Illustration MPreis-Gelände
Illustration MPreis-Gelände
Alles Unternehmen

Regional verankert in die Zukunft

Auf dem MPreis-Gelände in Völs geht bald Europas größte Single-Stack-Elektrolyseanlage in Betrieb.
© Atelier für Zeitreisen

Ein Jahrhundert MPreis ist Geschichte. Die vierte Generation hat längst die Weichen für die nächsten 100 Jahre gestellt. Geschäftsführer Peter Paul Mölk spricht über Herausforderungen.

INTERVIEW

Im Jahr 2020 feierte MPreis den 100. Geburtstag. Gibt es Ansätze, Zugänge, Herausforderungen, die sich seit 1920 nicht geändert haben?

Peter Paul Mölk: Nicht geändert hat sich, dass die Familie und dieses wertebasierte, generationsübergreifende Denken immer das Fundament des Ganzen war – und ist. Letztendlich war damals schon die regionale Verankerung eine entscheidende Säule. Das Denken in Kreisläufen lässt sich regional einfacher und besser bewerkstelligen, das ist heute ähnlich wie vor 100 Jahren. Da muss man sich nicht verbiegen. Auch der Familienbegriff ist stabil geblieben und wird immer noch als Fundament wahrgenommen. Das Enkeldenken muss nicht erklärt werden. Da werden eben auch nicht so positive Zahlen eines Quartals akzeptiert, weil die Entscheidungen langfristig Mehrwert schaffen.

Trotzdem ist nicht selbstverständlich, dass diese Grundwerte auch in der vierten Generation entscheidend sind für Entscheidungen, oder?

Ja, Übergaben von der dritten auf die vierte Generation sind für Familienunternehmen die herausforderndsten, weil die Familie viel breiter ist. Man ist beispielsweise nicht mehr ersten Grades verwandt und wächst auch nicht mehr so intensiv miteinander auf, sodass man viel mehr am Vertrauen arbeiten muss. An Dingen also, die in den ersten Generationen im natürlichen Familienleben automatisch passierten. Da muss man Möglichkeiten schaffen, das gedeihen zu lassen. Wir sind stark dabei, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir das für die nächsten Generationen noch klarer definieren.

Im Jubiläumsjahr war nicht selten von dieser Mölk’schen DNA die Rede und vom Mut, der die Geschichte des Familienunternehmens prägt. Welche Strategien und anstehende Entscheidungen fordern Mut von der vierten Generation?

Die große Herausforderung ist, dass wir in einem sehr kompetitiven Umfeld sind und es stellt sich die Frage, wie entscheidungsfreudig wir sein wollen. Entscheidungen zu treffen heißt auch, Fehler zu machen. Die Vergangenheit war sicher dadurch geprägt, dass man sehr entscheidungsfreudig war und mutig. Mutig und übermütig liegt aber sehr nahe beinander.

Es ist wichtig, sich dessen, was man tut aber auch der Risiken, die damit verbunden sind, bewusst zu sein. Diesen Risikobewertungen werden wir in Zukunft mehr Aufmerksamkeit schenken müssen, weil es diese Beständigkeit nicht mehr gibt. Die Entscheidungsgrundlagen waren früher einfacher. Wenn wir heute etwas entscheiden, kann das in einem Jahr falsch gewesen sein. Vieles ist im Umbruch, da darf man nicht zu verliebt sein in seine Entscheidungen.

In den vergangenen Jahren haben die MPreis-Märkte Zusatzfunktionen übernommen, die das soziale Leben in den Standort-Gemeinden lebendig halten. Wie wird diese nicht wirklich kleine Verantwortung in die Strategien integriert?

Schon in der Form, dass wir uns dessen sehr bewusst sind und darauf weiter aufbauen wollen. Es ist ja weiter so, dass die kleinen Märkte in den Tälern aussterben und man dazu neigt, am Taleingang große Märkte zu bauen. Ganz gegen diesen Trend haben wir in den letzten 25 Jahren jedes Jahr neue mini-Märkte in den Dörfern eröffnet.

Im miniM-Bereich gibt es zwar nicht das Baguette Café, aber die Sitzecke, wo man einen Kaffee trinken und Leute treffen kann. Schwierig ist, dass wir nicht wissen, wie die neuen Generationen ticken werden. Man weiß nicht, ob die sich noch so treffen wollen, wie wir das getan haben. Doch sehen wir dieses Angebot als USP. Wir haben das Konzept, die Flächen und begeisterte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter draußen. Das werden wir weiter entwickeln.

Peter Paul Mölk
Peter Paul Mölk

Die Expansionsstrategie fällt in Ihren Zuständigkeitsbereich. Wie weit soll es gehen?

Weil wir uns sehr stark über die Region definieren, ist es sehr herausfordernd, über Expansionen, die unserer Stammregion fern sind, nachzudenken. Es kann widersprüchlich wirken. Dass MPreis in Tirol regional ist, ist allen klar. Aber wie funktioniert das in Salzburg oder Oberösterreich? Das müssen wir noch entsprechend nachschärfen. In der Stammregion gibt es schon noch den einen oder anderen Fleck, den wir gerne bedienen würden. Wo wir uns in den nächsten Jahren stark weiterentwickeln werden, ist Südtirol.

Im Jänner 2022 wurde MPreis mit dem zweiten Platz im Greenpeace-Marktcheck ausgezeichnet und ebenso seit Jänner 2022 ist die Bäckerei Therese Mölk Klimabündnis-Betrieb. Das ist zweifellos das Ergebnis eines langen, investitionsreichen Prozesses. Wann wurde damit begonnen?

Ich glaube man kann sich ganz stark mit diesen Themen beschäftigen, wenn man im Kerngeschäft sehr stabil und erfolgreich ist. Dass man sich Nachhaltigkeit leisten können muss ist in der kurzfristigen Perspektive ein Schlagwort. In der langfristigen Perspektive verfolgen wir insofern einen anderen Weg, als dass wir der Meinung sind, dass sich Nachhaltigkeit wirtschaftlich darstellen lässt.

Die größten Beiträge wurden da schon in der dritten Generation geleistet – unter Hansjörg, Anton und Herbert Mölk, die diese Themen sehr stark belebt und mit Inhalten versehen haben. Es ist eine sehr dynamische Entwicklung in sehr vielen Bereichen und wir arbeiten daran, all diese Schritte, die bislang oft im Verborgenen gesetzt wurden, besser zu kommunizieren.

Das Wasserstoff-Engagement von MPreis ist ein Schritt, der vom Ziel richtig großer CO2-Einsparungen getragen wird. Welchen Stellenwert haben diese Schritte in der MPreis-Zukunft?

Im Wasserstoff-Bereich wollen wir auch in die Überzeugungsarbeit gehen. Das ist für uns kein Marketing-Ding. Wir sind überzeugt davon, dass Wasserstoff toll ist und wollen andere davon überzeugen, diesen Weg mitzugehen.

In dem Bereich kommt MPreis weit über die Landesgrenzen hinweg eine Pionier-Rolle zu. Wie ist das passiert?

Das haben Sie schön formuliert – ja, wie ist es passiert? Ich war nicht von Beginn an Feuer und Flamme, aber ich war offen und habe unserem Treiber der ganzen Geschichte, Ewald Perwög, zugehört. Mit dem Argument, dass es vor dem Hintergrund aller bekannten Rahmenbedingungen die schlüssige Notwendigkeit ist, dort zu landen, hat er mich dann aber relativ schnell abgeholt.

Es war uns früh klar, dass es im Schwerlastverkehr eine andere Antriebsform als die Elektromobilität brauchen wird. Nachdem die grundsätzliche Überzeugung da war, war die große Herausforderung, diese Risiken darzustellen. Das war extrem viel Arbeit und auch sehr volatil, weil sich viele Themen – wie rechtliche Rahmen – im Monatstakt geändert haben. Das Projekt ist nach wie vor im Laufen aber schon so weit gediehen, dass wir sagen, das ist eine richtig lässige Sache.

Mehr zu diesem Thema: Ein „grünes“ Pionier-Projekt

Weitere Informationen: MPreis Warenvertriebs GmbH