Symbolbild: erneuerbare Energien - im Bild: Speicher Finstertal im Kühtai.
Symbolbild: erneuerbare Energien - im Bild: Speicher Finstertal im Kühtai.
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Naturschutz und Ausbau erneuerbarer Energien

Der Landesversorger TIWAG trägt mit dem Ausbau der Wasserkraft maßgeblich zum Ausstieg aus fossilen Energiequellen bei. Die Speicherseen sind auch als Ausflugsziele beliebt. Im Bild: Speicher Finstertal im Kühtai.
Der Landesversorger TIWAG trägt mit dem Ausbau der Wasserkraft maßgeblich zum Ausstieg aus fossilen Energiequellen bei. Die Speicherseen sind auch als Ausflugsziele beliebt.
© TIWAG/Christa Jenewein

WK-Vizepräsident Manfred Pletzer erklärt, womit wir einen Schub beim Ausbau erneuerbarer Energien erreichen und warum wir uns von globalen Lieferketten verabschieden müssen.

Tiroler Wirtschaft: Das Kohlekraftwerk Mellach wird reaktiviert. Was sagt das aus?

Manfred Pletzer: Das ist eine harte Entscheidung, aber immer noch besser, als Energieausfälle zu riskieren. Zugleich ist es natürlich ein Armutszeugnis, dass ausgerechnet eine grüne Ministerin diesen Schritt gehen muss. Österreich hat beim Ausbau alternativer Energien in den letzten Jahren vieles versäumt.

In genau diese Richtung geht die Reaktion zahlreicher Umweltverbände …

Am schleppenden Ausbau nachhaltiger Energien trägt allerdings nicht nur die Politik mit überzogenen Verfahren Verantwortung, sondern auch die Umweltverbände selbst, die zahlreiche Projekte blockiert haben. Die Natur lässt sich am besten schützen, indem wir nachhaltige Energiequellen so schonend wie möglich ausbauen. Alles andere ist purer Populismus.

Wie ist der Rückhalt seitens der Bevölkerung in Bezug auf den Ausbau nachhaltiger Energiequellen in Tirol?

Die Ergebnisse der aktuellen Konsumentenbefragung der WK Tirol zeigen hier ein eindeutiges Bild: Dem Ausbau heimischer Ressourcen stimmen 86 % der Tirolerinnen und Tiroler zu. Daraus folgt für 72 % der Befragten der logische Schritt, dass Tirol auf Wasserkraft setzen soll, 60 % sind für den Ausbau von Photovoltaik-Parks. Wir brauchen einen intelligenten Mix, aber eines ist klar: Die einzige und effizienteste Möglichkeit, über den Winter zu kommen, liegt im Bau von Pumpspeicherkraftwerken.

Wie groß ist das Potenzial für den Ausbau der Wasserkraft in Tirol?

Derzeit sind 5.800 GWh (Gigawattstunden) ausgebaut, davon 2.800 seitens der TIWAG. Tirol hat von allen Bundesländern mit Abstand die größten Kapazitäten für weitere Wasserkraftwerke. Das realistisch und nachhaltig umsetzbare Potenzial liegt bei weiteren 5.300 GWh. Wenn wir die im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz gesetzte Marke annähernd erreichen wollen, müssen wir in den nächsten Jahren aufs Gas drücken. Wir können in Tirol zusätzliche 1.900 GWh bis 2035 erreichen – wenn alles optimal läuft. Das setzt sich vorwiegend so zusammen: Bis 2030 sollten das GKI, der Ausbau im Kühtai und Imst-Haiming umgesetzt sein, das sind zusammen 1.100 GWh. Weitere 800 GWh sind mit dem Kraftwerk Kaunertal bis Mitte 2035 machbar.

Welche Rolle spielt die Länge der Verfahren dabei?

Eine zentrale. Das Kraftwerk Kaunertal ist in 12 Jahren realistisch, aber nur, wenn die Behördenverfahren nicht wie bisher mehr als 10, sondern weniger als 5 Jahre dauern.

WK-Vizepräsident Manfred Pletzer
WK-Vizepräsident Manfred Pletzer

Wie groß ist das Potenzial im Bereich Photovoltaik? Und welche Rolle spielt die Windkraft in Tirol?

Wir brauchen einen Masterplan zum Ausbau der Photovoltaik. Die TIWAG engagiert sich hier intensiv und wird bis 2030 100 GWh ausbauen. Ich hoffe, dass viele diesem Beispiel folgen. Windkraft spielt bei uns aufgrund der sensiblen hochalpinen Topographie eine untergeordnete Rolle, macht aber in einem bestimmten Ausmaß durchaus Sinn. Ein vernünftiger Zeithorizont wird hier nur erreichbar sein, wenn für Windräder keine UVP-Prüfungen mehr notwendig sind. Das erwarte ich mir dann allerdings umgekehrt auch bei den Seilbahnen.

Die Wirtschaft fordert mit Nachdruck einen Energie–Masterplan und einen Gas–Notfallplan. Warum sind diese Instrumente so wichtig?

Wir werden auch in den nächsten 10 bis 15 Jahren noch vom Gas abhängig sein, mit abnehmender Tendenz. Es geht schlicht und einfach um Planungssicherheit. Die Betriebe müssen sich auf mögliche Entwicklungen einstellen können.

Wie bewerten Sie das Lieferkettengesetz?

In der jetzigen angespannten Situation als überflüssigen bürokratischen Aufwand, speziell für KMU.

Welche Rolle spielt Risikomanagement bei Lieferketten in Zukunft?

Eine entscheidende. Während in den letzten Jahren möglichst viele Bereiche ausgelagert wurden, hat sich das Blatt gewendet. Jetzt braucht es Insourcing statt Outsourcing. Unternehmen müssen ihre Zulieferungen so regional wie möglich in Europa beziehen, im besten Fall im nahen Umkreis. Und sie müssen auch die eigene Produktionstiefe wieder erhöhen und so viel wie möglich selbst machen. Zuverlässigkeit ist inzwischen wesentlich wichtiger geworden als der Preis.

Sie betreiben in der Pletzer-Gruppe auch Hotels. Wo sehen Sie Potenziale für die künftige Entwicklung des Tourismus?

Um die Nachfrage ist mir nicht bange. Wir müssen aber zusehen, dass wir unser hochqualitatives Angebot aufrechterhalten können. Der zentrale Faktor ist der eklatante Mangel an Arbeitskräften. Hier müssen wir Touristiker an mehreren Schrauben drehen, um die Effizienz zu erhöhen. Zum einen mit Höherqualifizierung, um die Flexibilität zu steigern. Zum anderen mit der Verbesserung der Effizienz in der Dienstleistungserbringung. Das Hauptthema ist hier die professionelle Planung und Steuerung des Personaleinsatzes. Das lässt sich mit Digitalisierung und Daten-management erreichen.

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