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Anspruch auf bestmögliche Betreuung

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WK-Vizepräsidentin Martina Entner begrüßt, dass der Entwurf zur Novelle des Tiroler Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsgesetzes (TKKG) noch einmal überarbeitet wird.

Das Tauziehen um den Entwurf der Novelle zum Tiroler Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsgesetz (TKKG) war zuletzt recht hitzig geworden. Trotz mancher darin enthaltenen Verbesserungen versprach die in die Begutachtung geschickte Novelle keinen Durchbruch oder Aufbruch. „Weder wird das entsprechende Kinderbetreuungsangebot angestrebt noch ein Anspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr verankert. Die Betreuungszeiten müssen an die Arbeitsrealitäten angepasst werden und den Erfordernissen der modernen Arbeitswelt entsprechen“, hatte Martina Entner, Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft, festgehalten, kurz bevor auch die Landesregierung einsehen musste, dass der Entwurf keinem großen „Wurf“ gleichkommt.

Rechtsanspruch ab dem ersten Lebensjahr

Die Novelle wird nun überarbeitet und dafür bilden die zentralen Forderungen der Tiroler Wirtschaftskammer eine perfekte Ziellinie. „Flächendeckend, flexibel, ganztägig und ganzjährig mit Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr“, bringt Martina Entner das Forderungspaket knapp auf den Punkt und sagt: „Wir brauchen einfach verlässlichere Rahmenbedingungen. Wenn das Angebot nicht vorhanden ist, ist keine Planbarkeit und keine Sicherheit möglich.“

Martina Entner
Martina Entner

Um die Bedürfnisse der so vielschichtigen wie vielfältigen Arbeitswelt abzudecken, ist der so genannte Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf (VIF) eine entscheidende Richtschnur. Der VIF definiert VIF-konforme Betreuungseinrichtungen – also mit der Vollbeschäftigung der Eltern zu vereinbarende, elementare Kinderbildung und -betreuung – als ein entsprechendes institutionelles Angebot definiert durch: qualifiziertes Personal, Öffnungszeiten von mindestens 47 Wochen im Kindergartenjahr, Öffnungszeiten von mindestens 45 Stunden wöchentlich, Öffnungszeiten von Montag bis Freitag, Öffnungszeiten an vier Tagen wöchentlich mindestens neun Stunden und das Angebot von Mittagessen.

Großer Aufholbedarf

Zwar hat sich der Anteil der in VIF-Einrichtungen betreuten drei- bis fünfjährigen Kindern in den österreichischen Bundesländern zwischen 2013 und 2020 beinahe verdoppelt, der Aufholbedarf ist aber weiterhin hoch. Vor Kurzem wurde in einer Studie der Julius-Raab-Stiftung den EU-27 sowie der Schweiz und Norwegen zum Thema „frühkindliche Bildung“ auf den Zahn gefühlt.

Eine Vergleichszahl aus der Studie macht auf eindrückliche Weise deutlich, wie weit es hierzulande fehlt. In Dänemark werden bereits 66 Prozent der unter 3-Jährigen in entsprechenden Einrichtungen betreut. So kommen sie in den Genuss einer frühkindlichen Bildung, die für ihre Entwicklung entscheidend sein kann. In Österreich liegt diese Betreuungsquote bei lediglich 23 Prozent.

Martha Schultz

„Im europäischen Vergleich gibt es in Österreich weniger Angebote zur Kinderbetreuung. Deshalb bleibt die Verantwortung oft bei den Müttern“, sagt Martha Schultz, Präsidentin der Julius-Raab-Stiftung und WKÖ-Vizepräsidentin. Sie skizziert die Konsequenzen: „Die Folgen sind Einbußen bezüglich Karriere, Gehalt und Pension. Um diese Benachteiligungen aufzubrechen, müssen wir eine bundesweite frühkindliche Bildungsoffensive starten. Nur so werden wir es schaffen, Familie und Beruf besser zu vereinbaren und jedem Kind die gleichen Chancen zu geben.“

Gemeinsame Finanzierungslösung notwendig

Knackpunkt für bessere Rahmenbedingungen ist wie so oft die Finanzierung. „Dass die Gemeinden das nicht allein stemmen können, ist uns allen bewusst. Da müssen alle an einer Finanzierungslösung arbeiten, damit wir dieses Ziel erreichen“, nimmt Martina Entner Bund und Länder in die Pflicht.

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