WK-Präsident Christoph Walser, WK-Bezirksobmann Innsbruck-Stadt Franz Jirka (l.) sowie WK-Bezirksobmann Innsbruck-Land Patrick Weber (r.) beim gemeinsamen Jahresrückblick.
WK-Präsident Christoph Walser, WK-Bezirksobmann Innsbruck-Stadt Franz Jirka (l.) sowie WK-Bezirksobmann Innsbruck-Land Patrick Weber (r.) beim gemeinsamen Jahresrückblick.
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Lösungen für erfolgreiches Wirtschaften 2022

WK-Präsident Christoph Walser, WK-Bezirksobmann Innsbruck-Stadt Franz Jirka (l.) sowie WK-Bezirksobmann Innsbruck-Land Patrick Weber (r.) beim gemeinsamen Jahresrückblick.
© WK Tirol/Die Fotografen

Die Politik sollte auf die Professionalität der Betriebe vertrauen und die Weichen für künftige Herausforderungen stellen, erklären der WK-Präsident sowie die Bezirksobleute Innsbruck Stadt/Land.

Das neue Jahr startet mit der nächsten Herausforderung für die Tiroler Wirtschaft: der Ausbreitung der Omikron-Variante. Trotzdem steht für Präsident Christoph Walser fest: „Wir haben jetzt fast zwei Jahre Erfahrung mit dem Virus. Die Betriebe haben ihre Hausaufgaben gemacht und umfassende Präventions- und Sicherheitskonzepte umgesetzt.“ Die Wirtschaft ist definitiv kein Treiber der Infektionsentwicklung – das bestätigen die laufenden Auswertungen der AGES.

„Ich erwarte mir, dass die Politik der Professionalität der Betriebe vertraut und sie in ihre Entscheidungen miteinbezieht“, erklärt der Präsident, „die Kombination aller verfügbaren Maßnahmen – von der Impfung über das Testen bis hin zu den bewährten Hygieneregeln – muss ausreichen, um die Entwicklung zu kontrollieren.“ Von der Politik fordert Christoph Walser frühzeitiges Gegensteuern, zeitgerechte und verständliche Verordnungen sowie faire Entschädigungsmodelle für besonders betroffene Branchen.

Träger der Wirtschaft

Die vergangenen beiden Krisenjahre wirkten sich auf die Wirtschaftssektoren völlig unterschiedlich aus. Als Träger der Konjunktur haben sich die exportorientierte Industrie, das Gewerbe sowie die Bauwirtschaft erwiesen, während der Tourismus und andere Dienstleister massive Einbußen hinnehmen mussten. 40 Prozent der gesamten Wertschöpfung Tirols werden mit wirtschaftsbezogenen Dienstleistungen erzielt.

Daher ist unser Standort im Bundesländervergleich von Corona überdurchschnittlich betroffen. Die Pandemie hat in Summe eine entgangene Wertschöpfung von rund fünf Milliarden Euro verursacht. „Nach der Durststrecke im Winter ist wie in den beiden Vorjahren aufgrund des abnehmenden Infektionsgeschehens in der wärmeren Jahreszeit mit einer Erholung zu rechnen. Speziell in den Sommermonaten erhält der Tiroler Tourismus neue Chancen als Corona-sichere Destination“, ist Walser überzeugt.

Flexibel und widerstandsfähig

„Darüber hinaus müssen wir jetzt die Weichen für die großen Herausforderungen der Zukunft stellen. Dazu gehören der Fachkräftemangel, der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und die Digitalisierung“, erklärt Walser. Aktuelle Umfragen der WKO belegen, dass der Fachkräftemangel und die massiven Verteuerungen bei den Energiepreisen die größten Probleme für die Betriebe darstellen. Der Standort Tirol bringt beste Voraussetzungen mit: „Unsere mittelständischen Unternehmen sind flexibel und widerstandsfähig, unsere Fachkräfte verfügen über top Qualifikationen und der Faktor Sicherheit ist in Zeiten wie diesen ein handfester Wettbewerbsvorteil“, so Walser. „Jetzt kommt es darauf an, dass wir die gesellschaftlichen Corona-Gräben möglichst bald überwinden und die anstehenden Aufgaben gemeinsam meistern“, betont der Präsident.

Rückblick und Ausblick Innsbruck-Stadt

Mehr als 19 Prozent aller Tiroler Betriebe – ganze 10.642 Unternehmen – sind im Bezirk Innsbruck-Stadt ansässig. Eine Vielfalt, die es auch in Zukunft aufrechtzuerhalten gilt. „2021 war für die Innsbrucker Wirtschaft jedoch erneut ein herausforderndes Jahr. Es hielt spannende, aber auch heikle Themen bereit, welche mich auch in nächster Zeit noch begleiten werden“, resümiert WK-Bezirksobmann Franz Jirka.

Die Rossau ist und bleibt ein Sorgenkind. Das Gewerbegebiet weist einen abwechslungsreichen Branchenmix auf, mehr als 650 Firmen beschäftigen über 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Daraus resultieren dementsprechend hohe Summen an Kommunalsteuern, welche wiederum der Stadt Innsbruck zugute kommen. Doch warum wird dieser Stadtteil so stiefmütterlich behandelt? „Die dortige Verkehrssituation ist nach wie vor chaotisch und die Stadt ist nicht fähig, ein durchdachtes Konzept zu entwickeln“, kritisiert Jirka und ergänzt: „Wir müssen die Abwanderungen von Betrieben stoppen. Das gilt übrigens nicht nur für die Rossau, sondern für die gesamte Landeshauptstadt. Neben infrastrukturellen Maßnahmen müssen auch innovative Anreize für Unternehmen geschaffen werden.“

Positiv zu erwähnen: Der Anschluss der Rossau an das städtische Verkehrsnetz soll voraussichtlich bis Ende 2022 adaptiert und deutlich verbessert werden. Erste Schritte wurden also bereits gesetzt, nur das Tempo lässt zu wünschen übrig. Jirka spricht in diesem Zusammenhang allerdings ein großes Lob an die beiden Unternehmer Dieter Unterberger und Markus Dax aus, die sich engagiert für die Rossau einsetzen und mit Veranstaltungen auf die prekäre Lage aufmerksam machen. In weiterer Folge setzt sich Jirka für eine Verdichtung in diesem Stadtteil ein, die Infrastruktur müsse davor aber dringend verbessert werden.

Der Dauerbrenner Verkehr ist weiterhin in ganz Innsbruck ein schwieriges Thema. Im vergangenen Jahr wurde dieser wieder durch zahlreiche städtische Baustellen erschwert. „Mir ist bewusst, dass Baustellen ein notwendiges Übel sind, um die Infrastruktur zu erhalten“, so Jirka. Auch im kommenden Jahr sind überdurchschnittliche viele Baustellen angekündigt,  jedoch hat sich der Informationsfluss zwischen den Behörden, den Baufirmen und der WK-Bezirksstelle in den vergangenen Monaten deutlich verbessert.

Die Neugestaltung des Bozner Platzes ist definitiv notwendig, aber immer noch nicht fertig gedacht. Die über den Bozner Platz befahrbare Citygarage, welche über 800 Stellplätze beherbergt, muss weiterhin erreichbar bleiben, um Besuchern aus den Umlandgemeinden eine Parkmöglichkeit zu bieten. „Wenn der Platz fertig ist, sind weitere Umbauarbeiten für die nächsten Jahrzehnte gestorben. Eine Verlegung der Tiefgarageneinfahrt sollte im Zuge des Neubaus der Tiroler Versicherung einhergehen“, fordert Jirka abschließend.

Rückblick und Ausblick Innsbruck-Land

„Rückblickend hat sich 2021 einmal mehr gezeigt, dass die hohe Durchmischung der Sparten dem Bezirk Innsbruck-Land in Summe relativ stabile Zahlen bescherte“, fasst Bezirksobmann Patrick Weber 2021 zusammen und ergänzt: „Doch auch, wenn der Bezirk bisher mit einem blauen Auge davongekommen ist, müssen wir lernen, mit der Pandemie umzugehen, ohne die Betriebe an den Rande der Existenz zu bringen – es darf keine weiteren Schließungen geben.“

Für die von der Krise betroffenen Betriebe kommt der Arbeitskräftemangel erschwerend hinzu. Es braucht dringend stärkere Anreize für Arbeitslose, um die Problematik wirkungsvoll zu bekämpfen. Dazu gehört die Aktivierung verfügbarer Potenziale, etwa bei Frauen, Migranten und älteren Personen. Auch die harten Kriterien der Rot-Weiß-Rot-Karte sollten beispielsweise gelockert werden. Damit neben einer einschlägig abgeschlossenen Berufsausbildung auch ein Praxistest und langjährige Berufserfahrung anerkannt werden. Im Bereich der Jugendlichen braucht es eine weitere Aufwertung des berufspraktischen Systems, flächendeckende Potenzialanalysen und eine verstärkte Berufsorientierung. „Im Bezirk Innsbruck-Land stehen im kommenden Jahr wieder zahlreiche Veranstaltungen am Programm, um junge Leute über Bildungs- und Berufsmöglichkeiten zu informieren und für eine Lehre zu gewinnen. Das hilft den Jugendlichen und langfristig auch unseren Betrieben“, berichtet Weber.

Die bevorstehenden Gemeinderatswahlen am 27. Februar sieht die WK-Bezirksstelle Innsbruck-Land als Chance, um den Wirtschaftsstandort zu stärken. „Über Raumordnungskonzepte, Flächenwidmungspläne oder neue Gewerbegebiete wird vor Ort in den Kommunen entschieden und nicht in Wien oder Brüssel“, verweist Weber auf die große Verantwortung der Gemeinden. Mit 63 Gemeinden ist der Bezirk Innsbruck-Land einer der größten in ganz Österreich. „Uns als WK ist es dennoch wichtig, zu allen Bürgermeistern einen guten Kontakt zu pflegen, um bei diversen Anliegen der Betriebe gemeinsame Lösungen auf den Weg zu bringen“, so Weber.

Mit dem LEADER Projekt stellt die EU Fördergelder zur Entwicklung ländlicher Wirtschaftsräume zur Verfügung. Die Koordination der regionalen LEADER Projekte übernimmt eine lokale Aktionsgruppe, die sogenannte LEADER Region. In Österreich gibt es bereits 77 solcher Regionen und mit dem Förderjahr 2023 wird es auch im Bezirk Innsbruck-Land eine geben. Dazu haben sich alle Gemeinden aus dem Bezirk zusammengeschlossen, außer dem Wipptal, welches bereits eine LEADER Region ist, um gemeinsam an der Bewerbung zu arbeiten. 2022 wird diese Kooperation in einem gemeinsamen Verein beschlossen und an der strategischen Ausrichtung gearbeitet. „Auch die Bezirksstelle ist Teil des Vereins, um auch die Interessen der heimischen Wirtschaft zu vertreten und künftig an der Entwicklung zahlreicher Initiativen mitzuwirken“, blickt Weber motiviert in die Zukunft.