WK-Präsident Christoph Walser
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WK-Präsident Christoph Walser
© WK Tirol/Frischauf

„Es muss uns gelingen, am Virus vorbei an die Zukunft zu denken“, appelliert WK-Präsident Christoph Walser an die Tiroler Unternehmer.

KOMMENTAR

Es macht den Eindruck, als ob sich tatsächlich wieder so etwas wie Normalität ihren Platz zurückerobern würde. Während fast zwei Jahre lang jede ZIB 1 mit Infektionszahlen, Testungen, Impfquoten und anderen Details aus dem Covid-Universum begonnen hat, startet nun die eine oder andere Sendung mit Corona-fernen Themen. Das monatelange „Fahren auf Sicht“ scheint langsam wieder einer weitblickenden Routenplanung zu weichen. Gut, die Spannungen in der Ukraine, ein Vulkanausbruch im Südpazifik oder der Party-Kater von Boris Johnson sind nicht wirklich erfreuliche Nachrichten, aber man kann ja nicht alles haben.

Es muss uns gelingen, am Virus vorbei in die Zukunft zu denken. Die findet zwar auch ohne uns statt, aber es ist zielführender, wenn wir selbst rechtzeitig die richtigen Weichen stellen. Handlungsbedarf gibt es genug. Da sind einmal die von der WK bereits vor einigen Wochen definierten drei Mega-Themen, die Aufmerksamkeit für sich beanspruchen. Der Fachkräftemangel, für den es nicht ein Schnellrezept, aber viele erfolgversprechende Zutaten gibt: Bestehende Potenziale bei Frauen, Migranten oder Pensionisten auszuschöpfen; qualifizierte Zuwanderung zu ermöglichen, anstatt sie mit formalen Hürden unnötig auszubremsen; die steigende Zahl neuer Lehrverträge damit zu belohnen, die duale Ausbildung noch attraktiver zu machen. Am zweiten Mega-Thema, dem Klimaschutz und der Nachhaltigkeit, führt ebenfalls kein Weg vorbei. Entweder wir nutzen die sich neu bietenden Chancen, oder wir laufen der Entwicklung atemlos hinterher. Und ohne Digitalisierung lässt es sich ebenfalls in keiner Branche mehr punkten.

WK-Präsident Christoph Walser

Es ist richtig und wichtig, dass auch die Landesregierung nach vorne denkt und sich mit einer umfassenden Wirtschafts- und Innovationsstrategie befasst. Viele der Themen weisen in die richtige Richtung, ans Ziel gelangen wir aber nur, wenn den Ansagen auch ganz konkrete Maßnahmen folgen. Erfahrene Bergsteiger wissen: Oben wird die Luft dünner und die Schritte werden kleiner. Daran ist nichts falsch, solange man konsequent seinen Weg weitergeht. Nur Stehenbleiben ist keine Option.

Zu tun gibt es noch genug: Die Arbeitsmarktpolitik muss neu aufgestellt werden, Stichwort Anreize; Genehmigungsverfahren müssen raus aus der Bürokratieschleife, Stichwort Geschwindigkeit; das Tiroler Kinderbildungs- und Betreuungs-Gesetz muss zurück an den Start, Stichwort Betreuungsanspruch. Es ist ein gutes Zeichen, dass wir endlich wieder darüber diskutieren, wie wir unsere Zukunft gestalten wollen. Die vorliegende TW geht mit gutem Beispiel voran: Corona kommt vor, aber „auch“ und nicht „nur“. Wir widmen uns der Datensicherheit in Unternehmen, werfen einen Blick auf den Nachhaltigkeitspreis TRIGOS, analysieren den Stand bei der Kinderbetreuung und beschäftigen uns ausführlich mit Bildungsthemen. Schluss mit der Corona-Nabelschau, her mit dem Weitblick!

E christoph.walser@wktirol.at

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