Aus zwei Fahrzeugen wurden 28. Zwischen 1990 und 2022 wuchs das Unternehmen unter Walter Feuerstein zum größten privaten Personenbeförderer im Außerfern heran.
Aus zwei Fahrzeugen wurden 28. Zwischen 1990 und 2022 wuchs das Unternehmen unter Walter Feuerstein zum größten privaten Personenbeförderer im Außerfern heran.
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Mobilitätspioniere feiern Jubiläum

Zwischen 1990 und 2022 wuchs das Unternehmen unter Walter Feuerstein zum größten privaten Personenbeförderer im Außerfern heran.
© WK Tirol

Die Firma Feuerstein ist untrennbar mit dem Lechtal verbunden. Seit 1922 sorgt sie für Bewegung im Bezirk Reutte – und weit darüber hinaus.

Wer heutzutage von Steeg nach Reutte fahren möchte, dem stehen 47,5 Kilometer und 45 Minuten Fahrzeit mit dem Auto bevor. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam diese Route noch einer regelrechten Weltreise gleich. Um die Strecke durch das Lechtal passierbarer zu machen, gründete Bernhard Feuerstein mit seiner Lohnfuhrkutsche 1922 das Unternehmen Feuerstein. Ziel war es, den regelmäßigen und schnelleren Transport von Passagieren und ihren Gütern in den Bezirkshauptort und wieder retour zu ermöglichen. Bereits 1928 kam das erste motorisierte Fahrzeug zum Einsatz: ein Bus ohne Verdeck, dessen Motor noch von Hand gekurbelt werden musste. 100 Jahre nach der Gründung leitet Bernhard Feuersteins Enkel Walter Feuerstein jun. den Betrieb inzwischen in dritter Generation.

„Als Unternehmen braucht es eine gesunde Mischung aus Tradition und Innovation. Man darf nicht vergessen, wo man herkommt, muss aber immer mit der Zeit gehen“, sagt Walter Feuerstein. Aus diesem Grund sind Feuersteins Busse inzwischen auch weit über das Lechtal hinaus unterwegs: Sieben Linienbusse, mehrere Werkverkehrsbusse und zahlreiche Transport- und Taxifahrten bringen hunderte Einheimische täglich von A nach B. Damit ist Feuerstein der größte private Personenbeförderer im Außerfern. Zusätzlich bietet das Unternehmen zahlreiche Pauschalreisen durch ganz Europa, Vereinsausflüge und Sprachreisen für Schulklassen an. „Früher haben wir auch europaweit Reisen für Touristen aus Asien angeboten. Seit der Öffnung des Ostblocks ist dieses Geschäft für uns aber nicht mehr rentabel“, meint der Lechtaler.

Höhen und Tiefen

Nicht nur am Reisemarkt musste Feuerstein den ein oder anderen Rückschlag hinnehmen, auch die Unternehmensgeschichte ist durch Schicksalsschläge geprägt. „1972, also im Jahr meiner Geburt, ist mein Vater Walter Feuerstein sen. bei einer Busfahrt tödlich verunglückt. Meine Mutter hat den Betrieb daraufhin bis zu ihrem Tod 1990 weitergeführt. Mit meinen 17 Jahren habe ich dann die Firma geerbt“, sagt Feuerstein jun. Damals war man erst mit 21 Jahren volljährig, weswegen ihm die Volljährigkeit schon vier Jahre früher als vorgesehen verliehen wurde, damit er den Betrieb überhaupt übernehmen durfte. Dieser ist seitdem stark gewachsen: Waren 1990 noch zwei Busse im Einsatz, sind es inzwischen 28 Fahrzeuge, die eine Bandbreite von drei bis 82 Sitzen abdecken.

Vor über 30 Jahren war auch das Geschäft des Busfahrers ein anderes: „Ich war oft wochenweise mit dem Bus in Europa unterwegs und habe an der Telefonzelle erfragt, wohin die nächste Reise geht. Geleitet habe ich die Firma quasi über das Telefon.“ Erst langsam hielt die Digitalisierung Einzug ins Reisegeschäft, etwa als ein Kunde statt der Bezahlung für eine Fahrt ein Fax-Gerät spendierte. Inzwischen sind alle Busse GPS-überwacht und durchgehend erreich- und nachverfolgbar. „Früher war das Fahren die meiste Arbeit und die Planung eher eine Nebensache. Heute braucht die Planung die meiste Zeit, allein schon, um die Ruhezeiten für unsere Fahrer einhalten zu können. Weil wir nicht mehr mit zwei, sondern mit 28 Fahrzeugen unterwegs sind, brauchen wir deshalb ein Bürogebäude als Basis“, sagt Feuerstein.

Hier wird an allem geschraubt, was fahren kann: In drei Werkstattboxen haben seit 2019 insgesamt acht Busse gleichzeitig Platz. Aber auch Einsatzfahrzeuge, Traktoren, Pkw und vieles mehr wird bei Feuerstein repariert oder TÜV-geprüft.
Hier wird an allem geschraubt, was fahren kann: In drei Werkstattboxen haben seit 2019 insgesamt acht Busse gleichzeitig Platz. Aber auch Einsatzfahrzeuge, Traktoren, Pkw und vieles mehr wird bei Feuerstein repariert oder TÜV-geprüft.
© WK Tirol

Ein zweites Standbein

Das war einer der Gründe, warum sich der Standort des Unternehmens etwas verschoben hat: Während der ursprüngliche Firmensitz in Steeg bis heute besteht, gibt es inzwischen einen zweiten Standort in Ehenbichl bei Reutte. „Unseren ersten Standort konnten wir nicht weiter ausbauen, deswegen haben wir uns dazu entschlossen, in Richtung Bezirkshauptort zu wachsen. Dort haben wir im Jahr 2000 einen ehemaligen Schweinestall zu einer Garage samt Waschanlage und Tankstelle für unsere Busse umgebaut.“

Dieser Standort wurde ein zweites Standbein für den Busbetrieb: „Der Reisemarkt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Und schon 2019 haben wir früh gespürt, dass Corona die Fernreiselust dämpft. Deshalb haben wir eine Möglichkeit gesucht, uns zu diversifizieren, aber gleichzeitig nicht zu breit aufgestellt zu sein. Noch im selben Jahr haben wir daher unsere Werkstatt samt Spenglerei in Ehenbichl aufgemacht.“ Die Werkstatt für Kfz und Nutzfahrzeuge mit insgesamt sechs Mechanikern schraubt an allem, was vier Räder hat: Neben Bussen auch an Pkw, Lkw, Traktoren und sogar Feuerwehrautos. Zusätzlich führt sie Karosseriearbeiten aller Art durch. Feuersteins Werkstatt ist außerdem die einzige, die den TÜV für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen im Bezirk Reutte abnehmen darf.

Der Ausbau des Angebotes stellte sich als Glücksgriff heraus: „Nur wenige Monate, nachdem wir den Werkstattbetrieb aufgenommen haben, traf Corona die Verkehrsbranche hart. Von urprünglich 35 Mitarbeitern schrumpften wir kurzzeitig auf unsere – damals noch fünf – Mech-aniker zusammen, den gesamten Fuhrpark hatten wir vorübergehend abmelden müssen.“ Nun geht es aber wieder deutlich aufwärts mit den Busfahrten und Feuerstein ist optimistisch, dass der Busbetrieb auch künftig, abgesehen von kleineren Maßnahmen wie der Maskenpflicht, ohne Einschränkungen stattfinden kann.

Mutig in die neuen Zeiten

In den vergangenen hundert Jahren ist das Familienunternehmen stetig gewachsen. Das freut Feuerstein, der bei der langen Betriebsgeschichte durchaus einen gewissen Druck verspürt: „Hundert Jahre lang hat der Betrieb funktioniert, da möchte ich nicht der Grund sein, dass diese Geschichte zu Ende geht. Und man sagt ja sprichwörtlich, dass es die dritte Generation in den Sand setzt. Ich bin froh, dass das bis jetzt noch nicht der Fall war“, schmunzelt er.

Ein Nachfolger steht schon fest, denn sein ältester Sohn ist bereits in die Firma eingestiegen. Er hat die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht und soll in einigen Jahren als vierte Generation den Betrieb übernehmen. „Uns war es wichtig, dass er seine Ausbildung nicht bei uns im Haus, sondern außerhalb absolviert. Betriebsblindheit kommt mit der Zeit früh genug, zumindest am Anfang wollte ich, dass er auch andere Arbeitsweisen kennenlernt.“ Junge Menschen hätten oft andere, neue Ideen und das sei gut so, meint Feuerstein. Deshalb möchte er seinem Sohn vollkommen offenlassen, in welche Richtung er die traditionsreiche Firma einmal führen möchte.

Jubiläumsfest inkl. Tag der offenen Tür am 15. Mai 2022 ab 10.00 Uhr in Ehenbich!

Weitere Informationen: Feuerstein GmbH

Statt der Kutsche fuhr 1928 erstmals ein Bus mit Verbrennungsmotor zwischen Steeg und Reutte.
Statt der Kutsche fuhr 1928 erstmals ein Bus mit Verbrennungsmotor zwischen Steeg und Reutte.
© Feuerstein
Mit Motor zum Aufkurbeln und Sitzplätzen ohne Verdeck kam er jedoch nicht ganz an den heutigen Fahrkomfort heran.
Mit Motor zum Aufkurbeln und Sitzplätzen ohne Verdeck kam er jedoch nicht ganz an den heutigen Fahrkomfort heran.
© Feuerstein