Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer Christoph Walser
Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer Christoph Walser
Kommentar

Ohne Energie steht alles still

WK-Präsident Christoph Walser
© WK Tirol/Foto Frischauf

„Innovative Ideen sind die einzige Möglichkeit, aus der Krise zu kommen“, ist WK-Präsident Christoph Walser überzeugt.

KOMMENTAR

Wenn etwas übergangslos war, dann der Weg von der Corona- zur Ukraine-Krise. Die Tiroler Firmen geben ihr Bestes, um mit den gegebenen Bedingungen umzugehen. Im Gegensatz zu Politik und Verwaltung sind Unternehmer es gewohnt, zu improvisieren – das ist gerade gefragt wie nie. Aber auch diese Tugend hat ihre Grenzen, wenn sich Lieferprobleme, Personalmangel und Energiekosten zu einer toxischen Mischung vereinen, die alle Kalkulationen über den Haufen wirft.

Diese Verwerfungen kosten schon jetzt Wertschöpfung, verhindern Aufträge und gefährden Arbeitsplätze. Bei aller Solidarität mit der Ukraine ist es gut, dass Österreich klar ein Gasembargo für Russland ablehnt, da die eigenen Schäden größer wären als der erwünschte Effekt. Ein derartiger Schritt wäre ohne Produktionsstillstand und Massenarbeitslosigkeit nicht machbar.

Diese Unsicherheit in der Energieversorgung ist der größte Bremsklotz für die wirtschaftliche Entwicklung. Daher hat dieser Bereich jetzt Priorität und wir müssen sämtliche Stellschrauben in Bewegung setzen. Zum einen brauchen wir Alternativen zu russischem Gas; zum anderen sind spürbare Entlastungen für Betriebe und Private notwendig; und schließlich gilt es, nachhaltige Energien endlich auszubauen, anstatt jedes Wasserkraftwerk und jedes Windrad zu blockieren.

WK-Präsident Christoph Walser

Überhaupt hat Wladimir Putin einiges angestoßen, was er sicher nicht beabsichtigt hat: Die EU spricht erstmals seit Jahrzehnten mit einer Stimme und zeigt Handlungsfähigkeit; der Umstieg auf erneuerbare Energien ist vom Reden ins Tun gekommen; die Rückbesinnung auf regionale Wirtschaftskreisläufe ist endlich mehr als ein Lippenbekenntnis; und die Rückholung von ausgelagerten Produktionen nach Österreich bzw. Europa ist vom Gedankenspiel zu einer ernsthaften Option geworden.

Dass Entschlossenheit und innovative Ideen die einzige Möglichkeit sind, aus der Krise zu kommen, zeigt sich auch in den Beiträgen in dieser Ausgabe. Von der Umstellung der Heizung über eine Belebung der Ortskerne bis hin zur Digitalisierung von Bauverfahren – in all diesen Bereichen stecken Effizienzpotenziale, die es zu heben gilt, um auch in schwierigen Zeiten schwarze Zahlen zu erwirtschaften.

Hoffen wir, dass dieser Krieg bald ein Ende hat. Der Westen – und damit auch der Standort Österreich – wird daraus definitiv gestärkt hervorgehen. Die kritische Situation zwingt uns, wichtige Weichenstellungen jetzt vorzunehmen, die ansonsten noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte gebraucht hätten. Das ist, bei aller Tragik, auch eine gute Nachricht, die mit den aktuellen Ereignissen verbunden ist.

E christoph.walser@wktirol.at

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