Wirtschaftsparlament: Fiskalrats-Präsident Christoph Badelt sorgte zu Beginn des Wirtschaftsparlaments für eine fundierte Analyse der aktuellen Lage und diskutierte mit den Delegierten mögliche Lösungsansätze.
Wirtschaftsparlament: Fiskalrats-Präsident Christoph Badelt sorgte zu Beginn des Wirtschaftsparlaments für eine fundierte Analyse der aktuellen Lage und diskutierte mit den Delegierten mögliche Lösungsansätze.
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„Mehr Platz für Unternehmertum“

Fiskalrats-Präsident Christoph Badelt sorgte zu Beginn des Wirtschaftsparlaments für eine fundierte Analyse der aktuellen Lage und diskutierte mit den Delegierten mögliche Lösungsansätze.
© WK Tirol/Die Fotografen

Neue Herausforderungen lassen sich nur mit neuen Lösungen beantworten. Die Wirtschaftskammer behandelte beim Wirtschaftsparlament die zentralen Themen der heimischen Betriebe.

Das Wirtschaftsparlament der WK Tirol befasste sich letzte Woche mit den aktuellen Herausforderungen für die heimischen Betriebe und möglichen Lösungswegen. Christoph Badelt, der Präsident des Fiskalrats Austria und ehemaliger WIFO-Chef, sorgte zu Beginn der Vollversammlung für eine fundierte Einschätzung der derzeitigen von Unsicherheit gekennzeichneten Wirtschaftslage. Badelt erklärte, dass bei der Inflation zwar „die Situation der Konsumenten thematisiert wird, aber die Lage der Unternehmen noch viel zu wenig im Fokus der Politik steht“.

Erfreulich ist für Badelt der schnelle Rückgang der Arbeitslosigkeit, die aber volkswirtschaftlich immer noch auf einem zu hohen Niveau sei. In Tirol liegt diese derzeit vergleichsweise niedrig bei 3,7 bis 4,1 %. „Das Ziel muss eine Arbeitslosenquote rund um zwei Prozent sein“, so Badelt. Der Grund für die rasche Erholung liegt für den Fiskalrats-Präsidenten in der Stärke des Standorts: „Die österreichische Wirtschaft ist in hohem Maße krisenresistent. Besonders die Unternehmerpersönlichkeiten im Land haben das Potenzial, auch in schwierigen Situationen Lösungen zu finden.“

An sämtlichen Stellschrauben drehen

Genau diesen Lösungsmöglichkeiten widmete sich in der Folge das Wirtschaftsparlament. Die größten Herausforderungen für die Betriebe liegen derzeit im Fachkräftemangel sowie in steigenden Preisen, vor allem bei Energie. Für Präsident Christoph Walser gibt es auf den akuten Mangel an Mitarbeitern in allen Branchen nicht eine, sondern viele Antworten: „Wir müssen an sämtlichen Stellschrauben drehen, um die Situation zu entschärfen“, so der WK-Präsident.

Es brauche eine Kombination sämtlicher Maßnahmen – von der verstärkten Einbindung von Frauen in den Arbeitsprozess über attraktivere Rahmenbedingungen für Senioren-Mitarbeiter bis hin zu einer Qualifikationsoffensive auf allen Ebenen. Walser erneuerte in diesem Zusammenhang seine Forderung, einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung einzuführen. „Das kann durchaus mit einer Übergangsphase von beispielsweise drei oder fünf Jahren geschehen. Aber so ist das Ziel klar definiert und die nötigen Umsetzungsschritte werden in die Wege geleitet.“ Forderungen nach einer Arbeitszeitverkürzung erteilte er eine klare Absage: „Wer gerade jetzt, wo den Betrieben vorne und hinten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fehlen, kürzere Arbeitszeiten einfordert, geht völlig an der Realität vorbei.“

WK-Vizepräsident Manfred Pletzer
WK-Vizepräsident Manfred Pletzer

Auftrag an die Politik

Im Bereich Energie verwies der Präsident auf die Ergebnisse der aktuellen WK-Konsumentenbefragung: Dem Ausbau heimischer Ressourcen stimmen 86 % der Tirolerinnen und Tiroler zu. Daraus folgt für 72 % der Befragten der logische Schritt, dass Tirol auf Wasserkraft setzen soll, 60 % sind für den Ausbau von Photovoltaik-Parks. „Das ist ein eindeutiger Auftrag an die Politik, den Ausbau von Wasserkraftwerken und Photovoltaik-Anlagen zu forcieren“, unterstrich Vizepräsident Manfred Pletzer und forderte die Politik zu mehr Tempo auf. Dazu sei es unbedingt nötig, die jahrelangen Genehmigungsverfahren auf ein vertretbares Niveau zu bringen, so Pletzer.

Auch die Redebeiträge und Anträge dieses Wirtschaftsparlaments drehten sich um die aktuellen Herausforderungen für die Betriebe (siehe Fact Box). Anlässlich der Landtagswahl wird die WK Tirol einen Forderungskatalog zu den zentralen Anforderungen der Wirtschaft an das Land erstellen. Für Präsident Christoph Walser liegt der Schlüssel zur Bewältigung der Zukunftsfragen darin, auf die Lösungskompetenz der Betriebe und ihrer Mitarbeiter:innen zu zählen: „Wir brauchen am Standort Tirol Platz für Unternehmertum. Im wörtlichen Sinn sind damit gewerbliche Vorsorgeflächen und belebte Ortskerne gemeint. Darüber hinaus geht es um Platz für eine moderne Entwicklung. Unser Standort muss ein Innovations- und Kreativitätsstandort werden. Denn: ,Business as usual’ geht nicht mehr, weil es ,as usual’ nicht mehr gibt“, betonte Walser. Diese ständige Suche nach neuen Wegen brauche es auch in der Politik. „Nur so können wir den neuen Anforderungen gerecht werden und die richtigen Antworten finden“, so Christoph Walser.

Arbeiten für die Tiroler Wirtschaft

Im halbjährlich tagenden Wirtschaftsparlament sind Delegierte sämtlicher wahlwerbenden Gruppen vertreten. Einen fixen Bestandteil bilden die Anträge der verschiedenen Fraktionen, die zur Abstimmung gebracht werden. Diesmal war die Debatte geprägt von den massiven Problemstellungen für die heimischen Betriebe, allen voran die schwierige Lage am Arbeitsmarkt und der Umgang mit den Preisexplosionen bei Energie und Vorprodukten.

Folgende Anträge wurden beschlossen:

– Antworten auf den Arbeitskräftemangel (Wirtschaftsbund)

– Strategische Energieversorgung – nachhaltig, aber mit Hausverstand (Wirtschaftsbund)

– Wettbewerbsfähigkeit sichern (Wirtschaftsbund)

– Erneuerbare Energiegemeinschaften in Tirol voranbringen (Grüne Wirtschaft)

– Dekarbonisierungs-strategie der WKO (Grüne Wirtschaft)

– Lieferkettengesetz (Antrag der Freiheitlichen Wirtschaft, mit Abänderungsantrag WB beschlossen)

– Betriebe entlasten – Arbeit schaffen – Wohlstand sichern (Freiheitliche Wirtschaft)

– Wirtschaftsparlament transparenter gestalten (Freiheitliche Wirtschaft)