Viele Tiroler Betriebe bauen auf die Leistungen und das Know-how erfahrener Mitarbeiter. Vierzig Prozent der Arbeitnehmer würden gerne länger oder während ihrer Pension arbeiten – wenn die Rahmenbedingungen dafür passen.
Viele Tiroler Betriebe bauen auf die Leistungen und das Know-how erfahrener Mitarbeiter. Vierzig Prozent der Arbeitnehmer würden gerne länger oder während ihrer Pension arbeiten – wenn die Rahmenbedingungen dafür passen.
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Damit die Pension keine Vollbremsung wird

Viele Tiroler Betriebe bauen auf die Leistungen und das Know-how erfahrener Mitarbeiter. Vierzig Prozent der Arbeitnehmer würden gerne länger arbeiten – wenn die Rahmenbedingungen dafür passen.
© WK Tirol/Vorhofer

Viele ältere Menschen wollen auch während ihrer Pension noch in ihrem Beruf aktiv bleiben. Das hält den Erfahrungsschatz im Betrieb und hilft gegen den Fachkräftemangel.

Der Fachkräftemangel ist und bleibt eine enorme Herausforderung für die heimischen Firmen. Das hat zur Folge, dass den Betrieben Aufträge verloren gehen und die Belastung der Belegschaft steigt. Ansatzpunkte zur Entschärfung gibt es viele – von der gezielten Aus- und Weiterbildung über qualifizierte Zuwanderung und die Aufwertung der Lehre bis hin zur verstärkten Einbindung von Frauen in den Arbeitsprozess. „Dass aber auch noch eine andere, sehr effektive Lösung auf dem Tisch liegt, wird häufig übersehen – und zwar der Einsatz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Umfeld des Pensionsalters“, weist WK-Präsident Christoph Walser hin.

Länger aktiv bleiben

Was bereits während der Coronapandemie mit der Rückholung von pensionierten Krankenpflegern, Ärzten und medizinischem Personal in die Wege geleitet wurde, könnte sich tatsächlich als zukunftsweisende Methode zur Reduktion des Fachkräftemangels herausstellen. Denn: Rund 40 Prozent der Angestellten, die kurz vor der Pension stehen, würden laut einer Umfrage von „Seniors4success“ gerne weiterhin im Betrieb tätig bleiben, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Die Gründe reichen von der Aufbesserung der Pensionshöhe bis hin zum Erhalt sozialer Kontakte durch die Arbeit. „Von hundert auf null ist für viele unbefriedigend – und genau darin liegt die Chance, dass Senioren-Mitarbeiter länger im Einsatz bleiben, was sowohl den Betroffenen als auch den Betrieben entgegenkommt“, erklärt Walser.

Rahmenbedingungen nachbessern

Was die angesprochenen Rahmenbedingungen betrifft, gilt es vor allem zu unterscheiden, ob das Regelpensionsalter bereits erreicht ist oder nicht. Bei vorzeitiger Alterspension stellt für Männer unter 65 und Frauen unter 60 Jahren die Geringfügigkeitsgrenze das absolute Limit dar. Wer mehr als 485 Euro monatlich verdient, muss den Teil- bzw. Totalverlust seiner Pension hinnehmen. „Eine attraktive Möglichkeit, langsam aus dem Erwerbsprozess auszusteigen, bietet hingegen die Altersteilzeit“, erklärt der Leiter der Abteilung Arbeitsrecht in der WK Tirol, Bernhard Achatz.

Das erhält zumindest einen Teil der Arbeitsleistung für die Betriebe und ist besser als ein vorzeitiger Komplettausstieg. Derzeit sieht das Modell eine Reduktion der Arbeitszeit zwischen 40 und 60 Prozent bei entsprechendem Lohnausgleich vor. Für den Rechtsexperten wäre eine Weiterentwicklung des vorgegebenen Rahmens sinnvoll: „Eine Reduktion von 30 Prozent in den ersten beiden Jahren und danach um 50 oder 60 Prozent würde ein schrittweises Ausgleiten ermöglichen“, so Achatz.

Impulse setzen

Bei Personen, die das Regelpensionsalter erreicht haben, stellt sich die rechtliche Situation anders dar: Hier ist ein Zuverdienst ohne Grenze möglich. Trotzdem wird diese Option noch zu wenig genutzt. „Um diesen Weg für mehr Menschen als bisher attraktiv zu machen, sollten für den Zuverdienst keine Sozialversicherungsbeiträge, insbesondere zur Pensionsversicherung, anfallen“, schlägt Achatz vor.

Eine stärkere Bewerbung dieser Möglichkeiten, das aktive Zugehen der Firmen auf ihre (angehenden) Pensionisten sowie die Nachbesserung bei den Rahmenbedingungen würden die Quote an Senioren-Mitarbeitern steigern und einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels leisten. „Wir müssen Impulse setzen, welche die Entscheidung für einen längeren Verbleib im Erwerbsprozess unterstützen“, erklärt Christoph Walser, „jeder einzelne Senioren-Mitarbeiter bringt eine Entlastung der angespannten Arbeitsmarktsituation.“

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