Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer Christoph Walser
Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer Christoph Walser
Kommentar

Nägel mit Köpfen

WK-Präsident Christoph Walser
© WK Tirol/Foto Frischauf

„Wer die Energiewende ernst nimmt, muss massiv in den Ausbau nachhaltiger Energiequellen investieren“, ist WK-Präsident Christoph Walser überzeugt.

KOMMENTAR

Wir leben in turbulenten Zeiten. Die Baustellen reichen von der Energie über den Verkehr bis hin zu Fachkräften und Inflation. Während es früher reichte, da und dort Hand anzulegen, sind nun tiefgreifende Eingriffe gefordert, Nägel mit Köpfen also.

Das beginnt bei den explodierenden Energiepreisen. Wer die Energiewende ernst nimmt, muss massiv in den Ausbau nachhaltiger Energiequellen investieren. Tirol könnte mit der Nutzung der Wasserkraft schneller autonom werden als andere Regionen, die über diese Möglichkeit nicht verfügen. Trotzdem kommt gerade von angeblichen Naturschützern nach wie vor Widerstand gegen jedes einzelne Wasserkraftwerk. Das ist absurd. Wer das Klima retten will, muss auch den einen oder anderen – möglichst schonenden! – Eingriff in die Natur vornehmen. Alles andere ist Realitätsverweigerung.

Auch der Verkehr eignet sich wunderbar für ideologische Auseinandersetzungen. Wachstum, Wohlstand, attraktive Jobs und faire Einkommen wünschen sich alle. Dass aber mit einer florierenden Wirtschaft auch Verkehr verbunden ist, wollen nicht alle wahrhaben. Da das eine nicht ohne das andere zu haben ist, bleibt nichts anderes übrig, als den Verkehr möglichst intelligent zu gestalten. Die Wirtschaft bekennt sich zum Umstieg auf alternative Antriebsarten. Die Politik muss ihre Vorgaben möglichst technologieoffen gestalten – denn Innovationen kommen aus der Forschung und der Wirtschaft, nicht aus den Parteizentralen und dem Nationalrat. Und dass der Brennerbasistunnel nur mit leistungsfähigen Zulaufstrecken und modernen Terminals funktionieren kann, wird ebenfalls gerne ignoriert. (wirtschaft.tirol berichtete: Forderung nach beschleunigtem Bahnausbau)

WK-Präsident Christoph Walser

Nächste Baustelle: Fachkräfte. Es gilt, an sämtlichen Stellschrauben zu drehen – von der Erhöhung der Frauenquote über die verstärkte Einbindung von Migranten bis hin zur qualifizierten Zuwanderung und dem späteren Antritt der Pension. Und es braucht eine Verschärfung der Zumut-barkeitsbestimmungen. Mit gut Zureden alleine hat es die Politik lange genug versucht.

Die Inflation ist schließlich ein Problem, das uns alle betrifft. Die Vorstellung, dass Firmen diese mit Fixpreisen alleine schultern können, ist naiv. Und bei den Lohnverhandlungen ist Sensibilität gefragt, um nicht eine Lohn-Preis-Spirale in Gang zu setzen, die nicht mehr zu stoppen ist.

All diese Herausforderungen erfordern mutige Lösungen. Wer den Wandel verschläft, verpasst den Anschluss. Damit das nicht passiert, muss die Politik Nägel mit Köpfen machen und nicht wie bisher das Wort „Reformen“ weiträumig umgehen.

E christoph.walser@wktirol.at

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