Nachhaltige Lösungen gegen den Mangel auf allen Ebenen

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Symbolbild Photovoltaikanlage - Energie-Mangel
Symbolbild Photovoltaikanlage - Energie-Mangel
Für den Ausstieg aus fossilen Energiequellen braucht es Projekte bei Wasser, Wind, Photovoltaik sowie den zügigen Ausbau der Übertragungsnetze. Es liegt an der Politik, jetzt die Weichen dafür zu stellen.
© WK Tirol/Christian Vorhofer

Personal, Material, Energie – an allen Ecken und Enden herrscht derzeit Mangel. Die Politik hat es in der Hand, mit wirksamen Maßnahmen die Situation zu verbessern.

Der nahtlose Übergang von der Corona- zur Ukrainekrise bringt die heimischen Betriebe in Turbulenzen. Sie haben derzeit auf allen Ebenen vom Personal über das Material bis hin zur Energie mit massiven Herausforderungen zu kämpfen. Die gute Nachricht ist: Die Situation lässt sich in allen Bereichen einerseits mit kurzfristigen Maßnahmen, andererseits mit langfristigen Lösungen wirksam verbessern – vorausgesetzt, die Politik handelt beherzt.

Fachkräfte dringend gesucht

Der Fachkräfte-Mangel ist schon seit einigen Jahren ein Problem für die Tiroler Betriebe. Corona hat die Situation massiv verschärft. Nach realistischen Erhebungen fehlen allein in unserem Bundesland rund 30.000 Arbeits- und Fachkräfte.

Die Politik kann mit einem Maßnahmenmix die Lage wesentlich verbessern. Neben einer Qualifizierungsoffensive, der Nachjustierung der Zumutbarkeitsbestimmungen und der Einbindung von Frauen und älteren Personen in den Arbeitsmarkt kommt der qualifizierten Zuwanderung besondere Bedeutung zu.

Material: wenig und teuer

Der Material-Mangel ist die zweite große Baustelle für die heimischen Betriebe. „Wir erhalten von Zulieferern teilweise nur mehr Tages- und Wochenpreise, falls sie uns überhaupt ein Lieferdatum nennen können. Das sorgt für Preissteigerung und Unsicherheit – sowohl für Baufirmen als auch für Kunden“, erklärt WK-Vizepräsident und Innungsmeister des Tiroler Baugewerbes Anton Rieder.

Das führt dazu, dass Fixpreise der Situation nicht mehr entsprechen und Gleitpreisregelungen die einzig faire Lösung darstellen. Auch die Preisdeckel für den sozialen Wohnbau lassen ein kostendeckendes Arbeiten für die Firmen nicht mehr zu. Zudem muss bei überbordenden Vorschriften und Normen auf ein vernünftiges Maß zurückgefahren werden, um Kosten zu senken.

Anton Rieder, WK-Vizepräsident und Landesinnungsmeister Bau
Anton Rieder

Energie: nachhaltig statt fossil

Die größte Herausforderung und zugleich die größte Unsicherheit für die Betriebe ist jedoch die Versorgung mit Energie. Das aktuelle Energiepaket ist ein erster Schritt, aber der Entlastung der Haushalte muss eine Unterstützung für die Betriebe folgen, um Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze zu sichern. Schnell wirksame Maßnahmen wären die Senkung der Mineralölsteuer auf das Niveau des EU-Mindestsatzes, eine Strompreiskompensation und eine Energiekosten-Unterstützung für energieintensive Sektoren. Egal wie umfangreich dieses Paket ist – es kann jedoch immer nur die Funktion der Feuerwehr haben und löschen, wo es gerade brennt. Auf lange Sicht muss, um beim Vergleich zu bleiben, in Brandschutz investiert werden. Und der besteht darin, dass die Abhängigkeit von fossilen Quellen, speziell aus Russland, massiv verringert wird.

Österreich will bis zum Jahr 2030 Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien erzeugen. Das Ziel ist klar – der Weg dorthin offenbar nicht. „Das lässt sich nur mit entsprechenden Projekten realisieren“, erklärt Standortanwalt Stefan Garbislander, „und zwar bei Wasser, Wind, Photovoltaik und einem zügigen Ausbau der Übertragungsnetze.“

Vorschläge liegen auf dem Tisch

Dafür braucht es politischen Mut, die Ehrlichkeit, dass sich Klimaschutz nicht mit der Blockade jedes Projektes erreichen lässt, und eine Entrümpelung bei den Verfahren, speziell bei der Umweltverträglichkeitsprüfung. Die Vorschläge der Wirtschaftskammer Tirol liegen auf dem Tisch und reichen von einer strafferen Struktur der Verfahren über Auflagen mit Augenmaß bis hin zur Nutzung digitaler Möglichkeiten.

Die Verfahren sollen fair, rasch und modern sein, aber ohne Schlupflöcher für willkürliche Verschleppungen. Kurz gesagt: Der Ausbau nachhaltiger Energiequellen muss vom Reden ins Tun kommen. Abgesehen von den positiven Effekten für das Klima und der Unabhängigkeit von unverlässlichen Lieferanten bieten sich neue Marktchancen für innovative Tiroler Firmen mit attraktiven „Green Jobs“ für qualifizierte Fachkräfte.

WK-Vizepräsident Manfred Pletzer
Drei Fragen an...Manfred Pletzer WK-Vizepräsident, u.a. zuständig für den Bereich Nachhaltigkeit
WK-Vizepräsident Manfred Pletzer

Österreich will bis 2030 Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen erzeugen. Ist das realistisch?

Ja, wenn die Verfahren massiv beschleunigt und endlich Projekte gebaut werden können. Solange jede Anlage zur Erzeugung sauberer Energie verhindert wird, werden auch der Klimaschutz und die CO2-Reduktion verhindert. Mit Energiesparen alleine sind diese Ziele nicht erreichbar.

Welchen Stellenwert haben Laufkraftwerke?

Der Eingriff in die Natur ist wesentlich geringer als bei Speicherkraftwerken. Auch die Bedeutung für die übersaisonale Grundlastsicherung und die Ergänzung zu Photovoltaik ist wesentlich.

Die Unsicherheit bei Gas ist momentan enorm. Welche Lösungen sehen Sie kurz- und langfristig?

Kurzfristig rate ich, Energie einzusparen und Preise mittelfristig abzusichern. Langfristig ist der Umstieg bei der Wärmeerzeugung auf Wärmepumpe oder Biomasse erforderlich. CO2-freie Gase und Wasserstoff bleiben als Alternative für Industrie und Schwerlastverkehr.