Stadt Hall
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Panorama

„Den Ort als Bühne bespielen“

Vielbeachtete Beispiele wie St. Johann oder Hall (im Bild) zeigen, dass mit professionellem Management große Fortschritte erzielt werden können.
© B. Watzek - Bild & Werk

Im Rahmen des Orts- und Stadtmarketingtages der WK Tirol stimmte Christoph Thoma (Stadtmanufaktur) auf die Thematik ein. Im Interview erklärt er, wie die Belebung der Orts- und Stadtkerne gelingen kann.

INTERVIEW

Tiroler Wirtschaft: Unser Umfeld hat sich in den letzten Monaten und Jahren massiv verändert. Wo sehen Sie den größten Wandel?

Christoph Thoma (Stadtmanufaktur): Wir befinden uns inmitten zahlreicher Umbrüche: Unsere Mobilität verändert sich rasant, die Pandemie hat zu einem veränderten Einkaufsverhalten geführt und der Klimawandel erfordert ebenfalls massive Anpassungen, sowohl in städtischen als auch in ländlichen Regionen. Unsere Orte und Städte können auch jedoch unter diesen neuen Bedingungen eine zentrale Rolle einnehmen, es gilt allerdings, das neue Umfeld bei der Positionierung zu berücksichtigen und im Dialog mit den Menschen zu aktivieren.

Muss dieser Wandel zentral oder dezentral gemanagt werden?

Es braucht beides. Zum einen sind natürlich kreative und engagierte Kräfte direkt vor Ort notwendig. Auf der anderen Seite bin ich überzeugt, dass es auch eine zentrale Stelle beim Land braucht, welche die einzelnen Orte und Städte bei ihren Anstrengungen unterstützt und serviciert. Daher erarbeiten wir im heutigen Workshop jene Themen, die eine überregionale, vernetzte Außensicht erfordern und versuchen damit die Leitplanken für eine derartige Stelle zu setzen, um der Politik bei der konkreten Ausgestaltung die Sicht aus der Praxis mitzugeben.

Gibt es eine Sehnsucht nach pulsierenden Regionen, Orten und Städten?

Orts- und Stadtzentren waren immer schon Orte des Handelns, und das im wörtlichen Sinne. Hier pulsiert das ökonomische Herz, hier ist der Ort für Kultur und Freizeit, es sind schlichtweg Erlebnisräume. Innenstädte und Ortszentren waren und sind auch immer als Wohnorte attraktiv und haben natürlich eine wichtige Rolle als Mobilitätsdrehscheibe. Diese Funktionen müssen wir in die heutige Zeit transformieren und, wo notwendig, wiederbeleben.

Sie sprechen davon, dass es eine „Gesamtinszenierung“ eines Ortes braucht. Was meinen Sie damit?

Events sind ein „Werkzeug“, welches einen Ort, deren öffentliche Räume und Bezugspunkte erlebbar machen und positive Emotionen schaffen. Somit können Veranstaltungen einen relevanten Beitrag zur Positionierung eines Ortes leisten. Es ist die Aufgabe des Orts- und Stadtmanagements, die „richtigen“ Glanzpunkte für einen Ort zu finden und organisatorisch perfekt in Szene zu setzen. Es geht darum, einen Ort zu kuratieren, zu gestalten.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Es gilt, den Ort als Bühne professionell zu bespielen. Die Stadt- und Ortsmarketings agieren hier als Stadt- und Ortskuratoren. Veranstaltungen müssen die Ortsmarke positiv aufladen und zum jeweiligen Ort passen. Es braucht markenrelevante Leuchtturmprojekte, die von weitem her sichtbar sind. Hier gilt wie so oft: Qualität geht vor Quantität. Sinn- und identitätsstiftende Veranstaltungen müssen und können das Ortsbild prägen. Stadt- und Ortsmarketings schaffen so Möglichkeitsräume für eine aktivierende Stadt. Und das gilt auch für kleine, feine Formate, für „Grätzelfeste“ genauso, wie für aktivierende Handelsmaßnahmen.

Zusammengefasst: Welche Faktoren sind für lebendige Orts- und Stadtzentren ausschlaggebend?

Aus meiner Sicht sind es sechs Punkte, die den Unterschied machen. Erstens: Vielfalt und Standortmix. Zweitens: Architektur und öffentlicher Raum. Drittens: Infrastruktur. Viertens: Mobilität und Parken. Fünftens: Standortmarketing. Und sechstens: die professionelle Bündelung von Interessen. Das deckt sich mit den Vorstellungen von Vizepräsident Martin Wetscher. Jetzt gilt es jedoch in die Umsetzung zu kommen.

Mehr zum Thema: So kommt der Frühling in unsere Orte

WK-Vizepräsident Martin Wetscher (l.) und Christoph Thoma wissen, dass es für lebendige Orts- und Stadtzentren ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren benötigt.
WK-Vizepräsident Martin Wetscher (l.) und Christoph Thoma wissen, dass es für lebendige Orts- und Stadtzentren ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren benötigt.
© WK Tirol

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