Symbolbild Wohnbau - Immo-Kredite
Symbolbild Wohnbau - Immo-Kredite
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Wohnen in Tirol muss leistbar bleiben

Die Schaffung von leistbarem Wohnraum in Tirol ist und bleibt eine große Herausforderung.
© WK Tirol/Christian Vorhofer

Die WK Tirol fordert, bei den geplanten neuen Vorgaben für Immo-Kredite regionale Gegebenheiten zu berücksichtigen und warnt vor nachteiligen Effekten durch das Bestellerprinzip im Maklergesetz.

Ab Jahresmitte sind Verschärfungen bei Immobilien-Krediten geplant. Dabei geht es beispielsweise um einen höheren Eigenmittelanteil als Grundvoraussetzung, eine Begrenzung der Laufzeit sowie die Deckelung der Kreditrate bei maximal 40 Prozent des Nettoeinkommens. Der Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer, Christoph Walser, kritisiert in diesem Zusammenhang, dass ein wichtiger Aspekt bislang vollkommen außer Acht gelassen wurde: „Wir haben in Österreich extrem unterschiedliche Grundstücks- und Immobilienpreise. Diesem Umstand wird nicht Rechnung getragen. Wenn sich das nicht ändert, droht Menschen, die sich im Westen Österreichs und speziell in Tirol ein eigenes Heim schaffen wollen, eine massive Benachteiligung. Es kann nicht im Sinne der Erfinder sein, dass es beispielsweise aufgrund neuer Eigenmittelvorgaben für eine junge Familie in Tirol nahezu unmöglich wird, einen Immo-Kredit zu bekommen, während das etwa im Burgenland locker zu schaffen wäre.“

Walser schlägt deshalb vor, den jährlich erscheinenden
österreichweiten Immobilienpreisspiegel in die Berechnung von Immo-Krediten miteinfließen zu lassen. „Das wäre ein Lösungsansatz, der zum einen die regionalen Gegebenheiten berücksichtigt und zum anderen weder für die Realwirtschaft noch für die Banken ein erhöhtes Risiko darstellt – denn proportional zur Laufzeit des Kredites erhöht sich auch der Wert der Immobilie“, so der WK-Präsident. Alles andere wäre ungerecht und ließe jungen Familien die Miete als einzige Option, was wiederum den ohnehin überhitzten Mietmarkt zusätzlich befeuern würde.

Bestellerprinzip nicht zu Ende gedacht

Die Tiroler Immobilien- und Vermögenstreuhänder können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die richtige Immobilie mit den passenden Konditionen zu finden. Die Branche ist jedoch bislang mit ihren Argumenten zur derzeit in Begutachtung befindlichen Novelle des Maklergesetzes weitgehend ignoriert worden. Der Berufsgruppensprecher der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in Österreich und Fachgruppenobmann-Stv. in Tirol, Arno Wimmer, ist enttäuscht über das im Gesetzesentwurf enthaltene Bestellerprinzip.

Arno Wimmer
Arno Wimmer

„Wir als Vertreter der Immobilienbranche haben konstruktive Vorschläge zur Einführung des Bestellerprinzips gemacht. Bedauerlicherweise wurden diese kaum berücksichtigt“, erklärt Wimmer und fügt hinzu: „Trotz der negativen Erfahrungen in Deutschland mit der Einführung des Bestellerprinzips im Jahre 2015 wird hierzulande nun ein sehr ähnliches Modell umgesetzt.“

Nachbarland als schlechtes Vorbild

Das erschwert nicht nur die Tätigkeit von Immobilienmaklern, sondern bringt auch erhebliche Nachteile für Mieter. Diese verlieren mit dem Bestellerprinzip nämlich den rechtlichen Schutz, da sie aufgrund der Novelle nicht mehr professionell betreut werden. In Deutschland ersparen sich die Mieter zwar nun die Provision, finden aber immer schwerer Wohnungen.

In unserem Nachbarland lässt sich beobachten, dass das sichtbare Angebot an Mietwohnungen um 40 Prozent zurückgegangen ist, häufig unberechtigte Ablösezahlungen an den Vormieter erfolgen und die Mieten teurer werden. „Für sozial schwächere Mietinteressenten wird es zunehmend schwieriger, eine Wohnung zu finden. Es ist auch ein höherer Leerstand von Wohnungen zu befürchten, was gerade jetzt politisch nicht gewollt sein kann“, warnt der Experte.

Weitere Informationen: Immobilien- und Vermögenstreuhänder Tirol

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