Symbolbild CO2
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Panorama

„Energie kennt keine Staatsgrenzen“

Mit der CO2-Bepreisung, die ab 1. Juli eingeführt werden soll, kommt auf heimische Unternehmen eine deutliche Mehrbelastung zu – dabei ist eine erfolgreiche C02-Reduktion nur mit einem globalen Schulterschluss möglich.
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Alexander Gutmann, Obmann der Fachgruppe Energiehandel, erklärt, wie die Versorgung in Österreich sichergestellt wird und wie sich die CO2-Bepreisung auf die Tiroler Betriebe auswirken wird.

INTERVIEW

wirtschaft.tirol: Wir sind es gewohnt, dass Energie normalerweise einfach „da“ ist. Wie kritisch sehen Sie die aktuelle Lage aufgrund des Ukraine-Krieges?

Alexander Gutmann: Die Situation ist, abgesehen von der menschlichen Tragödie vor Ort, auch für unsere Branche extrem. Österreich hat zum Glück vorgesorgt, indem flüssige Produkte wie Diesel und Heizöl für 90 Tage vorrätig sind. Das ist ein großer Vorteil gegenüber anderen Energieformen, wobei wir wissen, dass auch im Erdgas- und Pelletmarkt Pläne zur Bevorratung geschmiedet werden. Von der Versorgungsseite sehen wir auch deshalb kein akutes Problem. Die preislichen Entwicklungen sind hingegen schon eines. Und zwar ein großes.

Welche Schritte sollen Österreich bzw. Tirol setzen, um die Energieversorgung und die Preisstabilität für die Zukunft sicherzustellen? Was ist hier kurz-, was langfristig notwendig?

Wichtig wäre es, unmittelbar die Potenziale bei Erzeugungsanlagen auszuschöpfen. Es gibt eine Vielzahl genehmigter Anlagen (auch in Tirol), die sehr zeitnahe umsetzbar wären. Es scheitert aktuell aber an der Umsetzung des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) bzw. am Abbau der langen Wartelisten für Strom-Einspeisetarife. Langfristig ist eine diversifiziertere Strategie nötig, damit Abhängigkeiten möglichst vermieden werden können.

Wie kann Tirol die angestrebte Energieautonomie erreichen?

Die Energieflüsse oder auch das CO2 kennen keine Staats- oder Gemeindegrenzen. Die Herausforderungen werden nur mit einem Schulterschluss aller zu meistern sein. Das bedeutet, auch einen Blick über die Grenzen hinaus zu wagen. Natürlich gilt es, jegliches Potenzial und damit alle unterschiedlichen Energieformen zu nutzen. Insgesamt denke ich, dass eine Autonomie, auf das Land Tirol beschränkt, ein äußerst ambitioniertes Vorhaben ist.

Soll der Staat Energiepreise stützen?

Ja, in der aktuellen Situation wäre eine befristete Steuersenkung, die tatsächlich allen hilft, wichtig.

Welche Rolle können E-Fuels bzw. Wasserstoff in Zukunft spielen?

Eine essenzielle. Europa hat das fundamentale Problem, dass der Hauptverbrauch im Winter stattfindet und die großen Mengen an erneuerbarem Strom im Sommer produziert werden. Selbst wenn es sich bilanziell ausginge, muss man diese saisonale Verschiebung in den Griff bekommen. Dabei können eFuels sehr dienlich sein. In flüssiger oder gasförmiger Form wird erneuerbarer Strom speicherbar und über weite Strecken transportierbar. Noch dazu können damit volkswirtschaftlich gesehen große Ausgaben eingespart werden, indem Teile des Bestands weitergenutzt werden.

Alexander Gutmann, Obmann der Fachgruppe Energiehandel
Alexander Gutmann

Kommen wir abschließend noch zur CO2-Bepreisung, die ab 1. Juli eingeführt werden soll. Was kommt hier auf die Betriebe zu?

Wieder eine Mehrbelastung. Das tragische daran ist, dass es für einen großen Teil unmöglich ist, dem zu entgehen. Die Systeme sind heute noch nicht soweit, dass etwa ein Installateur seine Flotte auf CO2-neutrale Fahrzeuge umstellen kann.

Wie sehen die Schritte aus?

Mit Juli 2022 führt Österreich einen Preis von 30 Euro pro Tonne CO2 ein, der in den folgenden Jahren steigt: 2023 auf 35 Euro pro Tonne, 2024 auf 45 Euro pro Tonne und 2025 auf 55 Euro pro Tonne. Ab 2026 soll sich der Preis über ein Emissionshandelssystem nach den Klimazielen bzw. deren Erreichung bemessen.

Welche Befreiungen und Entlastungsmaßnahmen gibt es?

Es wird Entlastungen für besonders CO2-intensive Unternehmen geben, die in internationalem Wettbewerb stehen. Darüber hinaus sind Härtefallregelungen geplant, wobei dafür die Vorgaben sehr streng sind.

Was ist in der Umsetzung am wichtigsten?

Dass der Verwaltungsaufwand auf das unbedingt Nötige reduziert und bei den Entlastungsmaßnahmen nachgebessert wird. Kurzfristig ist es sehr wohl, wie von der WKO gefordert, überlegenswert, in der jetzigen kritischen Lage die Einführung der CO2-Bepreisung zu verschieben. Und langfristig ist eine europäische Lösung sinnvoll.

Servicepaket der WK Tirol

Die optimale Energieversorgung ist ein großer Umwelt- und Kostenfaktor für Betriebe. Die Experten der WK Tirol beraten über Energieträger, thermische Sanierungen, erneuerbare Energiequellen sowie Förderungen in diesem Bereich.

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