Bernadette Bodner-Pernlochner massiert Weimaraner-Hündin Paula, die diese Behandlung sichtlich genießt.
Bernadette Bodner-Pernlochner massiert Weimaraner-Hündin Paula, die diese Behandlung sichtlich genießt.
Alles Unternehmen

Fingerspitzengefühl für Vierbeiner

Bernadette Bodner-Pernlochner massiert Weimaraner-Hündin Paula, die diese Behandlung sichtlich genießt.
© WK Tirol

Bernadette Bodner-Pernlochner ist gelernte Tierarzthelferin und arbeitet mit dem besten Freund des Menschen – mit Hunden. Vitality4Dogs bietet Tiermassage und Bewegungstraining an.

Im März 2010 bin ich einfach ins kalte Wasser gesprungen und habe mich selbstständig gemacht“, blickt Bernadette Bodner-Pernlochner auf die Anfänge ihres Unternehmens Vitality4Dogs in Kematen zurück. Dem Sprung ins kalte Wasser ging ein Lehrgang an der Veterinärmedizinischen Universität Wien voraus: „Physiotherapie und Rehabilitation am Hund hat dieser Lehrgang geheißen, der ausschließlich für Tierärzte und Tierarzthelfer angeboten wurde. In Österreich ist die Gesetzeslage so, dass Physiotherapie bei Tieren nur von Tierärzten gemacht werden darf oder von Hilfspersonal unter Anleitung und Aufsicht von Tierärzten“, erklärt die Unternehmerin. Wichtig ist, dass im Bereich der Tiermassage und Bewegungstraining nur am gesunden Tier gearbeitet werden darf.

„Als ich mich selbstständig gemacht habe war ich die Erste, die das in Tirol angeboten hat. Ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden, dass ich meine Praxis voll ausstatte. Es fließt doch ein kleines Vermögen in die Anschaffungen, wie zum Beispiel ins Unterwasserlaufband. Aber es war für mich klar: Wenn ich das mache, mache ich es richtig und nicht halb“, unterstreicht die Berufsgruppensprecherin der Tierbetreuer in Tirol.

Regelmäßig zu Gast in der Praxis

Im Bereich Tiermassage und Bewegungstraining führt die Unternehmerin alle Behandlungen durch, die man an gesunden Hunden einsetzen kann. „Ein großer Teil meiner Kunden sind Stammkunden mit älteren Hunden. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ein Hund zum Ende eines Spaziergangs immer müder oder langsamer wird. Dann ist es wichtig, dass man diese Hunde auflockert und mobilisiert. Sie werden durchmassiert und teilweise auf das Unterwasserlaufband gestellt, damit die vorhandene Muskulatur weiterhin trainiert wird“, sagt Bodner-Pernlochner. Auch Sport-, Polizei-, Rettungs- und Jagdhunde sind regelmäßig zu Gast in der Praxis von Vitality4Dogs. Die Kunden der Tierbetreuerin reichen auch über die Grenzen von Tirol hinaus, einige reisen sogar extra aus Deutschland oder Italien für eine Behandlung an.

Von Tierkliniken wird Bodner-Pernlochner regelmäßig angefragt. Dort macht sie zum Beispiel die postoperative Physiotherapie unter Anleitung und Aufsicht eines Tierarztes. Apropos Tierklinik: Genau dort hat sich einer der größten Behandlungserfolge von Bernadette Bodner-Pernlochner abgespielt. „Ganz am Anfang meiner Selbstständigkeit habe ich in einer Tierklinik einen alten Dackelrüden behandeln dürfen. Er war quasi gelähmt, hat die Hinterbeine nicht mehr bewegen und auch nicht mehr zur Toilette gehen können. Nach intensiver Physiotherapie hat der Hund nach drei Wochen wieder ansatzweise gehen können und wurde von Tag zu Tag mobiler. Das ist mir im Gedächtnis geblieben, daran werde ich mich immer erinnern können. Das war eine ganz besondere Situation für mich. Als komplette Newcomerin habe ich mir gedacht: Jetzt musst du dich beweisen. Und es hat funktioniert. Auch für die Tierklinik war es damals ein Aha-Moment, weil Hunde-Physiotherapie noch nicht so etabliert war wie heute.“

Bernadette Bodner-Pernlochner
© WK Tirol/ Die Fotografen
Funktionärssteckbrief Bernadette Bodner-Pernlochner
Bernadette Bodner-Pernlochner
© WK Tirol/ Die Fotografen

Was hat Sie dazu motiviert, Funktionärin zu werden?

Ich bin gefragt worden, ob ich es mir vorstellen könnte, für Tirol im Bundesausschuss mitzuarbeiten. Dann habe ich mir gedacht, das schaue ich mir an, das klingt sehr interessant und es gehört definitiv etwas gemacht für meine Branche.

Worauf sind Sie in Ihrer Funktionärstätigkeit stolz?

Stolz bin ich, dass wir das Berufsbild des Tierbetreuers von der Pike auf erstellt haben. Es hat ja noch gar nichts gegeben in diesem Bereich. Vor drei Jahren wurde das Landespolizeigesetz in Tirol zum Thema Hundehaltung geändert, da hat mich die damalige Landesrätin Zoller-Frischauf kontaktiert und in Bezug auf die Gesetzesänderung um Zusammenarbeit gebeten.

Welche Ziele verfolgen Sie als Funktionärin?

Mein Ziel ist es, mehr Qualität in die Tierberufe zu bringen. Ich würde mir wünschen, dass der Kunde bei einem Tierbetreuer in Tirol immer darauf vertrauen kann, dass dieser Tierbetreuer eine fundierte Ausbildung hat und weiß, was er tut. Dafür braucht es Aufklärungsarbeit bei den Kunden und den Dienstleistern.

Zeit, Einfühlungsvermögen und Wissen

Auf der Massageliege liegt Paula, die siebenjährige Weimeraner-Hündin von Bernadette Bodner-Pernlochner. An ihr zeigt die Tierbetreuerin einige Massage-Griffe vor. Bei der Arbeit geht es ganz still und ruhig zu, Paula fühlt sich richtig wohl. Von Bodner-Pernlochner geht eine Ruhe aus, die auch das Tier sichtlich entspannen lässt.

„Bei den unterschiedlichen Hundecharakteren ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Es gibt auch schwer verängstigte Hunde. Das sind Hunde, die zum Beispiel aus einer Tötungsstation im Ausland gerettet wurden. Auch solche Hunde kommen zu mir und sie müssen zuerst einmal lernen, sich angreifen zu lassen. Von ihrer ständig ängstlichen Haltung sind sie so verkrampft, dass sie dringend eine Massage brauchen. Da braucht es natürlich viel Zeit, Einfühlungsvermögen und Wissen, wie man sich an so einen Hund herantastet, damit er sich angreifen lässt und Vertrauen aufbauen kann“, erklärt Bodner-Pernlochner. Sie hat selber fünf Weimeraner-Hunde, zwei Pferde und fünf Rießenschildkröten. Ihr Sohn wächst von Anfang an mit Tieren auf und lernt den richtigen Umgang: „Man sagt immer ‚Bellende Hunde beißen nicht‘, aber das stimmt nicht. Das ist ein Mythos und wenn man einen Hund nicht richtig liest und nicht richtig versteht, dann kann es zu Unfällen kommen.“

Entsprechenden Know-how ist wichtig

Der WK-Funktionärin ist es ein besonderes Anliegen, dass nur Personen mit einer entsprechenden Ausbildung am Tier arbeiten. „Bei dem Berufsbild der Tierbetreuer handelt es sich um ein freies Gewerbe. Die Fortbildung und das Qualitätsmanagement sehe ich deshalb als meinen Auftrag als Berufsgruppensprecherin. Das Wichtigste ist für mich, dass die Kunden und die Dienstleister dahingehend gebrieft werden, dass es wichtig ist, dass man nur mit dem entsprechenden Know-how Dienstleistungen für Tiere anbietet“, betont Bodner-Pernlochner.

Die Berufsgruppe der Tierbetreuer umfasst Tierschönheitspfleger, Tiertrainer (ausgenommen Reit- und Fahrsport), Tierpensionen und Tiersitter (ausgenommen Pferdepensionen), Tierernährungsberater, Tiermassage und Tierbewegungstrainer. Für die Zukunft ist geplant, ein Qualitätsmanagement-Programm einzuführen. Damit sollen Dienstleister die Möglichkeit bekommen, sich über ein Siegel nach außen hin abzuheben.

Bernadette Bodner-Pernlochner organisiert für ihre Branche regelmäßig Fortbildungen. „In den letzten Monaten haben wir einige Impuls-Theorievorträge online angeboten, die sehr gut besucht waren. Die einzige staatlich anerkannte Prüfung für Hundetrainer – das Zertifikat tierschutzqualifizierter Hundetrainer – organisiere ich heuer zum zweiten Mal in Tirol. Das wird üblicherweise nur in Wien angeboten und unsere Dienstleister sind froh, wenn sie das vor Ort machen können. Mir ist es wichtig, viele Fortbildungen anzubieten, denn auch das steigert die Qualität in unserer Branche“, unterstreicht die Unternehmerin.

Weitere Informationen: Vitality4Dogs

Das Unterwasserlaufband motiviert Hunde zur aktiven Bewegung.
Das Unterwasserlaufband motiviert Hunde zur aktiven Bewegung.
© Vitality4Dogs
Tiermassage und Bewegungstraining in Kematen bei Vitality4Dogs.
Tiermassage und Bewegungstraining in Kematen bei Vitality4Dogs.
© Vitality4Dogs