WK-Präsident Christoph Walser
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Kommentar

Fahren auf Sicht

WK-Präsident Christoph Walser
© WK Tirol/Frischauf

„Wir brauchen einen neuen Schub beim Ausbau der Wasserkraft in Tirol“, appelliert WK-Präsident Christoph Walser an alle Tirolerinnen und Tiroler.

Das derzeitige Stimmungsbild in der Tiroler Wirtschaft ist durchwachsen. Der Sommer läuft eigentlich gut, speziell in dem für Tirol so wichtigen Tourismus passt die Buchungslage. Doch der Blick nach vorn sorgt für Unbehagen. Wie es im Herbst mit der Pandemie, mit der Energieversorgung und den Lieferschwierigkeiten weitergehen wird, steht in den Sternen. Jetzt so zu tun, als ob man im Nebel gar nichts sehen würde, stimmt aber auch wieder nicht. Manche Hindernisse ragen gut sichtbar aus dem Nebelmeer und lassen sich umfahren – wenn man nur die Augen aufmacht.

Dazu gehört in allererster Linie das Thema Energie. Die Politik muss einen Energie-Masterplan liefern, damit aus einer Versorgungslücke nicht ein Versorgungskrater wird, wie es WKO-Präsident Harald Mahrer formuliert hat. Dazu gehört auch ein Gas-Notfallplan, der auf den Standort Rücksicht nimmt und die Betriebe am Laufen hält. Darüber hinaus braucht es eine Bauoffensive bei nachhaltigen Energiequellen.

Es sind jetzt ausgerechnet die Umweltverbände, die zwar die Reaktivierung des Kohlekraftwerks Mellach kritisieren, aber gleichzeitig beklagen, dass der Ausbau alternativer Energien verschlafen worden ist. Was sie nicht dazu sagen, ist die Tatsache, dass sie maßgeblich über Jahre dazu beigetragen haben, jedes einzelne Wasserkraftwerk und jedes einzelne Windrad zu blockieren. Genau deswegen haben wir jetzt einen riesigen Nachholbedarf. Da wird es höchste Zeit, eine sachliche Abwägung vorzunehmen und gerade in Tirol dem Ausbau der Wasserkraft einen neuen Schub zu geben.

Ebenfalls gut sichtbar sind die Untiefen beim Fachkräftemangel. Über die Arbeitsmarktreform ist nun lange genug diskutiert worden, jetzt brennt der Hut. Die Politik muss endlich die vorhandenen Potenziale heben. In global unsicheren Zeiten zeigt sich auch, dass die wahre Stärke in regionalen Wirtschaftskreisläufen liegt. Auch hier muss die Politik ihren Teil beitragen, etwa indem sie Ortskerne belebt, Vorsorgeflächen für betriebliche Erweiterungen ausweist und Ausschreibungen möglichst so vornimmt, das heimische Betriebe zum Zug kommen.

Was ebenfalls bereits in Sicht ist: die Landtagswahlen. Die Wirtschaftskammer ist gerade dabei, die wichtigsten Forderungen für den Standort Tirol auszuarbeiten und den Entscheidungsträgern auf den Tisch zu legen. Sie sind gut beraten, darauf zu hören, wenn die Tiroler Firmen auch in Zukunft für Arbeitsplätze und Wohlstand sorgen sollen.

Die mangelnde Sicht ist also nicht in allen Bereichen gegeben und darf nicht als Ausrede dafür dienen, wichtige Weichenstellungen zu verschieben. Fahren wir dort vorsichtig, wo keine ausreichenden Sichtverhältnisse vorliegen, aber geben wir dort Gas, wo die Strecke frei ist!

E christoph.walser@wktirol.at

Mehr zum Thema: Interview mit WK-Vizepräsident Manfred Pletzer – Naturschutz und Ausbau erneuerbarer Energien