Gemeinden dabei, ihren Bürger:innen ein öffentlich zugängliches eCarsharing anzubieten.
Verkehr und Mobilität sind Schlüsselthemen und damit Schlüsselhebel, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Die Stadtwerke Wörgl unterstützen mit floMOBIL Gemeinden dabei, ihren Bürger:innen ein öffentlich zugängliches eCarsharing anzubieten.
Verkehr und Mobilität sind Schlüsselthemen, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Die Stadtwerke Wörgl unterstützen mit floMOBIL Gemeinden dabei, ein öffentlich zugängliches eCarsharing anzubieten.
© Stadtwerke Wörgl

Die TRIGOS-Sieger wurden gekürt. Drei „andere“ beziehungsweise neue Branchen landeten auf dem Tiroler Podest der Nachhaltigkeit. Das zeigt, in welcher Breite und Tiefe Verantwortung gelebt wird.

So klingt Freude. „#TRIGOS2022 SIEGER!!! Unglaublich aber wahr. Wir haben in der Kategorie Regionale Wertschaffung den renommiertesten Tiroler Nachhaltigkeitspreis gewonnen. Eine große Ehre für uns in diesem hochqualitativen Feld an Nominierten den ersten Platz zu erringen“, ließ Matthias Mayr, der Innovations-Landwirt aus Kematen, seine Facebook-Freundinnen und -Freunde am 10. Juni 2022 wissen.

Tags zuvor waren die TRIGOS-Sieger des Jahres 2022 beim Gala-Abend im Alpenresort Schwarz in Mieming gekürt worden und Matthias Mayr hatte den begehrten Preis im Namen der „Gesellschaft für die Beratung zur mobilen Schlachtung mbH“ entgegen nehmen dürfen. Der Name des Unternehmens eignet sich nur bedingt für knackige Werbung, selbst auf ein T-Shirt gedruckt bedarf er schließlich breiter Schultern. Im Unternehmenszweck der Gesellschaft aber konzentrieren sich derart viele kluge Antworten auf Fragen der an Regionalität und Nachhaltigkeit orientierten Zeit, dass die TRIGOS-Jury ein Loblied darauf anstimmen musste. Ein knackiges.

Das Unternehmen widmet sich der mobilen Geflügelschlachtung – praktisch durch den Bau und Verkauf von Schlachtmobilen und theoretisch durch die Beratung von landwirtschaftlichen Betrieben und Gemeinschaften. Damit wird ein Kreis rund um Tierhaltung, -transport und -schlachtung auf eine Weise geschlossen, bei der das Tierwohl im Mittelpunkt steht und bei der zahlreiche Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) bunt aufleuchten: „Mit Direktvermarktung, fairen Preisen, Transparenz, höherer Wertschöpfung, Kommunikation und Kontakt mit der Bevölkerung wird gelebte Regionalität geschaffen und Fleisch unter größter Sorgfalt produziert. Die mobilen Schlachtmobile ermöglichen die Vermeidung von Tiertransporten, die Steigerung des Tierwohls und die Produktion ehrlicher Lebensmittel. Zudem werden in der Region Arbeitsplätze geschaffen“, heißt es in der Begründung der TRIGOS-Jury, die zudem die „klare Wertehaltung“ des Unternehmens würdigt und die „Schließung in der Wertschöpfungskette“ begrüßt. Zurecht.

Viel Neues mit Potenzial

„2022 hatten wir sehr viele neue Unternehmen dabei. Unter den 35 Einreichungen zum TRIGOS waren kaum Bekannte zu finden. Das war sehr spannend“, berichtet Marlene Hopfgartner, Nachhaltigkeitsexpertin und -beauftragte der WK Tirol aus dem Vorfeld beziehungsweise Umfeld des aktuellen TRIGOS, für dessen Organisation sie in weiten Teilen verantwortlich zeichnet. „Einige neue Unternehmen kamen aus dem Bereich Landwirtschaft-Wirtschaft. Darin steckt viel Potenzial“, so Hopfgartner weiter.

In der TRIGOS-Kategorie „Regionale Wertschaffung“ war neben der Gesellschaft für Beratung zur mobilen Schlachtung mbH schließlich auch das KochKistl nominiert, jene Kochbox also, die auf clevere, nachhaltige und rundum umweltfreundliche Weise mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln kleinstrukturierter Produzent:innen gefüllt wird. Die Strofeld Manufaktur mit ihren echt einzigartigen Tiroler Streaming-Lautsprechern war dritte Nominierte in dieser Kategorie, in der Unternehmen ausgezeichnet werden, die durch ihr verantwortliches, nachhaltiges Wirtschaften dazu beitragen, die jeweilige Region attraktiv und zukunftsfähig zu machen. Der Fokus liegt dabei auf Unternehmen, die bewusst die Wertschöpfung in der Region halten sowie regionale Produkte oder Dienstleistungen fördern, Initiativen zur Entwicklung der Region unterstützen und an einer positiven Gestaltung und Weiterentwicklung der Region mitwirken. Eine schöne Mischung also – ganz im Sinne der TRIGOS-Erfinder.

Verantwortung im Mittelpunkt

Zum 8. Mal hatten Land und Wirtschaftskammer Tirol den Preis für Nachhaltigkeit heuer ausgelobt, bei dem neben der unternehmerischen Verantwortung im Kerngeschäft auch die Wirkung und Zukunftsfähigkeit der Projekte bewertet werden. Dazu meint Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe: „Ich freue mich, dass mit dem TRIGOS Tiroler Betriebe mit sozialer und nachhaltiger Verantwortung in den Mittelpunkt geholt werden. Die Wirtschaft hat enorme Verantwortung für einen sozial verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen und auch den Kräften und Kompetenzen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn unternehmerische Personen in diesem Bereich mehr tun als sie müssten und damit auch als Role-Model die notwendige öko-soziale Transformation der Wirtschaft vorantreiben, ist mir das ein besonderes Anliegen, dies auch zu würdigen.“

Wie der zweifache TRIGOS-Sieger René Föger (Der Stern – Obsteig) im Interview betont, ist der TRIGOS keine Auszeichnung, die sich leicht gewinnen lässt. Fürs Klima nette green washing-Versuche haben dabei keine Chance. Dafür sind die Kriterien viel zu herausfordernd und dafür sind die Jury-Mitglieder viel zu streng. Die TRIGOS-Jury setzt sich aus Vertretern von Caritas, Rotes Kreuz, Umweltdachverband, Global 2000, RespACT, Industriellenvereinigung, Land Tirol und Tiroler Wirtschaftskammer zusammen. Um diese so kundigen wie kritischen Schwergewichte zu überzeugen, muss die zu bewertende Nachhaltigkeit der Projekte durchgängig authentisch sein. Erst das macht die Sieger zu Leuchttürmen. Erst die lebendige Verwurzelung der meist aus zahlreichen Einzelmaßnahmen bestehenden Projekte beziehungsweise Prozesse, macht sie TRIGOS-würdig.

LH-Stv.in Ingrid Felipe
LH-Stv.in Ingrid Felipe

Besondere Vorbildwirkung

Als derart würdig wurde auch das Projekt des Tourismusverbandes Wilder Kaiser bewertet, der in der TRIGOS-Kategorie „Vorbildliche Projekte“ zusammen mit der Adler-Werk Lackfabrik (ADLER green) und den Tirol Kliniken (tirol kliniken goes green) ins Rennen gegangen war.

In dieser Kategorie werden Unternehmen ausgezeichnet, die eine Führungsrolle und besondere Vorbildwirkung für verantwortliches Wirtschaften und Nachhaltigkeit übernehmen und die in besonderer Weise Wirkung in der Gesellschaft entfaltet haben. „Öffentliche Unternehmen haben einen anderen, einen vielleicht leichteren Zugang zu den Themen, doch ist es sehr spannend, wie sie sich damit beschäftigen und sie können zudem eine große Multiplikatorwirkung entfalten“, weiß Marlene Hopfgartner.

Der Siegerin – der TVB Wilder Kaiser – ist mit den Gemeinden Ellmau, Going, Scheffau und Söll fein eingebettet in das prächtig-mächtige Bergmassiv und die unverwechselbaren Grasberge, doch mit dem Bürger:innen-Beteiligungsprozess „Lebensqualität am Wilden Kaiser“ überschreitet der Tourismusverband seine vermeintlichen Grenzen auf höchst positive und vor allem nachhaltige Weise. „Die Jury lobt das starke Involvement der heimischen Bevölkerung sowie die systematische Auseinandersetzung mit den dringlichen Herausforderungen des Kerngeschäfts. Mit diesem Beteiligungsprozess schafft der Tourismusverband einen regelmäßigen und offenen Dialog in der Region, um in weiterer Folge den Standort auf achtsame, zeitgemäße und qualitätsvolle Art und Weise weiterzuentwickeln“, stellt die TRIGOS-Jury zur ganzheitlichen Lebenswelt-Dynamik fest, die der TVB da in Bewegung gesetzt und damit punktgenau jenen Hebel bewegt hat, mit dem Tourismus neu gedacht werden muss. Regional und gemeinsam. Schön.

Innovative Leichtturmanwärter

Preiswürdig in der TRIGOS-Kategorie Klimaschutz waren 2022 höchst innovative Leuchtturmanwärter. Das Projekt der Coveris Flexibles Austria GmbH etwa, die mit ihrer recyclebaren Schrumpffolie komplett wiederverwertbare Verpackungslösungen bieten kann. Oder jenes der Hilber Solar GmbH, die mit Agro Solar eine Photovoltaikinfrastruktur entwickelt hat, mit der landwirtschaftliche Flächen doppelt intelligent und effizient genutzt werden können. Oder eben das eCarsharing-Projekt floMobil der Stadtwerke Wörgl.

Vorbildliche und innovative Maßnahmen und Projekte zur Verringerung der CO2-Emissionen, Beiträge zur Ressourcenschonung, Verminderung von Umweltbeeinträchtigung oder Maßnahmen für klimafreundliche Verhaltensänderung sind es, die in dieser Kategorie vor den Vorhang geholt werden.

Auf dem TRIGOS-Podest landeten die Stadtwerke Wörgl. „Sie haben Bedarf und Potenzial von Carsharing im ländlichen Raum erkannt und unterstützen damit den Ausbau des Angebots in ganz Tirol. Damit ermöglichen sie eine flexible, umweltfreundliche sowie sozialverträgliche Mobilität, vor allem was die Last Mile betrifft“, unterstrichen die Jury-Mitglieder ihre Wahl und betonten dabei auch den Netzwerkgedanken, der dem Projekt inne wohnt.

Dass das Tiroler Nachhaltigkeits-Netzwerk groß und immer größer gespannt wird, ist ein Effekt des TRIGOS, dessen Bedeutung mit den Jahren und Herausforderungen gewachsen ist. Marlene Hopfgartner hat durch ihr Engagement nicht unwesentlich dazu beigetragen und es sind echte „good news“, wenn sie sagt: „Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern ein gesellschaftlicher Umbruch.“ So klingt Zukunft.

Weitere Informationen: www.trigos.at/tirol

Freuten sich über den Sieg beim TRIGOS Tirol 2022: Lukas Krösslhuber (TVB Wilder Kaiser), Gerhard Dummeldinger (Stadwerke Wörgl) und Matthias Mayr (Gesellschaft für die Beratung zur mobilen Schlachtung mbH).
Freuten sich über den Sieg beim TRIGOS Tirol 2022: Lukas Krösslhuber (TVB Wilder Kaiser), Gerhard Dummeldinger (Stadwerke Wörgl) und Matthias Mayr (Gesellschaft für die Beratung zur mobilen Schlachtung mbH).
© WK Tirol/Die Fotografen