Manuel Pichler (l.) wird von seiner Familie kräftig unterstützt.
Manuel Pichler (l.) wird von seiner Familie kräftig unterstützt.
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Alpine Gastlichkeit seit Generationen

Manuel Pichler (l.) wird von seinen Eltern Elisabeth und Christian und seiner Schwester Sylvia Mellitzer - hier mit Ehemann Reinhard und den drei Töchtern - kräftig unterstützt.
© Alpengasthof Pichler

Der familiengeführte Alpengasthof Pichler in St. Veit in Defereggen ist Dorfgasthaus und Anziehungspunkt für naturverbundene Urlauber.

Geradezu der Prototyp eines ursprünglich gebliebenen Tiroler Bergdorfes ist St. Veit im Defereggental – die höchstgelegene Gemeinde Osttirols. So ist es nicht verwunderlich, dass der Ort immer wieder in Kino- und TV-Filmproduktionen zu sehen ist. So manche Szene wurde daher auch schon im Reimmichl-Stüberl des Alpengasthofs Pichler, den Manuel Pichler in vierter Generation führt, gedreht. Für die Betriebsübernahme brachte er die besten Voraussetzungen mit: Nach der Matura an der fünfjährigen Höheren Lehranstalt für Tourismus in Villach ging es nach Dubai, wo er im Luxushotel Burj Al Arab im berühmten Al Mahara-Unterwasserrestaurant als Chef de Rang tätig war. Nach eineinhalb Jahren wechselte er für sechs Monate auf das berühmte Kreuzfahrtschiff Queen Mary 2.

„Ich habe dort ebenfalls als Chef de Rang gearbeitet und hatte das Glück, eine komplette Weltreise mitmachen zu können“, erzählt der Jungunternehmer. Mit bleibenden Eindrücken und viel Erfahrung mit anspruchsvollen Gästen ging es zurück nach Österreich, wo Manuel Pichler die WIFI-Ausbildung zum Diplom-Sommelier erfolgreich absolvierte. Anschließend war er in der Preopening- und Opening-Phase des Fünf-Sterne-Hotels Royal Spa Kitzbühel als F&B-Junior-Supervisor im Einsatz und konnte dort auch seine Kenntnisse als Sommelier erstmals in die Praxis umsetzen.

Ein Betrieb mit Geschichte

Es folgten noch drei Sommersaisonen als Restaurantleiter im Haubenrestaurant „Vincena“ im Dolomitengolf-Hotel in Lavant, bevor er 2011 in den elterlichen Betrieb zurückkehrte und diesen dann 2016 übernahm. Dort betrieben Manuels Urgroßeltern in einem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Gebäude bereits vor mehr als 100 Jahren ein Gasthaus mit immerhin 40 Betten, das aber 1955 vollständig abbrannte. Nur ein aus den Trümmern gerettetes, verkohltes Holzkreuz erinnert heute noch an das alte Wirtshaus. Manuels Großeltern machten sich gleich an den Wiederaufbau; der neue Gasthof hatte dann aber nur mehr 14 Betten. Es ergab sich allerdings die Gelegenheit, ein benachbartes Blockhaus zu erwerben, in welchem nach sorgfältiger Renovierung mehrere rustikale Gästezimmer untergebracht wurden.

Seit der Aufstockung des Haupthauses, in welchem der anfangs bescheidene Wellnessbereich mehrfach erweitert wurde, können maximal 45 Gäste beherbergt werden. Bei der Betriebsübernahme waren die 18 Gästezimmer und die zwei großzügigen Ferienwohnungen allerdings zum Teil in die Jahre gekommen, weshalb Manuel schon 2017 mit umfangreichen Umbau- und Renovierungsarbeiten begann. Zunächst wurden alle Zimmer im Haupthaus neu ausgestattet und die Badezimmer auf den neuesten Stand gebracht. Zwei Jahre später erfolgte die Neugestaltung der Garten- und Außenanlagen, wobei unter anderem eine besonders attraktive Südterrasse entstand. Zuletzt wurden auch die Zimmer im Nebenhaus renoviert. Mit der für den heurigen Herbst geplanten Erneuerung der Speisesäle im Haupthaus sollten die großen Baumaßnahmen vorerst einmal abgeschlossen sein.

„Die Infrastruktur in unserem Bergdorf wurde in den vergangenen Jahren ständig ausgedünnt. Zuerst sperrte das Postamt zu, dann das Lebensmittelgeschäft und schließlich auch noch Bankfiliale und Arztpraxis. So eine Situation bringt natürlich auch ein Dorfgasthaus unter Druck. Wir haben uns für eine Vorwärts-Strategie entschieden, um einerseits weiterhin Kommunikationszentrum und ‚Kirchenwirt‘ für die Einheimischen bleiben zu können und andererseits durch laufende Komfort- und Angebotsverbesserungen die Positionierung als attraktive Sommer- und Winter-Urlaubsdestination und Ausflugsziel zu stärken“, erklärt Manuel Pichler.

Der Alpengasthof Pichler im Dorfzentrum von St. Veit im Defereggental.
Ein stattlicher Berggasthof mit komfortablen Unterkünften und AMA-GenussWirt-Zertifikat - der Alpengasthof Pichler im Dorfzentrum von St. Veit im Defereggental.
© Alpengasthof Pichler

„Bei allen Baumaßnahmen stand uns ein Planer und Koordinator der HOGAST, der unser Haus schon seit langer Zeit kennt, äußerst hilfreich und kompetent zur Seite. Es war uns wichtig, den Charakter eines traditionellen Gasthofes zu wahren, gleichzeitig aber bei der Einrichtung und Ausstattung moderne Akzente zu setzen und die Klassifizierung auf das 3 Sterne-Superior-Niveau anzuheben. Unser kleiner, aber feiner Wellnessbereich mit finnischer Sauna, Dampfbad, Infrarotkabine, Wassertretbecken, einem mit Wasserbetten ausgestatteten Ruheraum sowie einem eigenen Behandlungsraum für Massageanwendungen, die man an zwei Tagen pro Woche buchen kann, wird von den Gästen sehr geschätzt, ebenso die qualitätvolle, kreative Kulinarik.

Wir verarbeiten so viel wie möglich an regionalen Lebensmitteln und sind daher auch als ,AMA GenussWirt‘ zertifiziert. Meine Ausbildung und die Mitgliedschaft im Tiroler Sommelier-Verein schlägt sich in einer sehr ansprechenden Weinkarte und in einer großen Auswahl offen ausgeschenkter Weine nieder. Immer mehr Gäste wissen ein gutes Glas Wein zu schätzen, wobei es stark auf die Präsentation ankommt“. So ist es nicht verwunderlich, dass das Restaurant der Familie Pichler unter Gourmets als Geheimtipp gehandelt wird.

Vom Nationalpark bis zur Piste

Der überall zu verzeichnende Trend zur Verkürzung der Aufenthaltsdauer wurde im Alpengasthof Pichler zwar auch registriert, dennoch gibt es hier doch noch eine Reihe von Stammgästen, die im Sommer zwei Wochen lang bleiben und die Vorzüge genießen, die ihnen der Nationalpark-Partnerbetrieb bietet: Gelebte Nachhaltigkeit, familiäre Betreuung und von kundigen Nationalpark-Rangern geführte Wanderungen. Zahlreiche Wanderrouten beginnen direkt vor der Haustüre, so etwa der besonders familienfreundliche Natur- und Kulturlehrweg „Leben am Steilhang“.

Im Winter locken natürlich die Pisten des weitläufigen und schneesicheren Brunnalm-Skigebiets in der Nachbargemeinde St. Jakob, aber auch die vielfältigen weiteren sportlichen Betätigungsmöglichkeiten, wobei in den letzten Jahren der Tourenskilauf immer mehr an Bedeutung gewinnt. „Wir arbeiten im Skitouren-Bereich sehr erfolgreich mit dem DAV-Summit-Club zusammen, der uns mit vielen, gut gebuchten Terminen in sein Programm aufgenommen hat“, freut sich der junge Unternehmer mit seinen durchschnittlich acht Mitarbeitern. „Eigentlich bräuchte ein Betrieb in unserer Größenordnung bis zu zwölf Beschäftigte, die aber auf dem Arbeitsmarkt nicht zu bekommen sind. Dass wir trotzdem gut über die Runden kommen, verdanke ich meinem fleißigen Stammpersonal und vor allem meinen Eltern, die überall mitanpacken.“

Weitere Informationen: Alpengasthof Pichler