Neue Firmenzentrale der H. Stocker GmbH in Kematen
Neue Firmenzentrale der H. Stocker GmbH in Kematen
Alles Unternehmen

Die Welt der Abgassysteme neu definiert

In Kematen hat die H. Stocker GmbH einen neuen Standort gefunden, der optimal zu ihren Anforderungen passt.
© Photo Art Pardeller

Die H. Stocker GmbH hat einen Meilenstein gesetzt. 2021 zog das Unternehmen, das für innovative Abgassysteme steht und den Kamin vielfach neu erfunden hat, in die neue Firmenzentrale in Kematen.

Dieser Drohnenflug macht richtig Spaß. Selbst ein weniger geschultes Tiroler Auge erkennt im Nu erst die Martinswand, dann den Inn und aus der Ahnung, dass diese Drohne am nordöstlichen Rand der Gemeinde Kematen unterwegs sein muss, wird bald Gewissheit. Dann taucht sie recht abenteuerlich in das Industrie-Gebäude ein, dessen Anthrazit-Hülle so auffallend ist wie beeindruckend. Klar, hell, einladend und ziemlich clever durchdacht wirkt, was der Rundflug im Inneren des Gebäudes offenbart.

Es ist Teil eines drei Bauwerke umfassenden Gebäudekomplexes, in dem Büro- und Präsentationsräumlichkeiten, Lager- und Produktionshallen Platz finden. Doch zurück zum Eingang. Nicht nur der Schriftzug über der Tür, sondern auch die Adresse verrät, um welches Unternehmen es sich hier handelt. Stocker Weg 1 ist die Anschrift. „Dass die Straße umbenannt wurde, ist wirklich schön und zeigt die Wertschätzung von Seiten der Gemeinde Kematen. Wir sind keine Eintagsfliege und wollen den Standort weiterentwickeln“, sagt Gregor Stocker. Seine 30 Mitarbeiter und er sind gekommen, um zu bleiben. Und zu wachsen.

Daniel Düsentrieb-Geist

Gregor Stocker ist Geschäftsführer der H. Stocker GmbH, die seit 1994 den Markt der Kamin- beziehungsweise Abgassysteme konsequent revolutioniert. Die Unternehmensgeschichte ist von einer Art Daniel Düsentrieb-Geist geprägt, der im Jahr 1989 geweckt wurde. „Mein Vater war im baulichen Brandschutz tätig und lernte in diesem Jahr ein Kunststoffkaminsystem aus der Schweiz kennen“, erzählt Gregor Stocker.

Die Idee eines Kaminsystems aus recyclebarem Kunststoffmaterial und die Möglichkeiten, die Hermann Stocker darin entdeckte, ließen ihn nicht mehr los. Er kümmerte sich um die Zulassungen der Systeme in allen neun österreichischen Bundesländern und derart zum Generalimporteur der sogenannten PDVF-Kunststoffsysteme gewappnet, lag der nächste Schritt auf der Hand. Die Gründung eines Unternehmens, um dieser neuen, innovativen Technologie den Weg in die Gebäude zu ebnen. 1994 wurde die H. Stocker GmbH gegründet.

Gregor Stocker begrüßte WK-Präsident Christoph Walser, Bezirksobmann Ibk.-Land Patrick Weber, Bezirksobmann Ibk. Stadt Franz Jirka und WK-Bezirksstellenleiter Stefan Wanner in der neuen Firmenzentrale.
Gregor Stocker begrüßte WK-Präsident Christoph Walser, Bezirksobmann Ibk.-Land Patrick Weber, Bezirksobmann Ibk. Stadt Franz Jirka und WK-Bezirksstellenleiter Stefan Wanner in der neuen Firmenzentrale.
© Stocker

Mit Plastikrohren durchgestartet

„Das System war damals ein absolutes Novum. Kunststoff im Kaminbau zu verwenden war, gelinde gesagt, ungewöhnlich. Da waren wir die Verrückten mit dem Plastikrohr“, erinnert sich Gregor Stocker, der zum Zeitpunkt der Firmengründung gerade mit der Ausbildung fertig war und sich gut an einen der wichtigsten Meilensteine seines Lebens erinnert: „Ich war im Sport verankert und noch beim Militär. Nebenbei habe ich die Buchhaltung des Unternehmens gemacht und da stellte sich die Frage – wie tun wir weiter.“

Klar war, dass Hermann und Gregor Stocker ihre gute Vater-Sohn-Beziehung nicht durch eventuelle Probleme einer unternehmerischen Beziehung auf’s Spiel setzen wollten. Klar war aber auch, dass Vater und Sohn die gleiche Begeisterung für das Unternehmen zeigten und die Visionen teilten. „Es stellte sich heraus, dass sich aus dem sehr guten Vater-Sohn-Verhältnis schnell ein Geschäftsverhältnis auf Augenhöhe entwickelt hat“, beschreibt Gregor Stocker die Basis für den weiteren Erfolgsweg. Schritt für Schritt wurde das anfangs aus drei Personen bestehende Team erweitert, Schritt für Schritt auch das Sortiment ausgebaut. „Wir haben mit 900 Artikeln und einem Kaminsystem begonnen und sind bei 15.000 Artikeln und 16 verschiedenen Abgassystemen gelandet“, so Stocker.

Gregor Stocker

Hinter diesen Zahlen verbergen sich viele richtige Entscheidungen und viele richtungsweisende Innovationen, für die das Unternehmen ziemlich schnell bekannt wurde. Und das, obwohl es gar nicht so leicht ist, mit Innovationen „am Bau“ in die Breite zu strahlen – müssen Planer und Ausführende sie doch nicht nur kennen, sondern auch „können“.

„Wir haben uns schon früh um die Aufklärungsarbeit und Weiterbildung speziell von Rauchfangkehrern gekümmert, damit sie als abnehmendes Organ diese Bauteile und Innovationen auch kennen und keine Berührungsängste haben“, erklärt Stocker den Hintergrund für das umfangreiche Schulungsangebot, das sich parallel zum Portfolio weiter- und mitentwickelte (lesen sie dazu „Der Musterheizraum“).

Stetige Weiterentwicklung

Die Kunststoffkaminsysteme waren ja „nur“ der erste Streich. Schon 1999 erfolgte der Eintritt der H. Stocker GmbH in den Edelstahl-Kaminmarkt, 2002 wurden unter anderem doppelwandige Edelstahl-Kaminsysteme ins Sortiment genommen und zusammen mit dem auf Kaminbau und Kaminsanierung spezialisierten Unternehmer Karl Baumgartner ein Keramik-Edelstahlkaminsystem entwickelt. Das Forschen, Tüfteln und Entwickeln prägte von Beginn an die Dynamik und die DNA des Familienunternehmens.

Laufend wurden Neuheiten aus der Tiroler Ideenschmiede in Österreich, Deutschland und der Schweiz zugelassen. Laufend stieg mit den Neuerungen die Mitarbeiterzahl, laufend stieg auch der Platzbedarf. Mit der Entwicklung und Markteinführung der Stocker Kamin-Ausschleifmasse, des KombiLine F90 Leichtbauschachts und des DWD-Schotts, der die Durchführung für Abgasleitungen und Rauchrohre von Heizungsanlagen mit Festbrennstoffen durch Decken, Wände und Dächer aus brennbaren Baustoffen ermöglicht, wurde der Unternehmens-Grundsatz „One Step Ahead“ eindrücklich unter Beweis gestellt.

Großer Schritt

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, konnte damit doch ein vollständiges Programm für den Neubau und die Kaminsanierung angeboten werden und jedes auch nur erdenkliche Problem im Kaminbau gelöst werden. Mit dem Komplett-System ist es der H. Stocker GmbH gewissermaßen gelungen, das Rad neu zu erfinden. „Wir haben ein paar Dinge anders und diesen leeren Schacht auch für Installationen tauglich gemacht“, sieht Gregor Stocker, der nach der Pensionierung seines Vaters Anfang 2015 das Unternehmen komplett übernahm, darin einen großen Schritt.

Dass „der Markt“ nicht nur wohlwollend, sondern zutiefst überzeugt auf die Abgassystem-Produkte und -Lösungen aus dem Tiroler Haus reagierte, zeigt sich auch daran, dass die Kunden „globaler“ wurden und der Export wichtiger. „Der am weitesten entfernte Kunde sitzt in Neuseeland – am anderen Ende der Welt“, sagt Gregor Stocker und betont: „Das ist schon spannend.“

Neue Zentrale in Kematen

Stimmt. Spannend ist aber auch, was sich in den vergangenen Jahren bei der H. Stocker GmbH getan hat, deren Wachstum sich zuletzt darin zeigte, an bis zu drei Standorten in Innsbruck verankert zu sein. „Wir haben jahrelang nach einem Objekt gesucht, das zu uns und unseren Anforderungen passt. Dann hatten wir das Glück, 2019 den Zuschlag für diese Liegenschaft in Kematen zu bekommen“, erzählt Stocker, wie aus zuletzt zwei Adressen letztlich eine geworden ist.

In Rekordzeit wurde der neue Firmensitz geplant, in Rekordzeit wurde auch gebaut. „Und das mitten im Corona-Wahnsinn“, muss Stocker selbst ein wenig staunen, dass im Juli 2021 alles fix und fertig und um- beziehungsweise eingezogen war – in den neuen Firmensitz, der bald die Adresse Stocker Weg 1 bekam. Beim Flug mit der Drohne, die auf www.stocker-kaminsysteme.com dazu einlädt, wird jedenfalls ziemlich klar, dass die H. Stocker GmbH nach Kematen gekommen ist, um zu bleiben. Und in gesundem Maß zu wachsen.

Weitere Informationen: H. Stocker GmbH

Der Stocker- Musterheizraum

Ein besonderes Highlight in der neu gebauten Halle 3 der H. Stocker GmbH ist der Musterheizraum, der viel Platz und eine offene Ansicht eines Biomasseheizwerks mit Pellets bietet. Im Musterheizraum wird nicht nur dieses zukunftsträchtige System für Partner, Schulen, Innungen, Hafner oder Rauchfangkehrer (be-)greifbar gemacht, sondern auch die Kombination der Systeme – Biomasse, Haustechnik, Kühlen und Photovoltaik – auf eindrucksvolle Weise präsentiert. Das Gebäude selbst verfügt schließlich über ein durchdachtes Energiekonzept, welches als Vorbild beispielsweise für Hotellerie oder Industrie dienen kann und das Gebäude nahezu energieautark werden lässt. Das komplette System ist auf einem Bildschirm innerhalb des Heizraums dargestellt und visualisiert mit den Prozessen ein Stück energieeffiziente Zukunft.

„In tollem Rahmen können an unserem neuen Firmensitz auch Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit unseren Partnern organisiert werden, in denen beispielsweise Contracting, Biomasse, Installation und Haustechnik die Aufhänger sind. Der Kamin ist dann ein Teil davon“, stellt Gregor Stocker zu den kongenialen Partnerschaften fest, deren kombinierte Präsentationen neben Bau-Ausführenden auch Planer und Architekten nach Kematen locken können. Mit Einbindung von Partner-Unternehmen, wie der Hargassner GesmbH, der Gutmann Energiesysteme GmbH oder der Huter Haustechnik GmbH können so zukunftsweisende Innovationen rundum erlebbar gemacht werden.

Grundsätze im Einklang

„Gerade wenn ich an Hotellerie denke, sind das tolle Kombinationen“, sagt Stocker und erklärt: „Man nimmt eine Wärmepumpe für die Grundlastabdeckung, im Sommer auch zum Beispiel für den Wellnessbereich. Aber im Winter, wenn ich Spitzenlast habe und – die Gäste zwischen drei und fünf Uhr von der Piste kommen – hohe Temperaturen sehr schnell brauche, kann ich diesen Energiebedarf mit einer Biomasseheizung abdecken.“

Mit dem Musterheizraum und all den Möglichkeiten, die er für Schulungen oder die Präsentationen von Innovationen bietet, werden die beiden Grundsätze des Unternehmens – „One Step Ahead“ und „You’ll never walk alone“ – ziemlich punktgenau in Einklang gebracht.