Genau so hat sich Claudia Unterkofler ihre Arbeit als Instrumentenmacherin vorgestellt – selbstständig in ihrer Ein-Frau-Werkstatt in Pradl.
Genau so hat sich Claudia Unterkofler ihre Arbeit als Instrumentenmacherin vorgestellt – selbstständig in ihrer Ein-Frau-Werkstatt in Pradl.
Alles Unternehmen

Altes Handwerk, junge Meisterin

Genau so hat sich Claudia Unterkofler ihre Arbeit als Instrumentenmacherin vorgestellt – selbstständig in ihrer Ein-Frau-Werkstatt in Pradl.
© WK Tirol

Geige, Gambe, Bratsche. In vielen Arbeitsschritten stellt Claudia Unterkofler Barockinstrumente voller Klangschönheit her. Sie ist eine der wenigen, die dem alten Handwerk neues Leben einhaucht.

Wir betreten den Innenhof eines Mehrparteienhauses im Innsbrucker Stadtteil Pradl. Claudia Unterkofler begrüßt uns als ihre Gäste und heißt uns in ihrer Werkstatt willkommen, die sich über zwei gemütliche Räume erstreckt. An der Wand hängen Bilder, ein Meisterbrief, Geigenbögen und unzählige Werkzeuge. Auf der Werkbank liegen Claudias Katze und die Decke einer Geige, die gerade den richtigen Schliff bekommt. Nebenan stehen vier Geigen zur Reparatur bereit und eine frisch genetzte Bratsche trocknet gerade, um später noch einmal mit Schleifpapier bearbeitet zu werden.

Die Geige wird von Claudia Unterkofler abwechselnd befeuchtet und geschliffen.
Altes Handwerk, junge Meisterin

Wanderjahre

Claudia Unterkofler spielte schon als Jugendliche selbst Geige. Mit 16 Jahren war für die gebürtige Telferin klar, dass sie diesen Beruf erlernen und ausüben will. Nach der Matura verbrachte sie schließlich neun Lehrjahre als Geigenbauerin in Italien und lernte das Handwerk von der Pike auf. Sie absolvierte die Internationale Geigenbauschule in Parma und arbeitete mit Geigenbauern in Cremona und Padua zusammen. Nach einem Universitätslehrgang für den Bau von Barockinstrumenten und einem Praktikum in der Tiroler Landeshauptstadt legte sie in Innsbruck schließlich die Meisterprüfung ab. 2009 setzte die Instrumentenmacherin ihren Traum um und machte sich mit ihrer Ein-Frau-Werkstatt selbstständig. „Meine besondere Leidenschaft gilt hier der Barockmusik“, so die Meisterin und baut hier auch Geige, Bratsche und Cello in barocker Form mit Darmseiten. „Das geht mir einfach unter die Haut und hier kann ich mich künstlerisch mehr ausleben als bei modernen Instrumenten.“

An der dicksten Stelle ist das Holz am Ende nur mehr drei Millimeter dick.
© WK Tirol

Von Schnecke bis zum Endknopf

Rund 120 Stunden braucht Claudia Unterkofler, bis alle Teile gemacht, zusammengefügt und lackiert und die Saiten aufgezogen sind. Wer eine neue Geige braucht, benötigt also etwas Geduld. Derzeit beträgt die Wartezeit rund ein Jahr. Denn dazu kommen noch der Bau von Bögen, Reparaturen und der Service für Instrumente.

Den oberen Abschluss von Claudia Unterkoflers Gambe bildet ein fröhlicher, geschnitzter Kopf.
Den oberen Abschluss von Claudia Unterkoflers Gambe bildet ein fröhlicher, geschnitzter Kopf.
© WK Tirol

Für die Decken – die Oberseite – aller Saiteninstrumente verwendet man Haselfichte, also speziell gemaserte Fichtenstämme. Die Instrumenten-Decke ist die Seele der Geige. Es geht um Zehntel-Millimeter, wenn Claudia Unterkofler mit einem winzigen Wölbungshobel noch etwas Holz von ihrem Streichinstrument abnimmt. Viele Stunden sitzt sie daran und hobelt feinste Holzspäne ab. „Am Ende ist das Holz in der Mitte – an der dicksten Stelle – noch drei Millimeter dick und so biegsam, dass es beim Spielen in Schwingung kommt.“ Nachdem die Decke fertig bearbeitet ist, geht es an den Boden und die Zargen. Diese sind aus Ahornholz.

Jede Epoche hat ihren Bogen.
Jede Epoche hat ihren Bogen.
© WK Tirol

Zukunft

„Meine Kundinnen und Kunden sind die besten auf der ganzen Welt. Ohne sie hätte ich es in den letzten 13 Jahren nicht so weit gebracht. Ich hoffe, das bleibt so und vielleicht kann ich auch weiterwachsen“, blickt Claudia Unterkofler optimistisch in die Zukunft. „Denn der Instrumentenbau ist genau das, was ich machen will und das mir jeden Tag Freude bereitet.“ Dann klingelt es an der Tür. Eine Kundin braucht spezielle Saiten und einen Bogenbezug und es geht weiter an die nächste Aufgabe.

Weitere Informationen: streichinstrumentenbau.at