Europa aus dem Weltraum betrachtet - Symbolbild für Export
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Panorama

Gedämpfte Chancen für Tiroler Exporteure

Weltweit werden die Exportchancen heuer besser eingeschätzt als zuletzt erwartet, zeigt die jüngste Umfrage der Außenwirtschaft Austria.
© iStock

Die größten Export-Chancen für Tiroler Unternehmen liegen heuer in den USA, schwieriger werden könnte es in Europa und Asien.  Das belegt eine Umfrage unter Top-Experten der Außenwirtschaft Austria.

Unsicherheit beherrschte in den letzten Monaten die internationalen Handelsmärkte: Unberechenbar rasch wechselnde Corona-Vorschriften sorgten für zusammenbrechende Lieferketten und massive Preissteigerungen bei Rohstoffen und Logistik. Nachdem sich diese Einschränkungen langsam abschwächten, sorgt der Krieg in der Ukraine seit wenigen Wochen erneut für Ungewissheit. Wie geht es heuer weiter? Die Außenwirtschaft Austria startete eine Umfrage unter ihrem weltweiten Netz an Wirtschaftsdelegierten, das sie gemeinsam mit der Wirtschaftskammer aufgebaut hat, und unter exportierenden Unternehmen.

Österreich wird beneidet um dieses weltweite Netzwerk an Wirtschaftsdelegierten. Es hilft Tiroler Unternehmen nicht nur bei täglichen Problemen im Export, es ist auch ein ausgezeichnetes Konjunkturbarometer. Umso aufschlussreicher ist, was die 70 Wirtschaftsdelegierten und Österreichs Exporteure über die Aussichten für heuer sagen. Der Optimismus der heimischen Exportbetriebe ist zuletzt noch etwas gestiegen: Es wird erwartet, dass sich die Erholung der Weltwirtschaft stabil fortsetzt. Vor allem in Nordamerika und Südost-asien ist die Wirtschaftslage überwiegend positiv.

Noch ist die Corona-Pandemie nicht überstanden. Der angemessene Zukunftsoptimismus setzt sich trotzdem fort. Das allgemeine Wirtschaftsklima der vergangenen zwölf Monate hat sich etwas besser entwickelt, als bei der letzten Umfrage im Jahr 2020 erwartet wurde. Betrachtet man die regionalen Ergebnisse, dann fällt die Entwicklung für die kommenden zwölf Monate in Nordamerika, Asien und Afrika/Nahost am positivsten aus.

Deutschland eher verhalten

Das Stimmungsbild in der EU ist durchaus positiv, liegt aber marginal unter den weltweiten Erwartungen bei der Entwicklung des Wirtschaftsklimas. Bei den großen EU-Kernstaaten Deutschland und Frankreich liegen die Erwartungen unter dem EU-Schnitt. In Deutschland nimmt die Dynamik ab: Für die kommenden zwölf Monate liegt der Überhang der optimistischen Stimmen über die pessimistischen bei nur noch zehn Prozentpunkten. Bei der letzten Umfrage ein Jahr zuvor waren es noch 31 Prozent.

Gudrun Hager
Gudrun Hager

Gute Entwicklung in Italien

Sowohl in den südlichen EU-Ländern (Spanien, Italien, Griechenland) als auch in den drei skandinavischen EU-Ländern und Norwegen ist das Stimmungsbild positiver als im EU-Schnitt. Vor allem in Italien verbessert sich die Wirtschaftslage zusehends. 59 Prozent sind der Meinung, dass sich das Wirtschaftsklima in den vergangenen zwölf Monaten positiv entwickelt hat. Für das kommende Jahr rechnen sogar 70 Prozent mit einer Verbesserung: „Die positive Stimmung in Österreichs zweitgrößtem Wirtschaftspartnerland Italien, das 2021 mit einem Wachstum von +6,3 % Europas Vorreiter sein wird, schlägt sich spürbar bei den österreichischen Niederlassungen nieder. Dies wird auch durch das beeindruckende österreichische Export-Plus von +27,1 % in den ersten neun Monaten 2021 untermauert“, kommentiert Gudrun Hager, Wirtschaftsdelegierte in Mailand.

In den CEE-Ländern (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) zeichnet sich ein durchwachsenes Stimmungsbild ab. Vor allem in Polen und der Slowakei überwiegen die negativen die positiven Ausblicke. Die Erwartungshaltung der Niederlassungen auf dem Balkan ist auch leicht unterdurchschnittlich.

Nordamerika – Stimmung bleibt positiv

Die USA sind neben Deutschland und Italien die Top-Exportnation für Österreich, und das Stimmungsbild heimischer Unternehmen auf diesem Markt ist überwiegend von Optimismus geprägt. Für Kanada sind die Erwartungen noch besser: „Trotz der grundsätzlich positiven Aussichten bestehen weiterhin Risiken für die wirtschaftliche Erholung der USA, etwa längere Verzögerungen in den Lieferketten der Unternehmen und die zuletzt stark steigenden Preise“, warnt allerdings Peter Hasslacher, Wirtschaftsdelegierter in New York.

Asien – die Stimmung dreht ins Positive

Eine deutliche Verbesserung der Wirtschaftslage zeichnet sich in der Region Asien/Pazifik ab. Waren die Bewertungen vor einem Jahr noch ausgeglichen, zeigt die jüngste Umfrage einen Positiv-Saldo von 36 Prozentpunkten. Ein Sonderfall ist Indien: Wurde schon das vergangene Jahr äußerst positiv bewertet, ist die Erwartung beim allgemeinen Wirtschaftsklima in Indien für das kommende Jahr noch höher. Auch in Japan hellt sich das Stimmungsbild auf: „Die Stimmung unter unseren Tochterfirmen steigt wieder deutlich, die strukturellen Probleme Japans wie Bürokratie, schlechte Produktivität und Arbeitskräftemangel bestehen aber weiter“, sagt Ingomar Lochschmidt, Wirtschaftsdelegierter in Tokio.

Michael Berger
Michael Berger

China – die Dynamik verliert an Schwung

Trotz coronabedingter Rückgänge war China mit einem bilateralen Handelsvolumen von rund 14 Milliarden Euro auch im Jahr 2020 mit Abstand der wichtigste Handelspartner Österreichs in Asien und der fünftwichtigste Handelspartner weltweit. Das Stimmungsbild im Land der Mitte trübt sich jedoch ein. Mehr Unternehmen rechnen mit einer Verschlechterung (37 Prozent) der allgemeinen Wirtschaftslage als mit einer Verbesserung (29 Prozent). „Der komplexe chinesische Markt birgt sicherlich viele Herausforderungen und Gefahren. Die größte Gefahr wäre jedoch, überhaupt nicht am chinesischen Markt präsent zu sein“, warnt Michael Berger, Wirtschaftsdelegierter in Peking. (wirtschaft.tirol berichtete: Tiroler Erfolge im Wintersportland China)

Die größten Export-Sorgen

Die Auswirkungen der Pandemie sind für die Unternehmen weiterhin spürbar – wenn auch in anderen Bereichen als im Jahr zuvor. Beim Indikator 2020 war es noch der Umsatzrückgang, der den Unternehmen überwiegend zu schaffen machte. Nun sind es die Lieferengpässe und Probleme mit Lieferanten. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, dass sie davon „sehr stark“ oder „stark“ betroffen ist. Etwa ein Drittel der Unternehmen spürt Einschränkungen durch die Corona-Gesetzgebung (Lockdowns, Reisebeschränkungen, etc.) „sehr stark“ oder „stark“.

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