Als „Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb“ punkten

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Metallbau Nocker: Auch Kleben will gelernt sein. Manche Stationen wären früher fallweise übersprungen worden. Das Prädikat ATL garantiert, dass auch wirklich alle Ausbildungsetappen durchlaufen werden.
Auch Kleben will gelernt sein. Manche Stationen wären früher fallweise übersprungen worden. Das Prädikat ATL garantiert, dass auch wirklich alle Ausbildungsetappen durchlaufen werden.
© WK Tirol

Immer mehr Branchen leiden unter Nachwuchsproblemen. Die Firma Nocker hat sich vor drei Jahren als Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb (ATL) zertifizieren lassen und zieht eine positive Bilanz.

Der Mangel an Fachkräften macht auch nicht vor Metallbau Nocker aus Navis Halt. Das Unternehmen hat deswegen bereits vor Jahren begonnen, mit der hauseigenen Lehrlingsausbildung selbst Fachpersonal zu schulen und dieses in den Betrieb zu übernehmen. Inzwischen kümmert sich ein eigener Lehrlingsausbilder um den Nachwuchs, damit dieser eine möglichst hochqualitative und breite Ausbildung erhält. „Ein Vorteil im Vergleich zu früher ist, dass unsere Lehrlinge bei ihrer Ausbildung heute sämtliche Stationen absolvieren. Früher haben sie einige Stationen einfach ausgelassen, wenn sie sich bei einer besonders geschickt angestellt haben – das kann auf Dauer für Defizite sorgen“, sagt Helmut Mayr, der für die Lehrlingsausbildung zuständig ist.

Das Problem: Auch wenn die Ausbildung in ihrer Qualität steigt, findet sich immer weniger Nachwuchs, der sich dafür interessiert. „Wir suchen dieses Jahr nach sechs neuen Lehrlingen, im besten Fall sogar zehn – zugesagt haben uns bisher drei“, sagt Christian Löffler, einer der beiden Geschäftsführer von Metallbau Nocker.

Vorteile als ATL

Um den stetigen Qualitätsanstieg festzuhalten und den innerbetrieblichen Stellenwert der Lehre auch nach außen zu tragen, hat sich das Unternehmen 2019 entschlossen, um das Zertifikat als Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb (ATL) anzusuchen. Diese Auszeichnung erhalten nur jene Betriebe, die bei der Lehrlingsausbildung bestimmte Qualitätskriterien einhalten und genau dokumentieren. Sie dürfen die Auszeichnung dann für drei Jahre führen, ehe sie im letzten Jahr um eine Neuauszeichnung beim Land Tirol ansuchen können.

„Die Jungen beeindruckt das Zertifikat weniger, aber gerade ihre Eltern schauen drauf, sie spielen bei der Auswahl des Lehrplatzes immer noch eine große Rolle. Zusätzlich haben wir seit 2019 bei internen Abläufen viel gelernt. Zum Beispiel halten wir den Ausbildungsinhalt jetzt genauer und regelmäßiger fest als vorher“, meint Mayr. „So ist auch eine grobe Ausbildungsplanung und -dokumentation sehr wichtig.“ Laut Geschäftsführer Christian Löffler gestaltet sich die Suche nach Lehrlingen immer schwieriger, denn „derzeit sind die besonders geburtenschwachen Jahrgänge im Ausbildungsalter. Ich bin aber der Meinung, dass die Auszeichnung die Situation durchaus verbessert hat.“

Überzeugen mit Qualität

Nocker setzt weniger auf Werbekampagnen und Zuckerln für Interessierte, sondern auf ein breites Ausbildungsangebot und Mundpropaganda. „Ein spendierter Führerschein oder ein Motorrad klingen super, aber die Jungen beeindruckt das weit weniger als man meinen könnte. Sie gehen dorthin, wo sie die Arbeit am meisten interessiert. Wir setzen dagegen auf ein Prämiensystem für fleißige Lehrlinge und organisieren einen jährlichen Lehrlingsausflug – Mundpropaganda hat für uns einen viel größeren Wert“, sagt Mayr. Das zeige sich darin, dass sich der Ruf von Nockers Lehrlingsausbildung im Wipptal herumspreche und ein Großteil der Lehrlinge jedes Jahr aus den umliegenden Gemeinden stamme.

Darüber hinaus sind sich Geschäftsführer und Lehrlingsausbilder einig: „Die Lehre gehört aufgewertet. Sie braucht einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft und muss besser bezahlt werden.“ Ebenso gehörten die Vorteile der Lehre unterstrichen – „ausgelernte Lehrlinge verdienen bei uns auf Montage sofort 2.000 Euro netto“, so der Geschäftsführer. Davon gibt es im Betrieb einige: Mehr als die Hälfte der eigenen Arbeiter hat der Betrieb im Laufe der Jahre selbst angelernt.

Das Thema Nachwuchsmangel wird Löffler und Mayr auch in den kommenden Jahren weiterhin beschäftigen. Deshalb versucht das Unternehmen verstärkt, Interessierte mit Schnupperpraktika ins Haus zu holen oder für die Zweitlehre zu begeistern. Eines ist dabei sicher: Die Bewerbung für drei weitere Jahre als Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb ist bei Metallbau Nocker bereits im Gange.

Weitere Informationen: Metallbau Nocker

Der Nachwuchs lernt bei Metallbau Nocker nie aus.
© WK Tirol
1, 2 +3: Der Nachwuchs lernt bei Nocker auch voneinander. Dadurch, dass sich Lehrlinge in verschiedenen Ausbildungsphasen befinden, profitieren sie auch vom Fortschritt der anderen.
Lehrlinge in verschiedenen Ausbildungsphasen profitieren voneinander.
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Was ist ein ATL?

Das Qualitätssiegel „Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb“ wurde im Jahr 2000 vom Land Tirol, der Wirtschaftskammer und der Arbeiterkammer ins Leben gerufen. Ziel dieser gemeinsamen Initiative ist es, den Qualitätswettbewerb unter den Lehrbetrieben zu fördern und Aufmerksamkeit für die Bedeutung einer guten Lehrlingsausbildung zu schaffen. Das Prädikat wird jährlich für drei Jahre an Betriebe verliehen, die Lehrlinge ausbilden. Im letzten Jahr können die Unternehmen um eine Verlängerung für weitere drei Jahre ansuchen. Dabei gelten für jede Verleihung strenge Maßstäbe:

  • In den vergangenen sechs Jahren haben mindestens zwei Lehrlinge ihre Lehrabschlussprüfung (LAP) erfolgreich bestanden.
  • Nicht bestandene LAP stellen im Betrieb eine Ausnahme dar und können vor einer Jury ausreichend begründet werden.
  • Der Betrieb bildet dem Berufsbild entsprechend aus und deckt eventuelle Lücken durch einen Ausbildungsverbund ab.
  • Ein schriftlicher Ausbildungsplan liegt vor, der die Ausbildung im Umfang des gesamten Berufsbildes sicherstellt.
  • Die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen, wie das Kinder- und Jugendbeschäftigungsgesetz, werden eingehalten.
  • Zusätzlich bewertet eine Fachjury das Ausbildungsangebot für Lehrlinge mit einem Punkteschlüssel. Erst ab zwölf von 22 erreichbaren Punkten darf ein Betrieb das Prädikat „Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb“ führen.
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