Bei internationalen Geschäften locken riesige Chancen, aber auch einige Gefahren: Seriöse Information darüber gibt es beim Tiroler Exporttag am 5. Juli in Innsbruck.
Bei internationalen Geschäften locken riesige Chancen, aber auch einige Gefahren: Seriöse Information darüber gibt es beim Tiroler Exporttag am 5. Juli in Innsbruck.
Panorama

Tiroler Exporttag mit spannenden Themen

Bei internationalen Geschäften locken riesige Chancen, aber auch einige Gefahren: Seriöse Information darüber gibt es beim Tiroler Exporttag am 5. Juli in Innsbruck.
© WK Tirol

Bereits zum 16. Mal ist „die Welt zu Gast in Tirol“: Beim Tiroler Exporttag am 5. Juli in der Wirtschaftskammer in Innsbruck, der größten Export-Informationsveranstaltung des Landes.

Insgesamt 28 österreichische Wirtschaftsdelegierte stehen für individuelle Beratungsgespräche zur Verfügung, dazu gibt es vier Info-Sessions und acht Kurzpräsentationen österreichischer Exportdienstleister. „Klären Sie Ihre Geschäfts-, Export-/Import- und Kooperationsmöglichkeiten in den jeweiligen Ländern ab, informieren Sie sich über aktuelle Trends in den Info-Sessions und nutzen Sie das Beratungsangebot der österreichischen Exportdienstleister“, rät Gregor Leitner, Leiter der Abteilung Außenwirtschaft in der Tiroler Wirtschaftskammer.

Volker Ammann, Wirtschaftsdelegierter im AußenwirtschaftsCenter Los Angeles, wird eine Info-Session zum US-Markt leiten. Er wird von den Fallstricken im US-Geschäft berichten, aber noch mehr von den riesigen Chancen, die sich für Tiroler Unternehmer in den USA auftun: Neben Deutschland und Italien sind die USA der wichtigste Exportmarkt für Österreich, und gar nicht wenige Tiroler Firmen sind bereits in den USA präsent. Was das Land derzeit so besonders attraktiv macht, sind die milliardenschweren staatlichen Investitionspakete für den Ausbau der US-Infrastruktur und für den Umweltschutz. Die USA bauen heuer 65.000 Autobahnmeilen aus, sanieren 1.500 Brücken. Das sei eine riesige Chance für österreichische Zulieferer, sagt Ammann.

Potenzial bis zum Umfallen

Das Gleiche gilt für den Bereich Umweltschutz und erneuerbare Energien, wo die USA jetzt massiv aufholen wollen und gewaltig investieren, auch in Stromleitungen, Transformatoren, Steuerungstechnik, Wasserstoff-Technologie, Elektrofahrzeuge: „Das sind Bereiche, in denen Österreich stark ist“, sagt Ammann. Auch Maschinenbauer oder Automotive-Anbieter können sich hier einen Teil des Kuchens sichern.

Chancen eröffnen sich auch dadurch, dass die USA die Chip-Produktion im eigenen Land wieder aufbauen wollen. Auch hier können sich österreichische Zulieferer einklinken: „Es gibt Potenzial bis zum Umfallen“, sagt Ammann. Zwar plagen die USA, ähnlich wie Europa, Probleme wie Inflation und Facharbeitermangel und der Markt ist für Österreicher ein Fernmarkt, den man nicht einfach von Österreich aus locker erschließen kann. Zudem sollte man nicht glauben, dass das, was in Österreich üblich ist, auch in den USA gilt. Aber die Investitionsstimmung in den USA sei positiv und optimistisch, berichtet Ammann. Ein Thema, das alle Tiroler Unternehmen betreffen kann, spricht beim Exporttag Fred Maro (FM-nospy) an: Wirtschaftsspionage – eine unterschätzte Gefahr, die in einer Zeit des härter werdenden Konkurrenzkampfs größer wird.

Volker Ammann, Wirtschaftsdelegierter im AußenwirtschaftsCenter Los Angeles

Unterschätzte Gefahr Spionage

„Grundsätzlich unterscheidet sich Tirol dabei nicht von Österreich und Österreich nicht von der Welt“, sagt Maro. Die Hauptursache für Fehler liegt an einer falschen Einschätzung: In den Köpfen von Führungskräften sei das Thema „Betriebsspionage“ zwar präsent, werde aber unter dem Gesichtspunkt betrachtet: „Bei uns gibt es ohnehin nichts zu stehlen – wir machen ja nur Dosendeckel“ etc. Maro: „Aber es gibt immer etwas Interessantes zu stehlen, und wenn es nur Werkverträge sind.“

Der zweite Fehler ist zu glauben, dass Spionage ausschließlich über die IT geht und sich auf die Sicherheit seiner IT zu verlassen. In Wahrheit ist der normale Hacker gar nicht das entscheidende Problem. Der Hacker will normalerweise nur Daten abgreifen, die er dann gewinnbringend weiterverkauft. „Bei der Spionage geht es aber um ganz gezielte Informationen: Um Vorstandsprotokolle, Verträge, Protoypen, Musterzeichnungen, um Produktionskniffe“, sagt Maro. Der pauschale Angriff auf die IT macht selten Sinn für einen Wirtschaftsspion, weil dies das Unternehmen rasch merkt und sich absichern würde.

Tricks abseits der IT-Firewall

Viel gefährlicher sind Tricks abseits der IT-Firewall: Da ruft einer an und behauptet, die Urlaubsvertretung bei einem Kunden oder Lieferanten zu sein und lässt sich vertrauliche Unterlagen schicken. „Das ist die eigentliche Spionage. Die Technik nennt sich ,social engineering‘, das heißt Menschen dazu zu bringen, ihr Gehirn auszuschalten und Dinge zu tun, die sie normalerweise nicht täten.“

Da geschehen „die wildesten Dinge“, berichtet Maro: Der Spion tarnt sich als Redakteur eines etablierten Mediums und schreibt: „Ein Vorstandsmitglied Ihrer Firma wurde mit einer Minderjährigen in einem Hotel gesehen, und wir haben auch eine Hotelrechnung, die von Ihrer Firma bezahlt wurde.“ Anbei sind zwei Dateien: eine Videodatei und eine Hotelrechnung. In Panik klickt der Pressechef der Firma die Dateien an, und schon hat er sich damit einen Trojaner ins Firmennetzwerk geladen, der dann gezielt etwa nach Excel-Tabellen sucht.

Fred Maro von FM-nospy
Fred Maro von FM-nospy

Was also tun? „Das Problem ernst nehmen, aber ohne Panik, dann mit einem Fachmann analysieren: Was gibt es zu stehlen? Die Unternehmen sind ja oft betriebsblind“, sagt Maro. Wichtig daher zu wissen: Was gibt es an permanenten Dingen, die für Spione interessant sein könnten: Etwa Produktionsprozesse? Und was gibt es an temporären Daten, wie einem Vertragsverhandlungsstatus oder Quartalszahlen der Firma? Maro: „Wenn ein Spion die Quartalszahlen vierzehn Tage vor der Öffentlichkeit bekommt, ist er reich.“

Das machen oft Firmen, die offiziell in der Marktforschung aktiv sind. Da gibt es mehrere 1.000 davon alleine in Deutschland, von denen einige eben auch Spionage betreiben, was man aber in den allermeisten Fällen nicht konkret nachweisen kann. Wenn eruiert ist, was gestohlen werden kann, gilt es festzustellen: Wer sind die Mitarbeiter oder externen Dienstleister, die Zugang zu diesen Dingen haben? Dann ist es relativ einfach, diese Leute zu schulen.

Pandemie war Glücksfall für Spione

Wann haben es Spione am leichtesten? In der Urlaubs-, Weihnachts- und Karnevalszeit, wenn überall Urlaubsvertretungen arbeiten, auch in Firmen mit vielen Homeoffice-Arbeitsplätzen: „Für die Spionage war die Pandemie ein Glücksfall“, meint Maro. Aufpassen heißt es auf Messen. Die Hauptgefahrenquelle ist das lockere Gequatsche mit potenziellen „Kunden“. Gefährlich sind auch Tagungen, wo es Spione in der Regel leicht haben, in einer Essenspause in den Tagungsraum zu huschen und ganze Pinwände voll vertraulichen Dingen abzufotografieren. Das kann dann durchaus existenzbedrohend sein.

Weitere Informationen: Exporttag 2022

Fakten zum Tiroler Exporttag
  • Wann und wo: 5. Juli 2022, 09:00–16:00 Uhr, Wirtschaftskammer Tirol, Innsbruck.
  • 28 Wirtschaftsdelegierte aus aller Welt stehen für Einzelberatungen zur Verfügung.
  • Vier Info-Sessions zu brandheißen Themen: „Chancen und Hemmnisse rund ums Rote Meer“, „Wirtschaftsspionage – die unterschätzte Gefahr“, „Nächstes Ziel USA – Produkthaftung und andere Fragen auf dem Weg zum Erfolg“, „Auf der Jagd nach den besten Mitarbeitern – Recruiting im Ausland“.
  • Elf Exportdienstleister stellen aus und zeigen sich in acht Kurzpräsentationen.
  • Anmeldung: www.wk-events.at/t/exporttagtirol/Anmeldung

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