Walter Eberl mit einem Schauelement seines patentierten Thermosockels.
Walter Eberl mit einem Schauelement seines patentierten Thermosockels.
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Neuer Schub für den Holzbau

Walter Eberl will mit seinem neuartigen „Thermosockel“ dem Holzbau einen kreativen Impuls verleihen und auch international reüssieren.
© Michael Riedler

Tirol ist ein Holzbauland. Und immer wieder entwickeln die Unternehmen im Land auch tolle Innovationen. Ein Beispiel dafür ist die Zimmerei Eberl in Mayrhofen.

Holzbau ist „in“. Doch Holzbau erfordert auch spezielle Sorgfalt und hat seine speziellen Herausforderungen. So ist es etwa bei Holzriegelwänden und Brettsperrholzwänden ein Problem, Holz unterhalb des Bodenniveaus zu verbauen: Die Ö-Norm 2320 verbietet dies. Damit ist es schwierig, barrierefreie bodengleiche Eingänge zu errichten. Und generell erfordert der Holzaufbau auf einem Betonfundament das Zusammenspiel vieler Handwerker und Baustoffe (Beton, Blech, Holz) sowie viel Sorgfalt. Der Übergang vom Fundament oder Keller zu aufgehenden Holzwandkonstruktionen ist heikel. Schwer sanierbare Bauschäden sind dann immer wieder die Folge.

Der Zillertaler Walter Eberl, ein großer Tüftler in Sachen Holz, fand dazu eine Lösung: Er hat einen „Thermosockel“ entwickelt, der sämtliche Baunormen erfüllt, bauphysikalisch geprüft und freigegeben ist, beste Dämmwerte aufweist und einfach zu montieren ist.

Recyclingbaustoffe

Die Thermosockel-Elemente von Eberl bestehen unter anderem aus zwei Recyclingbaustoffen. Das tragende Gerüst besteht aus Purenit, einem hochverdichteten Werkstoff auf PUR-Hartschaumbasis. Ausgefüllt wird es mit thermisch behandeltem Altglas. Das Ergebnis ist ein Sockel in der Standardbreite für Holzbauten (16 bzw. 20 Zentimeter) – eine perfekte Alternative zu einem Betonsockel. Er kann sehr gut auch bei Sanierungen eingesetzt werden, ist vorteilhaft für Gebäude ohne Vordächer und kann auch eine sonst notwendige Geländeabsenkung vermeiden helfen. Das bedeutet bis zu 30 Zentimeter zusätzliche Gebäudehöhe. Und nicht zuletzt: Auch der Wert der Immobilie steigt.

Wie Eberl, der 1997 die Zimmerei von Hans Erler in Tux übernommen hat, auf diese Innovation kam? „Ich wollte immer schon einen Vorsprung an Wissen haben, das war immer schon ein Steckenpferd von mir. Ich habe deshalb 2015 den Universitätslehrgang ,überholz‘ absolviert“, berichtet Eberl. überholz ist eine berufsbegleitende, interdisziplinäre Ausbildung für Architekten, Tragwerksplaner und Holzbauer – ein Kooperationsprojekt der Kunstuniversität Linz mit dem Holzbaucluster und dem Vorarlberger Weiterbildungszentrum Schloss Hofen. Eberl schloss die Ausbildung mit dem Master ab, und seine Masterarbeit beschäftigte sich mit dem Thema Abdichtung von Holzbauwerken. Dabei entstand der Thermo-Sockel quasi als Nebenprodukt.

Stefanie Eberl
Stefanie Eberl, Tochter des Firmenchefs, mit dem Foto eines Referenz-Projekts: Die Mayrhofner Zimmerei hat das „Kasermandl“ im Skigebiet Mayrhofen/Penken ausgerüstet.
© Michael Riedler

Jetzt will Eberl, der u. a. auch gerichtlich beeideter Sachverständiger für Zimmereiarbeiten ist, mit seiner Innovation dem Holzbaumarkt neue Impulse geben. Der Thermosockel ist bereits in Österreich patentiert, die Verfahren für ein europäisches Patent laufen. Im Bergrestaurant „Kasermandl“ im Skigebiet Mayrhofen/Penken konnte Eberl die Thermosockel-Technologie bereits erfolgreich einsetzen, und erste Tiroler Holzbauer setzen auch schon auf die Zillertaler Innovation: so der innovative Holzbauer Heim aus Terfens als Lizenznehmer, wie Eberl berichtet.

Das Marktpotenzial des Thermosockels sei riesengroß, meint er. Aus diesem Grund nutzte Eberl auch die Möglichkeiten des letzten Exporttags der Wirtschaftskammer in Innsbruck, um sich bei den österreichischen Wirtschaftsdelegierten zu informieren, über Marktchancen und über mögliche geschäftliche Kontakte. Vor allem in Frankreich und Norwegen gebe es Potenzial, sagt Eberl.

Forschungspartner

Die Sockelelemente sind bereits verfügbar und können über die Schwesterfirma Bautechnik Eberl GmbH bezogen werden. Die notwendigen Prüfungen für die Verwendbarkeit sind vorhanden. Die Thermo-Sockel können auf Maß bei Eberl vorgefertigt werden, die Arbeiten auf der Baustelle sind dann relativ flott erledigt. An der Weiterentwicklung arbeitet Eberl mit der Holzforschung Austria zusammen, die schon die bisherige Entwicklung begleitet hat. Eberl lobt hier das Zusammenspiel mit der Holzforschung Austria, der TU Graz, dem Austria Wirtschaftsservice (aws) und dem unbürokratischen Service, etwa der Prüfanstalt bvfs in Salzburg.

Die Zimmerei Eberl kann so zusätzlich zu ihrem Leistungsspektrum (Dächer, Balkone, Brücken, Carports, landwirtschaftliche Gebäude, Gewerbeobjekte bis hin zu privaten schlüsselfertigen Wohnhäusern) auch innovative neue technische Möglichkeiten anbieten. „Holz ist ein sehr beliebter und geschätzter Baustoff. Um ihn aber auch richtig einzusetzen, benötigt man allerdings eine Menge Know-how“, sagt Eberl: „Wir sind dafür bestens ausgebildet, auch unsere Mitarbeiter werden ständig geschult.“

Die Zimmerei Eberl beschäftigt derzeit sieben Mitarbeiter, bildet auch zwei Lehrlinge aus, davon ein Mädchen. Personalmangel sei derzeit das brisanteste Thema der Branche, sagt er: „Das ist schade, denn Holzbau ist eine wirklich schöne Arbeit und ein toller Beruf mit Zukunft.“ Für diese Zukunft wurde Eberl von der Holzforschung Austria auch dazu eingeladen, an innovativen technischen Lösungen etwa im Bereich Schallschutz für Dächer mitzuarbeiten.

Weitere Informationen: Zimmerei Eberl