Symbolbild Agilität
Symbolbild Agilität
Perspektiven

Agilität: Die Kraft der Veränderung nutzen

© Jürgen Priewe - stock.adobe.com

Agilität ermöglicht Unternehmen, schneller auf Veränderungen zu reagieren. Damit sind sie ihren Mitbewerbern einen entscheidenden Schritt voraus. Ein neuer WIFI-Lehrgang vermittelt das Rüstzeug dafür.

Agilität war schon vor Corona ein viel diskutierter Ansatz in der Unternehmensführung. Schon vor zwei Jahren kämpften Betriebe mit sich verändernden Bedingungen – von neuen Ansprüchen von Bewerbern über geändertes Kundenverhalten bis hin zu technologischen Neuerungen. Mit der Pandemie haben sich die Veränderungen potenziert. Es galt, von einem Tag auf den anderen Lockdowns zu verkraften, komplexe Präventionskonzepte umzusetzen, Home Office zu organisieren und digitale Kanäle auszubauen.

Starre Unternehmensstrukturen gerieten dabei schnell an ihre Grenzen. Nun waren es nicht mehr die Großen, welche die Kleinen fraßen, sondern die Agilen, die verkrusteten Firmenstrukturen um Meilen voraus waren und in der Krise sogar neue Chancen erkannten und nutzten. Die Gewinner waren somit jene, welche die Kraft der Veränderung zu ihrem Vorteil einsetzten und nicht jene, die verzweifelt versuchten, sich dagegen zu stemmen.

Traditionelle Arbeitswelt im Wanken

Nach Corona wird sich das nicht ändern. Denn es wird weiter vorkommen, dass eingesessene Unternehmen über Nacht neue Konkurrenten aus bislang unerwarteter Richtung bekommen; dass laufend innovative Produkte und Dienstleistungen entstehen; dass Betriebe mit Anforderungen von Kunden konfrontiert werden, von denen sie kurz zuvor noch nicht einmal etwas wussten; dass die gesamte traditionelle Arbeitswelt ins Wanken gerät, Stichwort New Work. Wenn ein Betrieb weiterhin am unruhigen Markt eine Rolle spielen will, braucht er wendige, dezentrale, mutige Lenk- und Denkmodelle – wie eben das Modell der Agilität.

Das Konzept der Agilität hat sich in den Anfangsjahren dieses Jahrtausends vor allem in der Softwareentwicklung bewährt. In diesem Bereich konnten agile Prozesse ihre Stärke beweisen, wie die unter dem Namen SCRUM bekannt gewordene Methode. Diese Methode wurde auf die Unternehmensführung übertragen und weiterentwickelt. Agilität ist mehr als Flexibilität. Selbst wenn beides „Anpassungsfähigkeit“ meint, ist der Weg dorthin ein ganz anderer.

Flexibel ist die Re-Aktion auf äußere Einflüsse. Immerhin – aber besser ist es, einen Schritt voraus zu sein, und Veränderungen mittels Agilität pro-aktiv anzugehen, noch ehe der Druck von außen kommt und Unruhe im Unternehmen erzeugt. Kurz gesagt: Agieren statt Reagieren bringt jeden Betrieb in eine wesentlich vorteilhaftere Position. Bleibt noch ein Einwand: „Das ist nur was für Großbetriebe.“ Dieser Satz hat sich längst als überholt erwiesen. Auch Klein- und mittelständische Unternehmen verschaffen sich mit agilen Prinzipien einen Wettbewerbsvorteil.

Brandneuer Lehrgang

Und wie lässt sich das jetzt alles lernen und umsetzen? Mit dem brandneuen WIFI-Lehrgang „Agile Unternehmensführung“. „In diesem dreiteiligen zertifizierten Diplomlehrgang erlernen die Teilnehmer das Handwerkszeug, um Unternehmen dabei zu unterstützen, neue Arbeitsformen einzuführen, Teams und Führungskräfte mit dem agilen Mindset auszustatten und das Unternehmen zukunftsfit, anpassungsfähig und innovativer zu machen“, erklären die beiden Trainerinnen Nadine Härtinger und Birgit Enk.

Teil 1 des Lehrgangs befasst sich mit New Work und vermittelt das Basiswissen zum Thema Agilität. Teil 2 taucht tiefer in die Materie ein. Die Teilnehmer lernen mit SCRUM und Kanban agile Methoden praxisnah kennen und erfahren, welche Kriterien es benötigt, um ein Projekt agil abzuarbeiten. Zusätzlich werden analoge und digitale Tools besprochen, mit denen sich die laufende Arbeit visuell darstellen und damit transparent machen lässt.

In Teil 3 geht es um Softskills und das Coaching von Teams. Mit Methoden und Techniken aus der zielführenden Kommunikation und dem Coaching werden den Teilnehmern Instrumente an die Hand gegeben, um auf individueller als auch auf Teamebene professionell zu agieren und persönliche Veränderungen zu ermöglichen. Im Fokus stehen erprobte Methoden zur Teamentwicklung, mit denen es gelingt, eine hohe Eigenverantwortung im Team zu erzielen. Für Projektmanager, die ihre Kompetenzen im Bereich agile Methoden erweitern wollen, bietet das WIFI ein eigenes SCRUM-Seminar an.

Interessiert? Dann holen Sie sich aktuelle Infos zu weiteren Details und Terminen zu allen WIFI-Angeboten im Bereich Agilität unter www.tirol.wifi.at/agil

Nadine Härtinger
Interview mit Trainerin Nadine Härtinger
Nadine Härtinger

Im Interview unterstreicht Trainerin Nadine Härtinger, dass erfolgreiches agiles Arbeiten keine Frage der Unternehmesgröße, sondern eine Frage der Einstellung ist. Agile Führung erhöht die Selbstverantwortung der Mitarbeiter und unterstützt damit die persönliche Weiterentwicklung.

Warum agil?

Die sogenannte VUCA Welt (volatil, unsicher, komplex und mehrdeutig), veränderte Anforderungen der Mitarbeitenden, ein größerer Wettbewerb und laufende Innovationen bedingen eine neue Herangehensweise.

Die Pandemie ist bald vorbei. Wird damit auch agiles Verhalten überflüssig?

Ein wesentlicher Punkt und einer der Hauptwerte im agilen Arbeiten ist Vertrauen. Dieser Wert wurde durch die Pandemie das erste Mal gezwungenermaßen auf die Probe gestellt, mit dem schönen Effekt, dass bereits einige Firmen nicht mehr zu alten Mustern zurückkehren, sondern neue Rahmenwerke (z.B. Homeoffice-Vereinbarungen) beibehalten und somit einen Start für Agilität gesetzt haben.

Sind agile Prinzipien für KMU nicht eine Nummer zu groß gedacht?

Es geht darum, durch kleine agile Interventionen ein neues Verständnis im Unternehmen zu schaffen, wie auf Unsicherheiten, Komplexität und wechselnde äußere Umstände reagiert werden kann. Das gilt für Start-ups und KMU genauso wie für Konzerne.

Wo beginnt Agilität im Betrieb?

Agil zu werden erfordert nicht nur das Erlernen neuer Arbeitsmethoden, sondern auch ein neues Denken. Die innere Einstellung (auch als agiles Mindset bekannt) ist anpassungsfähig, lösungsorientiert und lernt aus Erfahrungen.

Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden?

Mut und den Weitblick der Unternehmensführung, dass die Probleme von heute nicht mit den Methoden von gestern gelöst werden können. Es benötigt kontinuierliches Lernen, Partizipation, Feedback- und Vertrauenskultur und Selbstorganisation. Auf methodischer Ebene sind wichtige Voraussetzungen: Crossfunktionale Teams, agile Zeremonien, gemeinsame Projekträume und neue Rollen.

Was verändert sich im Unternehmen für Führungskräfte und Mitarbeiter?

Agile Führung bedeutet weg vom Delegieren hin zum Coachen: Das heißt, die Mitarbeiter zu befähigen, eigene Entscheidungen im Sinne des Unternehmens zu treffen, Lösungen nicht mehr vorzugeben, sondern aktiv von den Mitarbeitern einzuholen und Selbstorganisation zu unterstützen. Die Verantwortung wird auf mehrere Köpfe verteilt, was auch die Führungskräfte entlastet. Die Mitarbeiter erhalten durch agiles Arbeiten die Möglichkeit, sich mehr denn je mit eigenen Ideen und Lösungsvorschlägen einzubringen, können ganz maßgeblich mitgestalten, sind frei in der Umsetzung und werden in ihrer persönlichen Weiterentwicklung unterstützt.

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