im Labor der Dr. Gernot Walder GmbH
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Labor Walder: Expertise im Bergdorf

Eine heikle Arbeit: Das Extrahieren der bis zu 3.000 täglich angelieferten Proben. Sicherheitsschleusen, Klimatisierung und Reinraumatmosphäre gewährleisten höchstmögliche Sicherheit.
© Dr. Gernot Walder GmbH

Nicht erst seit Corona ist das „Berglabor“ von Dr. Gernot Walder in Außervillgraten Garant für höchst professionelle Labordiagnostik und Forschung abseits der Ballungszentren.

Auf Steilhängen betriebene Landwirtschaft, bescheidener Tourismus, ein Lebensmittelgeschäft und ein paar Handwerksbetriebe – auf den ersten Blick ist Außervillgraten mit knapp 750 Einwohnern von der Wirtschaftsstruktur her gesehen eine typische Osttiroler Berggemeinde. Doch eine Besonderheit gibt es hier: Auf 1.500 Metern Seehöhe betreibt Gernot Walder das sicherlich höchstgelegene mikrobiologische Labor Österreichs.

Ungewöhnlich wie der Standort ist auch der berufliche Werdegang des Betreibers: „Ich habe zunächst in Innsbruck das Chemie-Studium erfolgreich absolviert; mein besonderes Interesse galt schließlich der Mikrobiologie, wobei ich mich beispielsweise mit dem Abbau von Bodenschadstoffen durch Bakterien und Pilze beschäftigte. Neben meinem damaligen Vollzeitjob als Assistent am Institut für Mikrobiologie der Uni Innsbruck habe ich sozusagen im zweiten Bildungsweg von 1995 bis 1999 Medizin studiert.“

„Ich wechselte dann in das Department für Hygiene, Mikrobiologie und Sozialmedizin der Med-Uni Innsbruck, wo ich auch die Facharztausbildung absolvierte und mit meinem Team in der Serologie sehr erfolgreich Zoonosen, also von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten, erforscht habe. Parallel dazu war ich aber auch noch als Notarzt tätig. An der Uni fehlten damals die Mittel für ein ‚L3-Labor‘, in welchem man Viren und Bakterien zu Forschungszwecken züchten darf, und so reifte der Entschluss, mir selbst ein solches Labor in meinem Elternhaus in Außervillgraten einzurichten. Die bürokratischen Hürden waren enorm, aber 2010 lagen dann alle Genehmigungen für das inzwischen fertige Labor vor, so dass ich dort mit einem kleinen Mitarbeiterteam starten konnte“, erzählt Gernot Walder, der seither auch über die Gewerbeberechtigung „Chemische Laboratorien“ verfügt und damit WK-Mitglied ist.

Intensives Monitoring

Neben der Infektionsdiagonistik blieb weiterhin die Beschäftigung mit den Krankheitserregern, die vor allem durch Vektoren – also etwa Zecken, Nagetiere und Stechmücken – auf Menschen übertragen werden können, ein wichtiges Betätigungsfeld, auf dem international anerkannte Expertise aufgebaut werden konnte. Davon zeugt der rege Austausch mit vielen, nicht nur europäischen Forschungsstätten und Universitätsinstituten und eine Vielzahl von Publikationen.

Schon während der Tätigkeit an der Universität begann Walder mit Südtiroler Kollegen, die Verbreitung invasiver Stechmückenarten in den Alpen zu erforschen. Gemeinsam mit dem Land Tirol betreibt er seit 2016 ein intensives Monitoring bezüglich der Verbreitung von Tigermücken sowie japanischen und koreanischen Buschmücken, die allesamt gefährliche Krankheitserreger weitergeben können. Im Gegensatz zu den genannten Mücken und den schon im Hochgebirge heimisch gewordenen Zecken war für die weltweite Verbreitung der Corona-Viren nicht der Klimawandel, sondern die Mobilität der Menschen treibende Kraft.

Hochqualifizierte Labormitarbeiter – überwiegend Frauen – sorgen mit modernster technischer Ausstattung für präzise und schnelle Analysen der Proben.
Hochqualifizierte Labormitarbeiter – überwiegend Frauen – sorgen mit modernster technischer Ausstattung für präzise und schnelle Analysen der Proben.
© Dr. Gernot Walder GmbH

Flexibilität als Gebot der Stunde

„Wir haben natürlich die zunächst spärlichen Berichte über dieses Virus aufmerksam verfolgt. Schon Anfang 2020 hatten wir die Befürchtung, dass sich eine Pandemie entwickelt. Als ich erfahren habe, dass damals allein am Flughafen Schwechat täglich 400 Menschen aus China eingereist sind, war für mich klar, dass bereits eine rasante Verbreitung im Gange ist. Wir haben sofort reagiert, indem wir die Laborausstattung um PCR-Testeinheiten ergänzt und zusätzliches Personal eingestellt haben. Damit waren wir das erste Labor südlich des Alpenhauptkammes, welches in der Lage war, PCR-Tests auszuwerten. Zudem haben wir einen inzwischen zum Patent angemeldeten Neutralisationstest entwickelt, der es ermöglicht, die Infektiosität der Erkrankten genau festzustellen“, so Walder. Flexibilität war das Gebot der Stunde – immerhin war es notwendig, den Personalstand zeitweise zu verzehnfachen.

„Unsere Stammbelegschaft beträgt knapp 20 Personen, großteils mit akademischer Ausbildung – Laboranten, Chemiker, Biologen und Verfahrenstechniker, die fast alle aus Ost- und Südtirol sowie Oberkärnten rekrutiert werden konnten. Zusammen mit Teilzeitkräften für die Testungen und für die Transportlogistik sind bis zu 80 Leute für uns tätig. Da es keinen Sinn macht und auch unseren Nachhaltigkeitsintentionen widersprechen würde, Abstriche etwa täglich vom Zillertal nach Villgraten zu transportieren, haben wir zwei mobile Teams mit dem kompletten, für die Auswertung der Proben notwendigen Labor-und EDV-Ausstattung vor Ort im Einsatz.

Gernot Walder

Notfalls können die Laborcontainer auch innerhalb kürzester Zeit per Hubschrauber dorthin gebracht werden, wo sie benötigt werden. Wenn man etwa an den letzten Winter mit bis zu zweieinhalb Metern Schnee, durch umgestürzte Bäume blockierte Straßen und ähnliche Unwägbarkeiten denkt, kann man abschätzen, wie wichtig es ist, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Trotz unseres wirklich exponierten Standortes haben wir es auch in diesem Katastrophenwinter geschafft, den Getesteten die Ergebnisse innerhalb von maximal 24 Stunden mitzuteilen.

Gegen Stromausfälle sind wir durch Notstromaggregate gewappnet; abgesicherte Internetverbindungen, die notfalls auch über Satellit aufrechterhalten können, sorgen für eine weitgehende Autarkie unseres Labors“, betont der Infektiologe, der in diesem Zusammenhang bedauert, dass die öffentliche Hand als wichtigster Auftraggeber von Testungen und Auswertungen einmal mehr zentrale, industrielle Labor-Strukturen bevorzugt.

Schnittpunkt zwischen Labor und Patient

„Schlimm ist vor allem, dass es für uns dezentrale Labors überhaupt keine Planungssicherheit gibt.“ Gernot Walder ist weiterhin auch als Notfallmediziner tätig – aktuell als leitender Notarzt für das Osttiroler Pustertal. Zudem praktiziert er auch als Allgemeinmediziner und Sprengelarzt in St. Jakob im Defereggental. „Das ist natürlich nur mit ausgezeichneten, selbstständig arbeitenden Mitarbeitern im Labor und im Notarztsystem in Zusammenarbeit mit elf weiteren Ärzten möglich.

Ich sehe es aber schon als großen Vorteil, gerade in der aktuellen Pandemielage, mit meiner Tätigkeit als praktizierender Arzt und Labordiagnostiker im Schnittpunkt zwischen Labor und Patient zu stehen. So sieht man auch besser, welche Maßnahmen gegen die Pandemie wirklich wirksam sind und welche nicht. So war etwa die Ausreisetestpflicht aus Gebieten mit hoher Inzidenz durchaus sinnvoll – die Entscheidungsträger sehen das mittlerweile nicht mehr so. Ich kann nur dafür plädieren, weiterhin viel zu testen – zumindest stichprobenartig auch die Geimpften“, meint der Experte.

Weitere Informationen: Labor Dr. Gernot Walder

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