Ein guter Messestand beginnt mit einer guten Planung. Deshalb nehmen sich Seniorchef Heinrich Auer, Projektleiter Elmar Scheiring und Juniorchef Thomas Auer (v. l.) bis zu einem halben Jahr Zeit, damit ein perfektes Konzept für den Stand steht.
Ein guter Messestand beginnt mit einer guten Planung. Deshalb nehmen sich Seniorchef Heinrich Auer, Projektleiter Elmar Scheiring und Juniorchef Thomas Auer (v. l.) bis zu einem halben Jahr Zeit, damit ein perfektes Konzept für den Stand steht.
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Jedes Produkt ein Ausstellungsstück

Ein guter Messestand beginnt mit einer guten Planung. Deshalb nehmen sich Seniorchef Heinrich Auer, Projektleiter Elmar Scheiring und Juniorchef Thomas Auer (v. l.) bis zu einem halben Jahr Zeit, damit ein perfektes Konzept für den Stand steht.
© Auer Messe- und Ausstellungsbau GmbH

Seit 44 Jahren produziert Heinrich Auer mit seinem Team Stände und Showrooms für Publikums- und Fachmessen. Dabei setzt er auf ressourcenschonende Fertigung und effiziente Planung.

Alles begann im Jahr 1978 mit einem einzelnen Messestand, damals noch als Ein-Mann-Projekt im Tischlereibetrieb der Familie Auer an der Haller Straße in Innsbruck. Aus einem Stand wurden viele, aus vielen schließlich ein eigenes Unternehmen: Im Jahr 2000 wurde die Firma Messebau Auer gegründet, die ausschließlich Messestände, Showrooms, Shopeinrichtungen und Vitrinenpräsentationen produziert – in allen erdenklichen Ausführungen. „Am liebsten arbeiten wir mit den Produkten der Aussteller selbst. Für den Holzproduzenten Pfeifer haben wir zum Beispiel sein Holz selbst zum Messestand gemacht, für die Montanwerke Brixlegg einen Stand mit Kupfer verkleidet. Bei einem Safthersteller hat das bis jetzt aber noch nicht funktioniert“, schmunzelt Heinrich Auer, der Geschäftsführer von Messebau Auer, der auf jahrzehntelange Erfahrung im Bereich Ausstellungsbau zurückblicken kann.

Der Weg zum maßgeschneiderten Stand beginnt dabei für alle Kunden mit einem ausführlichen Erstgespräch: „Zu Beginn klären wir ab, um welche Messe es sich handelt und welche Produkte dort präsentiert werden. Welche Botschaft möchte unser Kunde dort vermitteln? Immerhin bleiben auf einer Messe nur wenige Minuten Zeit, um Interessenten vom Produkt zu überzeugen“, sagt Auer. Wenn ein solches Grundkonzept steht, startet die kreative Phase: Verschiedene Entwürfe entstehen als 3D-Bilder, um den Kunden eine Vorstellung von möglichen Endprodukten zu bieten. Dann folgen weitere Gesprächsrunden: „Kunden merken nach dem ersten Gespräch oft, dass sie sich über gewisse Aspekte ihres Auftritts noch gar keine Gedanken gemacht haben und holen das nach. Dadurch entsteht Input für weitere Entwürfe, die wiederum neue Fragen aufwerfen. Das geht so lange hin und her, bis wir schlussendlich die perfekte Lösung finden.“

Heinrich Auer

Die Dauer dieses Entscheidungsprozesses hängt vom Termin der Messe ab, meint Auer. Wenn genug Zeit ist, könne der Prozess manchmal bis zu sechs Monate dauern, bei Zeitdruck kann die Planung zur Not in zwei Wochen abgeschlossen sein. Zu knapp geht es allerdings nicht, denn allein die Fertigung des gewünschten Messestands braucht ungefähr vier Wochen. Stolz ist Auer auf eines: Bei hunderten gebauten Ständen und Showrooms, die tausende Male auf- und abgebaut wurden, konnten bisher alle termingerecht aufgestellt werden.

Effiziente Planung ist die halbe Miete

Nicht jeder Stand muss jedoch vollständig gefertigt werden: Die Stände sind so konzipiert, dass nur individuell angefertigte Elemente wirklich gekauft werden müssen. Standardelemente, wie das Grundgerüst, Beleuchtungseinheiten oder Monitore, können stattdessen für den Zeitraum einer Messe bei Auer angemietet werden. Das senkt die Kosten für die Käuferseite, reduziert den Herstellungsaufwand und sorgt für einen geringeren Ressourcenverbrauch. Gleichzeitig bleibt mehr Platz im Lager, dass sich mit mehr als 2.000m2 Fläche auf Innsbruck, Hall und Silz verteilt.

Schon beim Design lohnt es sich, etwas mehr Zeit in die Planung zu investieren: „Wenn ein Stand gut durchdacht ist, kann er unzählige Male und in verschiedenen Funktionen verwendet werden – er sorgt für Wiedererkennungswert, bleibt jedoch durch individuelle Adaptionen dennoch frisch und neu“, weiß der Ausstellungsexperte. Manche seiner Kunden hätten denselben Stand in verschiedener Form bereits auf über 20 Messen ausgestellt. Messebau Auer setzt nicht nur durch ressourcenschonenden Bau und effizientes Design auf Nachhaltigkeit, sondern bezieht den Strom für die Produktion inzwischen fast ausschließlich über die hauseigene Photovoltaikanlage. Darüber hinaus stammen die meisten Zulieferbetriebe aus der Region und arbeiten mit heimischen Materialien.

Messestand von Messebau Auer
„Am liebsten arbeiten wir mit den Produkten der Aussteller selbst“, sagt Heinrich Auer. Bei der Firma PREFA zum Beispiel: Große Teile des Standes wurden stilecht als gedecktes Dach inszeniert.
© Auer Messe- und Ausstellungsbau GmbH
Auch bei der Pfeifer Group wurde das Kernprodukt zum Ausstellungsstück: Viele Komponenten des Standes wurden direkt aus dem Holz des Oberländer Unternehmens gefertigt.
© Auer Messe- und Ausstellungsbau GmbH

Aufbau, Abbau und Rücktransport

Damit der richtige Stand auch zur richtigen Messe gelangt, etwa von Innsbruck nach München, bekommen Kunden ein Rundum-sorglos-Paket: Die bestellten Stände werden in der Werkstatt in Innsbruck zusammengestellt, Mietelemente inklusive, und warten im Lager auf ihren Einsatz. Von dort aus organisiert Auers Team den Transport zur Messe, den Aufbau vor Ort sowie den Abbau, den Rücktransport und die erneute Lagerung.

Für die großteils regionale Kundschaft – sie kommt hauptsächlich aus Tirol, Süddeutschland und Ostösterreich – liefert das Unternehmen auch fallweise über die Region hinaus: Stände „Made in Innsbruck“ waren bereits in über 20 Staaten auf fast allen Kontinenten im Einsatz, beispielsweise in Paris, Osaka, Atlanta oder Santiago de Chile. „Um solche Aufträge zu realisieren, schicken wir ein oder zwei Mitarbeiter dorthin und organisieren uns lokale Partner als Unterstützung für den Aufbau. Dabei sind Transport und Aufbau meist auf eine Stunde genau eingetaktet. All das gelingt uns nur durch gute Connections vor Ort.“ Aufträge dieser Größenordnung seien aber eher die Ausnahme als die Regel, meint Auer.

Partnerschaften auf Augenhöhe

In den vergangenen beiden Jahren hat selbst die beste Planung nichts genützt, denn die Pandemie traf die Messebranche besonders hart. Das Geschäft sei von einem Tag auf den anderen stillgestanden: „Von März 2020 bis Jänner 2021 bekamen wir keinen einzigen größeren Auftrag, lediglich kleinere Anfragen, wie die Montage von Plexiglas-Trennwänden. Dass wir alle acht Mitarbeiter trotzdem im Unternehmen halten konnten, war nur durch Umstellung auf Kurzarbeit möglich.“ Weil die Messesaison bald wieder richtig anlaufe und sich dieses Jahr zusätzlich in den Sommer verlagern dürfte, blickt er aber schon voller Tatendrang nach vorn.

Die Firma habe zudem kein Interesse daran, ins Unermessliche zu wachsen. Auer strebe stattdessen danach, mit seinen Kunden eine langfristige Partnerschaft einzugehen: „Was bringt es, wenn ich mit einem Kunden kurzzeitig etwas mehr verdiene, diesen dann aber dauerhaft verliere? Unsere Partnerschaften sind auf zehn Jahre ausgelegt und sollen für alle Seiten einen Vorteil bringen.“ Als gelungenes Beispiel nennt er das Verleihsystem für Bauelemente, weil so der Preis für die Kunden sinke und sich gleichzeitig der Produktionsaufwand reduziere.

Durch die Partnerschaft mit Stammkunden und die Offenheit für Neukunden sieht der Innsbrucker sein traditionsreiches Unternehmen für die Zukunft gewappnet. Die Holzmanufaktur Auer, aus der sich der Messebau entwickelte, wurde 1894 von Heinrich Auers Großvater gegründet und wird bis heute betrieben, Messebau Auer existiert parallel dazu. Inzwischen hat mit Heinrichs Sohn Thomas die vierte Generation das Familienunternehmen übernommen. Dieser Schritt war durchaus nicht in Stein gemeißelt: „Es ist nicht selbstverständlich, dass ein junger Mensch in diesen unsicheren Zeiten ein Unternehmen weiterführt und damit auch ein gewisses Risiko in Kauf nimmt. Das weiß ich zu schätzen.“

Weitere Informationen: Messebau Auer

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