Martin (l.) und Daniel Kollnig - die Chefs und Masterminds der sun.e-solution GmbH.
Martin (l.) und Daniel Kollnig - die Chefs und Masterminds der sun.e-solution GmbH.
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Osttiroler Solarstromprofis

Martin (l.) und Daniel Kollnig - die Chefs und Masterminds der sun.e-solution GmbH.
Martin (l.) und Daniel Kollnig - die Chefs und Masterminds der sun.e-solution GmbH.
© Brunner Images

Vom Photovoltaik-Pionier zum Spezialisten für intelligente Sonnenstrom-Lösungen. Die sun.e-solution GmbH in Dölsach zählt mittlerweile zwölf Beschäftigte.

Während seiner mehr als 20-jährigen Tätigkeit im Liebherr-Kühlgerätewerk Lienz war Martin Kollnig beruflich oft in Deutschland und erlebte dort den Boom der Solarindustrie Ende der 1990er-Jahre: „Damals war Deutschland Markt- und Technologieführer in der Photovoltaik, während sich bei uns noch kaum jemand mit diesem Thema auseinandersetzte. Ich habe mich dann aus meinem technischen Interesse heraus immer intensiver mit der Solarstrom-Erzeugung befasst und habe erkannt, dass es in unserer sonnenreichen Gegend eigentlich die viel besseren Voraussetzungen dafür gibt, als dies in den meisten Teilen Deutschlands der Fall ist.“

„So reifte in mir der Gedanke, mich mit einem Photovoltaik-Unternehmen selbstständig zu machen. Schließlich konnten mich auch wirklich interessante Angebote meines Arbeitgebers, für den ich langjährig als Meister tätig war, von diesem Plan nicht mehr abbringen. Ich absolvierte noch eine Solartechnikerausbildung in Wien und gründete schließlich im Herbst 2007 zunächst ein Einzelunternehmen, wobei ich mich anfangs hauptsächlich der Dach-Montage von Solar-Modulen widmete, während damals ein externer Partner für uns die Elektro-Anschlüsse herstellte“, erzählt der Unternehmer.

Komplexe Projekte

„Die damaligen Anlagen waren fast ausschließlich auf die Volleinspeisung in das Stromnetz ausgerichtet, da es dafür ein sehr attraktives Tarifsystem gab. Es hat sich sogar gelohnt, sogenannte ‚nachgeführte‘ Anlagen, bei denen die Module im Tagesverlauf dem Sonnenstand folgen, zu errichten. Heute geht es nicht mehr ausschließlich darum, eine möglichst hohe Stromausbeute zu erzielen. Vielmehr stehen jetzt die Eigenverbrauchsoptimierung sowie die Integration in die ‚smarte‘ Haustechnik einschließlich Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge im Vordergrund.“

„Die Diskussion um einen denkmöglichen Blackout, aber auch die Häufung der bisher zumeist lokal begrenzten Unterbrechungen der Stromversorgung durch die Wetterkapriolen der letzten Jahre hat zudem die Nachfrage nach sogenannter ‚inselfähiger Anlagentechnik‘ enorm gesteigert. Für uns bedeutet dies, dass die Projekte immer komplexer werden und sich dadurch sowohl der Beratungs- als auch der Planungsaufwand ständig erhöhen. Gleichzeitig sind auch unsere Techniker fachlich stark gefordert. Bei uns sind üblicherweise Zweier-Teams in der Lage, die kompletten Anlagen – vom Keller bis zum Dach – zu installieren und in Betrieb zu nehmen.“

Das erfordert Vielseitigkeit und Fachkenntnisse, die weit über jene hinausreichen, die in einer „normalen“ Elektrotechnik-Ausbildung üblicherweise vermittelt werden. „Um auch den künftigen Fachkräftebedarf zu decken, bilden wir Lehrlinge im Lehrberuf ‚Elektrotechnik/Energietechnik’ mit dem Spezialmodul ‚Erneuerbare Energien‘ aus. Es gibt dafür in Tirol nur sehr wenige Lehrbetriebe – in Osttirol sind wir der einzige“, so Martin Kollnig.

Balkon mit integrierter Photovoltaik-Lösung
Diese Exklusiventwicklung für einen Balkonhersteller ist eine effiziente Sonnenstromquelle.
© sun.e-solution GmbH
Zwei Lehrlinge der sun.e-Solution GmbH
Die sun.e-solution GmbH ist auch Vorreiter in der Ausbildung von Energietechniker-Lehrlingen.
© sun.e-solution GmbH

Das 2014 in die ‚sun.e-solution GmbH‘ umgewandelten Unternehmen zählt mittlerweile zwölf Beschäftigte. Die Geschäftsführung teilen sich Betriebsgründer Martin Kollnig und sein Sohn Daniel, Absolvent der Mechatronik-HTL in Lienz. „Heute spielen Elektronik und Netzwerktechnik eine immer größere Rolle in unserer Branche. Daniel ist mit den neuen Technologien aufgewachsen und ist daher in der Lage, das ganze Spektrum der aktuellen Entwicklungen in die Planung und Umsetzung unserer Anlagen einfließen zu lassen,“ freut sich sein Vater.

Zeitgleich mit der Gründung der GmbH erfolgte auch die Übersiedlung von Lienz nach Dölsach, wo ein Betriebsgebäude erworben und adaptiert wurde. „Trotz der großzügigen Dimensionen wird es manchmal hier schon etwas eng, da wir die Lagerhaltung im Zuge der Lieferkettenproblematik deutlich erhöhen mussten. Auf Teile, die früher am Tag nach der Bestellung geliefert wurden, müsste man sonst fallweise monatelang warten.“

In-Dach-Systeme bringen Mehrwert

Die regionale Auftragslage ist sehr gut, weshalb nur sporadisch über das unmittelbare Marktgebiet – Osttirol und Oberkärnten – hinausgearbeitet wird. Der überwiegende Teil der Anlagen wird in Einfamilienhäusern, Landwirtschafts- und Gewerbeobjekten verbaut. „Wir sind dabei sehr darauf bedacht, neben den funktionalen Aspekten auch der Ästhetik Raum zu geben. Außer auf Flachdächern verzichten wir vollständig auf die oft als unschön empfundene Aufständerung der PV-Module. Wo dies möglich und vom Kunden gewünscht ist, bevorzugen wir ‚In-Dach-Systeme‘, bei denen die Photovoltaikanlage fester Bestandteil der Dacheindeckung ist. Das sieht nicht nur gut aus, sondern hat sich in den vergangenen Jahren, als es bei uns Rekordschneehöhen und damit bisher nicht gekannte Schneelasten auf den Dächern gab, hervorragend bewährt.

Blick in die Zukunft

Überhaupt gewinnen BiPV – also gebäudeintegrierte PV-Systeme – zunehmend an Bedeutung, da man nicht nur Dächer, sondern auch Fassaden, Wintergärten und Balkone für die Sonnenstromerzeugung perfekt nutzen kann. So haben wir in Zusammenarbeit mit dem Osttiroler Balkonbauer HIAG Photovoltaik-Balkone entwickelt, die Technik und Design optimal verbinden“, erklärt der Solarstrom-Pionier, der sich auch intensiv mit der Frage beschäftigt, wie die Photovoltaik wesentlicher Eckpfeiler der Energiewende werden kann:

„Eine Voraussetzung ist die Verbesserung der Speichertechnologie. Lithium-Eisenphosphat-Akkus, aber auch Natrium-Ionen-Akkus, die ganz ohne Lithium auskommen, sind vielversprechende Ansätze. Außerdem geht es um die flächendeckende Ladeinfrastruktur und ‚intelligentes Laden‘, damit die E-Mobilität in Schwung kommt. Studien haben gezeigt, dass mit ‚bidirektionalem Laden‘, bei dem der Akku im E-Auto auch als externer Stromspeicher genutzt wird, der Netzausgleich optimal unterstützt wird.“

„Es wird aber auch notwendig sein, dass die Netzbetreiber nicht nur in grenzüberschreitende ‚Stromautobahnen‘ investieren, sondern sich auch mehr um den Ausbau der regionalen und lokalen Versorgungsnetze kümmern, die mancherorts gar nicht dafür ausgelegt sind, den Überschussstrom aus privaten PV-Anlagen aufzunehmen. Überdies gibt es noch viele Stellschrauben, an denen zu drehen ist, damit die vorhandenen Potenziale für die Solarstromerzeugung besser genutzt werden. Ich denke hier etwa an die Mehrfamilienhäuser, bei denen es noch kaum PV-Anlagen gibt, weil es offene rechtliche Fragen und einen hohen Abrechnungsaufwand gibt.“

Weitere Informationen: www.sune-solution.com, sunesolution.blogspot.com

Ladestation für E-Autos
Leistungsfähige Solarstrom-Ladestationen sind die Eckpfeiler der E-Mobilität.
© sun.e-solution GmbH
Dachintegirete PV-Systeme bei einem Einfamilienhaus
Dachintegrierte PV-Systeme sind absolut wetterfest und ersetzen die Ziegel-Eindeckung.
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