Ausbildung mit Teilqualifizierung: Gemeinsam mit der Arbeitsassistenz „arbas“ hat Maria an ihren Stärken und Fähigkeiten gearbeitet.
Ausbildung mit Teilqualifizierung: Gemeinsam mit der Arbeitsassistenz „arbas“ hat Maria an ihren Stärken und Fähigkeiten gearbeitet.
Perspektiven

Ausbildung mit Teilqualifizierung – eine Chance für alle

Kämpferin. Gemeinsam mit der Arbeitsassistenz „arbas“ hat Maria an ihren Stärken und Fähigkeiten gearbeitet.
© WK Tirol

Ausbildungen mit Teilqualifizierung und Lehrverträge mit verlängerter Lehrzeit ermöglichen Jugendlichen mit Benachteiligungen eine duale Ausbildung. Maria Zangerl lebt heute ihren Traumberuf.

Seit vielen Jahren ist die Teilqualifizierung fixer Bestandteil des Bildungssystems, es wissen allerdings noch wenige Betriebe davon. Um Jugendlichen, die es aus unterschiedlichen Gründen schwer haben, eine reguläre Lehre zu absolvieren, wurde diese entsprechenden Berufsausbildung – die Teilqualifizierung – entwickelt. „Dieser Ausbildung liegt eine individuelle Ausbildungsplanung zu Grunde. Gemeinsam mit dem Jugendlichen, der Familie und dem Lehrbetrieb wird das Berufsbild des Lehrberufs auf jene Bereiche angepasst, die den Potenzialen des Jugendlichen entsprechen. Hier werden bestimmte Teile des Lehrberufes erlernt. Die Ausbildungsziele werden vorher genau festgelegt“, und im Laufe der Ausbildung immer wieder individuell ergänzt, erklärt Sabine Ordonez-Mendoza von der arbas Arbeitsassistenz Tirol.

Harter Start

Sie begleitete Maria Zangerl während ihrer Lehrzeit. Maria, die in Perfuchsberg im Bezirk Landeck aufgewachsen ist, hatte keinen leichten Start ins Berufsleben. Schon in der Volksschule stand Mobbing an der Tagesordnung. „Die Schule war für mich bis zum Schulabschluss ein jahrelanger Horror. Ich hatte damals schon Angst, dass ich nie einen Beruf finden werde, mich nicht selbst versorgen kann und ein Problemfall werde. Sorgen, mit denen sich eine 14-Jährige eigentlich nicht rumschlagen soll“, erzählt Maria aus ihrer Jugend.

Marias Potenzial und auch ihre Bedürfnisse wurden bis ins junge Erwachsenenalter missachtet und schlichtweg nicht gesehen, geschweige denn gefördert. So entwickelte sie bereits in frühen Jahren eine große Schulangst. Erst im Berufsvorbereitungsjahr im SPZ Zams hat Maria durch das damalige Clearing der arbas Tirol eine Chance bekommen, an ihren Stärken und Fähigkeiten zu arbeiten. „Nach einem einjährigen Praktikum konnte Maria eine Lehre mit Teilqualifizierung im Geschäft „Kim eini“ der Lebenshilfe Landeck im Einzelhandel starten. „Ich konnte endlich ankommen, mich einarbeiten und wohlfühlen. Das war wie Familie für mich, wo ich endlich meine sozialen Kompetenzen zeigen konnte. Keine Angst mehr zu haben, was der nächste Tag bringen wird, war eine große Erleichterung“, so Maria.

Chancen ergreifen

Je nach den individuellen Möglichkeiten der Jugendlichen beträgt die Ausbildungszeit ein bis drei Jahre. Am Ende der Ausbildung wird über die erlernten Teile des Berufes eine Abschluss-prüfung abgelegt. In der Berufsausbildungsassistenz wurde gezielt daran gearbeitet, Maria bestmöglich auf den Berufsschulstart vorzubereiten. „Das erste Berufsschuljahr, welches als zweimonatiger Blockunterricht gehalten wurde, war eine große Hürde für mich. Aber ich habe es geschafft. Ab dem zweiten Lehrjahr war dann einmal wöchentlich Unterricht, das war für mich viel leichter zu organisieren und mich darauf vorzubereiten“, erzählt die 31-Jährige.

Die arbas Berufsausbildungsassistenz, die Lehrpersonen der Berufsschule und die damalige Geschäftsleiterin haben sehr schnell das umfassende Potenzial und ihr Können erkannt und so war es möglich, dass die leidenschaftliche Kletterin im zweiten Lehrjahr auf eine verlängerte Lehrzeit umsteigen konnte, die sie schließlich mit einer erfolgreichen Lehrabschlussprüfung beendete. „Hier hat mich mein heutiger Mann sehr unterstützt. Er hat täglich mit mir gelernt und gemeinsam haben wir es geschafft. Wäre ich nicht so nervös gewesen, wäre es ein ausgezeichneter Erfolg geworden. Das macht mich sehr stolz.“

Der soziale Bereich war für Maria immer ein berufliches Ziel, das sie verfolgte. Schließlich gelang es ihr über die Vermittlung der Arbeitsassistenz bei der „Selbstbestimmt Leben Initiative“ mitarbeiten zu dürfen. Dort unterstützte Maria Menschen mit Beeinträchtigungen bei ihren alltäglichen Erledigungen. So absolvierte Maria zusätzlich noch eine Ausbildung zur Heimhilfe und wurde schließlich im Jahr 2017 beim Oberländer Sozialsprengel angestellt. „Da ging für mich ein Traum in Erfüllung. Ich hatte es endlich geschafft!“.

Beruflich wie privat angekommen

2019 hat Maria geheiratet und wurde Mama der heute dreijährigen Maya. Die arbas Arbeitsassistenz Tirol hat einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass Maria die Chance auf eine Lehre mit Teilqualifizierung bekommen hat. „Danach war alles auf Schiene und mein Leben hat sich in die richtigen Bahnen eingeordnet.“ Seit Kurzem ist Maria im Gebiet „Oberes Gericht“ unterwegs. Maria unterstützt ältere Menschen im Haushalt, leistet ihnen Gesellschaft, hält Ordnung und geht einkaufen. „Mein Beruf ist so vielseitig und das liebe ich. Jeder Tag ist anders und ich habe es geschafft, über meine Grenzen hinauszuwachsen. Ich bin beruflich wie privat im Leben angekommen.“

Weitere Informationen: arbas – Arbeitsassistenz Tirol

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